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5. Einbindung in die Gruppe

5.1 Finanzielle Aspekte
Um die Anhänger in die Gruppe einzubinden, haben die meisten Gruppen Mischformen gebildet, in welchen die stärker ideologisierten Mitglieder (Vorangänger im Glauben, Erleuchtete) sich als Vollzeit-Mitglieder engagieren, die übrigen als Sympathisanten oder assoziierte Mitglieder in ihrer Freizeit mitwirken. Dabei spielen häufig die finanziellen “Ausgleiche” der Vollzeitmitarbeiter keine geringe Rolle.

Mir sind Sektenprediger bekannt, die sich eine Luxusvilla in erstklassiger Wohnlage (ca. 5 MioDM Kauf und Renovierung) und Fahrzeuge der obersten Klasse des besten Typs auf Kosten der Gemeinschaft leisten. Daneben wird großzügiges Gehalt gezahlt und große Machtfülle gewährt. Gerne werden die erheblichen und häufig unangemessenen Leistungen an die Führer natürlich als Gegenleistung für übermenschliche Anstrengungen und die qualifizierte Führungsarbeit dargestellt! Ist der Stellvertreter Gottes nicht mehr als ein Bundeskanzler? Also darf sein Gehalt auch höher sein. Solche und ähnliche Argumente habe ich oft gehört.

Dies ist zumindestens dann als verwerflich anzusehen, wenn alleinstehenden Rentnerinnen in ärmlichen Verhältnissen bedeutet wird, das Scherflein der Witwe im Opferkasten sei notwendig zum Aufbau des “Werkes Gottes” und für sie, die Betroffenen, selbst von großem Nutzen! In diesem Zusammenhang ist es vielleicht von Interesse, die Strafpredigt Jesu an die Pharisäer zu lesen. “Weh euch Schriftgelehrte und Pharisäer! Die ihr der Witwen Häuser fresset und wendet lange Gebete vor! Darum werdet ihr desto mehr Verdammnis empfangen!” (Matthäus 23, 14). Dieses Kapitel des Matthäus-Evangeliums ist besonders lesenswert und pfiffig, weil sich hier mal Krähen das Auge aushacken!

Übrigens ist es bei einigen Sekten üblich darauf hizuweisen, man erhebe schließlich keine Kirchensteuer. Dies ist richtig, jedoch werden die Mitglieder angehalten, den Zehnten, das meint 10 % ihres Einkommens zu opfern, was in der Regel einen höheren Beitrag ergibt, als die Kirchensteuer des Großkirchen. Ich weiß, dass auch dies noch mäßig ist. Ganz junge und noch kleine Gemeinschaften lassen sich die ganzen Bezüge der Mitglieder aus deren Erwebsleben abtreten und gewähren dagegen freie Kost, Kleidung, Wohnung und sogar ein - allerdings geringes - Taschengeld. “Wir lieben unsere Schafe” bedeutet “Wir möchten sie scheren”. Auch der Wolf liebt die Schafe, er hat sie zum Fressen gern!

Der Übergang zum Vollzeitmitglied ist meist lohnend für Sektenmitglieder. Da steigt plötzlich ein Schuhmacher kometenhaft zum “Bischof” auf, bis sich sein Unvermögen - selbst aus Sektensicht - auf allen Ebenen bewiesen hat. Bleiben Sie gelassen: Er erhält weniger Sonderbefugnisse, weiterhin sein Gehalt und eine gute, lebenslange Pension aus den Opfern und Spenden der Mitglieder. Alle diese Vorgänge sind natürlich keiner Information oder Kontrolle unterworfen, sondern liegen im Ermessen des Sektenführers, der sich aufgrund seiner Autorität (von Gottes Gnaden sagten Fürsten früher) Nachfragen ggfs. verbittet.
 
5.2 Persönliche Aspekte
Die Machtfülle der Fürsten führte früher häufig zu Duckmäuserei und Hofschranzentum. So auch bei den Sekten. Es ist kaum glaublich, in welchem Maße gestandene Männer kuschen, wenn der Führer winkt. Für alle Sekten gilt gleichermaßen, dass die jeweiligen Führer als integre, über alle Zweifel erhabene Persönlichkeiten dargestellt werden. Als ihre Hauptleistung wird deren eigene unbedingte Unterordnung unter das ideologische System angeführt, was eine Aura von Gerechtigkeit, väterlicher Güte und nahezu göttlichem Glanz verleiht. Man denkt da an Andersens Märchen “Des Kaisers neue Kleider”.  Alle sehen den Kaiser in Unterhosen, aber jeder lobt sein schönes Prachtgewand! Weil ein paar Scharlatane der Menge erzählt haben, nur wer “reinen Herzens ist” wird das Gewand sehen können.
“Selig sind die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen”.(Matthäus 5, 8).  “Selig sind die Augen, die da sehen was ihr sehet” ( Matthäus 16, 13).

Über ein Idividuum haben Dritte nur so viel Macht, als ihnen das Individuum einräumt. Wo man liebt und vertraut - gleichgültig ob berechtigt oder unberechtigt - räumt man Macht ein. Es spielen hierbei verstandesmäßige Erwägungen eine wesentlich geringere Rolle als im übrigen Alltagsleben. Sektenführer wären ohnmächtig und sehr einsam, wenn an die Stelle der Zuneigung ihrer Mitglieder rationales Denken träte.

Sekten sind Musterbeispiele für negative Umerziehung zur Unselbständigkeit in Denken und Handeln. Gute Eltern erziehen ihre Kinder zur Selbstverantwortlichkeit und Selbständigkeit, um sie dann ins Leben zu entlassen. Da eine Sektenführung am “Entlassen” ihrer Mitglieder naturgemäß kein Interesse hat, wird sie alles tun, um eine persistierende “ewige” Bindung zu schaffen, ebenso wie schlechte Erzieher das zuweilen versuchen, um ihre Kinder für sich auszubeuten. Solche Kinder behalten ihre Elternbindung, werden jedoch in aller Regel zu Tagträumern und menschlichen Wracks. Als Erwachsene wirken sie verbogen und in ihrer Persönlichkeit gebrochen. Bei Trinkern sind persistierende Bindungen häufig.
Nüchterne und seelisch gesunde Erwachsene werden solche krankmachenden Methoden der Gruppenbindung/Übervaterbindung erkennen und meiden.

Die Konfrontation mit dem Sektenalltag, der Missionstätigkeit, der Geldbeschaffung und den Ritualen ist für die emotional aufgemischten Neulinge ein heikler Schritt. Man erkennt plötzlich, dass nicht alles Gold ist was glänzt, dass nicht alle Zuneigung ohne Hintergedanken gegeben war und soll nun allmählich die Anforderungen der Gruppe erfüllen. Meistens wird dabei ein starker Rückgang der Fürsorge gegenüber der Anwerbephase erlebt. Wer die Erwartungen gar nicht erfüllen will, also den Ernst der Lage, des “ewigen Heils” nicht erkennt und damit auch das Gruppenziel gefährdet, muß mit Sanktionen, moralischen Druckmitteln, Liebesentzug und Ausgrenzung rechnen. Wer sich weiterhin beeinflussen läßt, “einsichtig” ist, mitarbeitet, dem bietet die Gruppe zum Ausgleich seiner Mühen das Gefühl der Geborgenheit.

Wer andere von seinem Kult oder Glauben überzeugen will, muß die Gedankengänge der Gruppe übernehmen und beginnt so am ehesten, sich mit dem Kult zu identifizieren. Besonders wirkungsvoll ist die Indoktrination der Mitglieder also beim Missionieren. Viele Gruppen binden deshalb ihre neuen Mitglieder schon früh in die Werbe- und Expansionstätigkeit ein. Die Mitglieder empfinden sich zu der ausgewählten Elite gehörig, die die Menschheit zur Erlösung führen soll.

Gehirnwäsche ist etwas Unfreiwilliges. Indoktrination dagegen lassen Menschen freiwillig zu. Die auch in anderen totalitären Systemen beliebte “Gleichschaltung”  wird in diesem Zusammenhang auf die Gesinnung angewendet. Die “heiligen” Worte der verschiedenen tradierten Lehrschriften, die meist aus dem Zusammenhang gerissen zitiert werden, machen eine Gesinnungsprüfung möglich: Ein jeglicher sei gesinnet, wie Jesus Christus auch war (Philipper 2,5) oder ..dass wir alle hinankommen zu einerlei Glauben und Erkenntnis des Sohnes Gottes... (Epheser 4, 13).
Die Betonung liegt dann streng auf dem Gleichschaltungselement “einerlei”.