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Buddhismus, Formen und Schulen

Einen uniformen Buddhismus gibt es nicht, vielmehr sehr unterschiedliche Ausformungen der Lehre Buddhas, je nach der geschichtlichen Periode ihrer Entstehung und dem geographischen Bereich ihrer Ausbreitung. Es verhält sich ähnlich wie im Christentum, in dem neben den beiden Großkirchen unzählige Sekten existieren, von denen jede mit ihren unterschiedlichen Interpretationen den rechten Weg zu wissen glaubt.

Buddha hinterliess seinen Anhängern mündlich Leitprinzipien. Dies führte wegen der unterschiedlichen, teilweise auch ungenauen, Überlieferung zur Spaltung des Buddhismus in verschiedene Richtungen. Bei seiner Ausbreitung in andere Länder wurden Übersetzungen der schriftlichen ältesten Zeugnisse angefertigt, die unterschiedliche Interpretationen zuliessen. Dazu kamen teils deutliche, teils unmerkliche Anpassungen an Sitten und Ethik der Länder in die der Buddhismus zuwanderte sowie Zugeständnisse an den vielbeschworenen Zeitgeist.

Wegen der genannten Veränderungen hat das einfache Leben und philosophische Denken des Gautama Buddha keine Gemeinsamkeiten mit der Pracht der tibetanischen Klöster und deren religiöser Ritualisierung. Wer würde in der Prachtentfaltung des Petersdoms oder in den ruhestandsberechtigten Bezügen evangelischer Landesbischöfe noch eine Gemeinsamkeit mit dem sandalentragenden Jesus oder dem Fischer Petrus entdecken können? ("Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester und des Menschensohn hat nichts da er sein Haupt hinlege", Matth. 8,20.)

Im Gespräch mit dem Abt eines buddhistischen Klosters, das berühmt ist für seine Bilder aus dem Leben Buddhas, fragte ich nach, warum diese Bilder trotz des offensichtlichen Gegensatzes zur Lehre Buddhas bestünden. Antwort des Abtes: "Für das gläubige Volk!"

Hauptrichtungen des Buddhismus mit stark von einander abweichenden Anschauungen sind z.B.:

- Hinayana ("kleines Fahrzeug"), auch Theravada - Schule (,,Anhänger der Lehre der Alten"): Ursprünglichste Form des Buddhismus. Buddha ist unübertroffener Lehrer, der den Weg des Erwachens geht. Beschreitung seines Wegs ist oberstes Ziel, die Richtigkeit erweist sich ihrer Meinung nach dem Suchenden dadurch, dass die Lehre von der Vernunft nachvollziehbar und in der Erlösung vom Leiden erfahrbar ist. Das Hinayana ist der ältere, strengere Buddhismus, nachdem auch die Mönche und Nonnen leben (vorwiegend in Thailand, Birma und Kambodscha). Das Ideal des Hinayana ist die Arhatschaft, der weltabgewandte Heilige, der durch Meditation seinen Durst nach Leben reduziert, seine Weisheit vollendet und seine falschen Vorstellungen berichtigt hat.

- Mahayana (großes Fahrzeug), begründet im 2.Jh. vuZ. Zweite große Hauptrichtung des Buddhismus: Der Mensch kann auch von anderen auf den Weg der Erleuchtung geführt werden: Durch die sogenannten Bodhisattvas (,,Energie die nach dem Erwachen strebt"), erleuchtete Wesen, die ihre eigene vollständige Befreiung aufschieben und solange hilfreich auf der Welt wirken bis alle Wesen aus dem Samsara (Wiedergeburten) befreit sind. Nach Auffassung des Mahayana kann jeder Mensch Bodhisattva werden. Die
Mahayana-Schule gewann in Indien und China eine große Anhängerschaft. Statt eines weltentsagenden Heiligen wurde das Ideal des Boddhisattvas gelehrt, die Zahl der Buddhas wurde vermehrt und diesen ein pompöses Ritual geweiht. In philosophischer Hinsicht wurde ein monistischer Überbau eines Weltgesetzes (Dharma) geschaffen. Die Mahayana-Anhänger beriefen sich hierfür auf eine große Anzahl von Sutra-Texten Buddhas, die bisher verborgen geblieben sein sollten. Die Mission nahm jetzt einen großen Aufschwung.

- Ch'an-Buddhismus und Zen-Buddhismus: Der Inder Bodhidharma gründete in China (Shaolin-Kloster) um 520 uZ die Schule des Ch'an-Buddhismus, die heute vor allem in Japan, Europa und Amerika viele Anhänger hat. Im Gegensatz zu anderen Buddhisten glaubt diese Schule an ein spontanes Erleuchtungserlebnis (jap. Satori), das von allem Leid der Welt befreit und die Persönlichkeit so umwandelt, daß sie Meisterschaft über sich selbst erreicht und vollkommene Harmonie mit dem Weltgrund erzielt wird. Zen wurde mit Vorliebe von japanischen Rittern betrieben (Samurai, Schwertschule) und wird heute in vielen Ausprägungen praktiziert (rein meditative Schulen, Teekult, Bogenschießen u.ä. mehr). Die Ch´an-Schule lehnt jedes rationale Denken ab und findet die höchste Wahrheit im Erlebnis der Erleuchtung. Der Mensch muß seine Mitte und seine Buddha-Natur finden. Durch paradoxe Antworten und Fragen (Koan) versucht der Lehrer den Schüler zu der Einsicht zu bringen, daß logisches Denken für den Gewinn der Erleuchtung ein Hemmschuh ist, der abgelegt werden muß. Durch Koans (Sprüche, die scheinbar keinen Sinn ergeben), die der Lehrer dem Schüler zum Meditieren gibt, will er rationales Denken während der Meditation verhindern

- Vadschrayana (Diamantfahrzeug) ,Fahrzeug der Zaubersprüche (Mantrayana): Diese Schule beschäftigt sich mit magischen Weihehandlungen, paßte sich Volkskulten an und nahm auch den Kult von weiblichen Gottheiten und erotische Riten auf. Die Lehre Buddhas näherte sich dem hinduistisch orientierten Tantrismus. Die Entwicklung des Vadschrayana förderte den inneren Verfall des Buddhismus.

- Lamaismus: In Tibet und der Mongolei haben das große und das Diamantfahrzeug eine abweichende Form gefunden. Seine Priester heißen Lamas (Obere). In der Hauptstadt Lhasa befinden sich die Hauptklöster und Tempel. Die Oberhäupter dieser Schule bezeichnet man als Dalai-Lamas. Dalai-Lama (Hoherpriester) wird, wer kurz nach dem Tode eines Hohenpriesters geboren wird. In ihm erlebt der verstorbene Kirchenfürst seine Wiedergeburt. In großen Klosteranlagen mit tausenden von Mönchen findet ein Teil des Wirtschaftslebens statt. Das Ritual des Lamaismus ist prunkvoll. Allgemein bekannt sind heilige Silben zur Bannung böser Geister, wie z.B. das "Om mani padme hum" (Du Edelstein-Geheimnis in der Lotosblüte). Ihnen wird eine segnende Kraft zugeschrieben. Sie werden immer wieder gemurmelt, auf Wände und Fahnen gemalt, auf Papierstreifen angebracht, in händisch oder durch Wasserkraft mechanisch bewegten Gebetsmühlen in Bewegung gesetzt. Tibet war lange Zeit eine besondere Art von Kirchenstaat, in dem der Klerus seine Macht ausübte. Die fast völlige Abschließung des schwer zugänglichen Landes hat die Ausbildung dieses besonderen Religions- und Staatswesens ermöglicht. Durch die chinesische Okkupation ist die Kontaktarmut beendet. Die Zukunft wird lehren, wie weit der tibetanische Buddhismus fremden, z.B. westlichen Einflüssen, Widerstand leisten kann. Zur Zeit ist Tenzin Gyatso ( geb.1935 ) der XIV. Dalai Lama.