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Buddhismus, Kultus, Riten
Kultus
Im kleinen Fahrzeug gibt es Gemeinschaftsfeiern,
in denen Texte rezitiert werden, Predigt und Beichte stattfinden. Die Reliquien
(z.B. ein Zahn
Buddhas im Tempel des Zahns, Kandy), Gebrauchsgegenstände von Buddha
und die zum Gedächtnis Buddhas erstellten Monumente (Stupas) werden
verehrt. Symbole und Standbilder der Welterleuchter werden feierlich umschritten,
wobei kleine Gaben (Blüten, Kerzen, Räucherstäbchchen u.ä.)
dargebracht werden. Dem Verehrungsobjekt muß die rechte Körperhälfte
zugekehrt werden, da die linke in Asien als unrein gilt.
Da die Buddhas im Nirvana erloschen sind und die Verehrung nicht wahrnehmen
können, hat der Kultus den Zweck, den Verehrer mit frommen Gedanken
zu erfüllen, den Geist zur Ruhe zu bringen und den Gläubigen
dadurch auf dem Weg zum Heil weiterzuführen.
Während des rituellen Umgangs um eine Stupa gingen mir die zu opfernden
Blüten aus. Ein kleines Mädchen machte seine Eltern, offensichtlich
sehr arme Leute, darauf aufmerksam, die daraufhin das Kind mit einem Blütengeschenk
zu mir schickten, um mir das weitere Erwerben von Heil zu ermöglichen.
Die kleine Geste war von solch rührender Frömmigkeit und Verinnerlichung
getragen, daß ich sie nie vergessen habe. Der fremde Europäer
wurde als "Mitbruder" sofort angenommen: Es gibt keine Kasten-
und Rassenunterschiede im Buddhismus.
Im Mahayana wird nach hinduistischem Muster auch Musik verwendet,
um gnadenreiche Zuwendungen des Buddhas auf sich zu ziehen.
Eine Steigerung erfährt das Ritualwesen noch im Diamantfahrzeug,
das im Aussprechen seiner Mantras (Zaubersilben, wie "Om" und
"Ram"), in rhytmischen Gesängen und in der Ausführung
bestimmter Gesten einen Weg zur Herstellung eines Kontakts mit dem Überirdischen
sieht. Mandalas, Initiationsriten und geheime Zeremonielle verleihen dem
Kult hier eine völlig andere und veräusserlichte Gestalt.
Feste und Rituale
Da es im Buddhismus nicht nur die großen Richtungen des Hinayana,
des Mahayana und des Lamaismus, sondern auch sehr viele nationale und
regionale Ausprägungen gibt, ist die Zahl der Feste sehr hoch. Die
größten Feste werden von allen Glaubensrichtungen gefeiert,
finden jedoch je nach Schule zu verschiedenen Terminen statt.
Eine Verschiebung von Jahr zu Jahr stellt sich durch Verwendung des Mondkalenders
anstelle des Sonnenkalenders (wie bei uns) ein. Die Festtage fallen immer
auf Vollmond, Neumond und die Tage des ersten und des letzten Mondviertels.
An buddhistischen Festtagen tritt der Alltag in den Hintergrund und es
erfolgt eine Konzentration auf die Religion. Die Feste erinnern immer
an Buddhas Leben oder an das der lokalen Religionsgründer und sind
mit teilweise sehr prächtigen Umzügen und Prozessionen verbunden.
Am sogenannten ,,dreimal heiligen" Wesah-Fest (nach dem Monat benannt,
indem es in Sri Lanka gefeiert wird) erinnern sich die Menschen an die
Geburt, die Erleuchtung und an das Sterben Buddhas. Stationen des menschlichen
Lebens werden in Hochzeitszeremonien und Bestattungsriten gefeiert.
Heilige Stätten und Objekte
Einige heilige Stätten werden nur von buddhistischen Gläubigen
aufgesucht (Lhasa war vor der chinesischen Annexion Tibets sogar eine
verbotene Stadt). Andere Orte sind auch den Gläubigen fremder Religionen
zugänglich. Dass die Buddhisten mit anderen Religionen gemeinsame
heilige Stätten haben, zeugt von religiöser Toleranz. In der
Pilgerstadt Kataragama stehen im Tempelbereich neben Stupas auch hinduistische
Tempel und Moscheen.
Eine besondere heilige Stätte ist der Geburtsort Gautama Buddhas
in Nepal. Ebenfalls ist der Feigenbaum, unter dem er "Erleuchtung"
fand, eine Gedenkstätte. Eine weitere Stätte befindet sich bei
der Stadt Benares am Ganges, wo die erste Predigt Buddhas stattfand. Der
bedeutendste Tempel der Buddhisten, eine vergoldete Pagode, wurde in Rangun
erbaut.
Reliquien befinden sich in Heiligtümern und Schreinen, die von Zeit
zu Zeit geöffnet und dem Volk gezeigt werden.
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