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Altorientalische Religionen

Allgemeines
Unter den altorientalischen Relgionen hat die Gruppe der semitischen Religionen besondere Bedeutung. Nach der Bibel stammen die Semiten von einem Sohn Noahs (Sem) ab. Diese Erklärung ist zwar fragwürdig, jedoch sind die Semiten eine von anderen Völkern auch sprachlich stark unterschiedene Gruppe in Vorderasien. Es gibt drei Untergruppen:

1. Ostsemiten
Akkader, Babyloner, Assyrer
2. Westsemiten
Amoriter, Kanaanär, Phönizier, Hebräer, Moabiter, Juden, Aramäer und Syrer.
3. Südsemiten
Araber, Sabäer, Minäer und Äthiopier

Gemeinsame Grundzüge
Der älteste bekannte Kult ist die Verehrung einer großen Fruchtbarkeitsgöttin. Je nach Volkszugehörigkeit tritt sie unter anderen Namen auf (Ischtar, Astarte, Aschera, Anat). Ihr ist meist ein jugendlicher Gott beigesellt (Namen: Tammuds, Attis, Eschmun oder Adonis). Diese Götter stehen für das Entstehen und Vergehen der Vegetation. Sie werden durch Riten verehrt, die der Erneuerung des Lebens dienen sollen: Daß der gestorbene Gott wiedergeboren wird, weckt die Hoffnung auf Auferstehung des Menschen nach seinem Tode, falls dieser in rituelle unio mystico mit dem Gott tritt (auch im sakralen Beischlaf). Es gibt verschiedene Typen von Göttern:

1. Götter, die über Himmel, Erde und Unterwelt regieren (kosmische Funktionen)
2. Götter, die auf bestimmten Bergen in bestimmten Quellen oder in bestimmten Wäldern u.ä. wohnen. Sie sind Besitzer dieser heiligen Plätze und werden dort durch Gaben verehrt. Sie haben meist den Namen Baal (Herr, Besitzer) mit einem kennzeichnenden Zusatznamen.
3. Personengebundene Götter, die Gottheiten einer Familie oder eines Stammes sind. Sie werden gelegentlich als Gott des Mannes bezeichnet, der sie zuerst gesehen haben will und bei dessen Kindern dann als “Gott der Väter” angebetet.
4. Stadtgötter, in denen sich die Züge lokaler und personaler Verbindung vereinigen.
Diese sind besonders aus den Stadtstaaten des Zweistromlandes bekannt. Die Staatsgrenzen haben sich im Laufe der Zeit vielfach verschoben, so daß personale und oder kosmische Götter zu lokalen Göttern wurden, die an einem Ort besondere Anbetung genossen. Zahlreiche nichtsemitische Völker wurden durch semitische Religionen stark beeinflußt (Griechen, Perser) oder haben diese angenommen. Dies hängt mit der politischen Entwicklung (Assyrisch-babylonisches Reich, Persisches Reich usw.) oder auch mit Entwicklung von Wirtschaft und Handel (Phönizier und deren Kolonien) zusammen.

Einzelne Völker und ihre Religion

Amoriter
seit 2.400 vuZ aus Texten bekannt
Hauptgott Amuru, der später mit dem Wettergott Anu in Verbindung gebracht wurde. 
Muluk (auch Moloch, Schützer des Eides), dem Menschen geopfert wurden.

Araber
In vorislamischer Zeit hatten die Araber, als Halbnomaden lebend, einen geistigen Mittelpunkt in Mekka, wo der schwarze Stein (Kaaba) verehrt wurde. Ihre Götter sind Hobal, Al-Utza (die Mächtige), Manat und Allat, die im Koran Sure 3,19 genannt werden. Allah (Gott) wurde also schon als Gott verehrt, bevor ihn Mohammed im monotheistischen Sinne deutete.

Aramäer
Dieses in Syrien beheimatete Volk glaubte an eine Dreiheit von Göttern: Hadat (Gewittergott), Atargatis (Fruchtbarkeitsgöttin) und Adonis (das Kind der Beiden). Neben Vegetationsgottheiten wurde auch der babylonische Auferstehungsgott Tammuts verehrt.

Elamiter
Die Herkunft dieses Volkes ist dunkel. Verehrt wurden Pinikir (Himmelsherrin), ihr Gemahl Huban und ihr Sohn Hutran.

Huriter
Wanderten aus dem indoiranischen Osten im 2. Jahrtausend vuZ nach Mesopotamien ein. Ihre Könige tragen die Namen arischer Götter. Das gleiche gilt für die Mittani. Im hethitisch-mittanischen Staatsvertrag (um 1350 vuZ) sind als Eideshelfer neben zahllosen kleinasiatischen und babylonischen Göttern auch die indoarischen Götter Mitra, Waruna, Indra und Nasatyas genannt.

Die Kanaaniter waren die vorisraelitische Bevölkerung Palästinas und verehrten heilige Steine, Kultbäume und Berge, Pfähle, Quellen und Tiere. Der Hauptgott, einfach als Baal bezeichnet, ist Herr des Ackerbodens und weil er ihn fruchtbar macht auch Beherrscher des Regens. Dadurch ist er schließlich auch zum Sonnen- und Himmelsgott geworden. Baals Gattin Baalat wird mit der Fruchtbarkeitsgöttin Anad, Aschera, Astarte oder Ischtar (Der Göttin des Venussterns) identifiziert. In Ihrem Dienst war die sakrale Prostitution üblich. Menschenopfer wurden für besondere Zwecke gebracht, z.B. einem Bau Festigkeit zu verleihen. Bisweilen wurde das Erstgeborene Kind geopfert. Wie aus dem AT Richter 9,27 hervorgeht wurden exstatische Tänze und Orgien zu Ehren des Baal gefeiert.

Minäer und Sabäer (Südarabien, Jemen) verehrten astralen Götter: Den männlichen Mond, die weibliche Sonne und den männlichen Venusstern. Das Geschlecht dieser Götter ist also anders als bei den übrigen semitischen Völkern.

Die Moabiter hatten Kamosch als Hauptgott. Er wurde ähnlich wie Jahwe bei den Israeliten als Gott und Schirmherr des Landes und des Volkes angesehen.

Die Nabatäer, im 4. Jahrhundert vuZ einwandernd, siedelten südlich des Toten Meeres in Petra und im südlichen Ostjordanland. Es wurden Felsheiligtümer und Kultstätten gefunden, die zeigen, daß ein großes Pantheon von Göttern verehrt wurde.

Die Philister (Pelistim) wanderten wahrscheinlich erst um 1150 vuZ in Palästina (der Name ist aus Pelistim entstanden) ein. Sie sind nicht semitischer Herkunft und im kannten keine Beschneidung. In der Bibel werden ihre Götter Dagon und Beelzebub (Baal-Sebab) in außerbiblischen Quellen die Göttin Atargatis genannt.

Die Phönizier (griech. Phöniker = Purpurhändler) aus den Seestädten Sidon, Tyrus und Biblos waren ein Seefahrervolk mit vielen Handelsniederlassungen im Mittelmeerraum. Eine davon war die der Punier in Khartago. Ausgrabungen in Ras Schamra weisen auf den Kult des Baal, (El)l hin, der ein Gott der Weisheit und Gerechtigkeit war. Daneben existieren weibliche Gottheiten wie Anad und Aschera.

Die Phrygier sind ein indogermanisches Volk und waren Verehrer der Kybele (große Mutter) und des Patis. Der Mytras-Kult, der sich im Römischen Reich verbreitet zeigte, ist ihre ursprüngliche Mysterien-Religion.

Babylonisch-assyrische Religion
Die im Gebiet des Euphrat und Tigris ansässigen Stämme der Sumerer, Akkader, Babylonier und Assyrer standen in enger Verbindung und haben sich z.T. bedingt durch gegenseitige Eroberung miteinander vermischt. Die im Kriege besiegte Stadt nahm unter Beibehalt der eigenen Göttern noch Götterglauben und Rituale des Siegers an.

Die in den Stadtstaaten jeweils verehrten lokalen Hauptgottheiten waren z.B. in Lagasch (heute Tello) der Gott Ninurta, in Uruk (heute Warka) der Gott Anu. 

Als um 1850 vuZ Hamuarbi Babylonien unter seiner Herrschaft vereinigte machte er Babel zur Hauptstadt und die Kulturen begannen miteinander stark zu verschmelzen. Nach Eroberung des Landes durch die Hethiter und Kassiten herrschten diese, bis um 1350 vuZ die Assyrer in Babylon eingriffen. Die Hauptstadt Assur wurde später durch Kalach (heute Nimrud) und Ninive (bei Mosul) abgelöst. 612 vuZ erlagen die Assyrer dem Angriff der Babylonier und Meder. 539 vuZ wurde Babylon von den Persern erobert. Übereinstimmend berichten Daniel 5, und Herodot 1,191, daß dies während eines von Belsazar gegebenen Festes stattfand. Die aus der Bibliothek des Königs Assurbanipal (669 - 629 vuZ) mit rd. 30.000 Werken, die der König aus seinem Reich abschreiben und katalogisieren ließ, stammenden Überlieferungen religiöser Literatur sind umfangreich. Enthalten sind Hymnen, Gebete, Buspsalmen,  Zaubersprüche, Spruchweisheiten, Märchen, mythologische Epen und Werke über die Deutung von Vorzeichen. Die Epen sind im wesentlichen die Geschichte von Gilgamesch und die Geschichte von Ischtars Höllenfahrt. Ein Motiv, das auch in der griech. Mythologie anklingt.

Die Hymnen betreffen die Macht und Handlungsweise der Götter. Der Hymnus an den Gewittergott Adad z.B. lautet:

"Wenn der Herr zürnt, zittert der Himmel vor ihm. Wenn Adad grollt bebt die Erde vor ihm".
Der Sonnengot Schamasch wird mit folgenden Worten geehrt:
"Die gewaltigen Gebirge sind umgeben von Deiner Glorie,
von Deinem Strahlenglanz sind voll die flachen Länder".

So steht der in dieser Religion beheimatete Mensch vor der heiligen Majestät seines Gottes, die größere Machtfülle hat als sogar der König, der doch über Leben und Tod, über Krieg und Frieden bestimmten kann,  über Recht und Unrecht entscheidet. Welch eine seelische Ergriffenheit diese für unser Verhältnisse einfachen Menschen erlebte, wenn sie ihre Gotteserfahrungen machten entzieht sich unserer Kenntnis, kann jedoch aus Schriftzeugnissen erschlossen werden.

Das Wort des Gottes Marduk wird wie folgt beschrieben:

"Sein Wort, das unabwendbar wie ein Unwetter, nicht durchschaut werden kann....
Ein Wort, das oben den Himmel bewältigt,
Ein Wort, das unten die Erde niederdrückt ....
Sein Wort ist ein anstürmender Orkan, dem keiner widersteht ....
Sein Wort ist ein verdeckter Krug: Wer kennt sein Inneres?
Seines Wortes Inneres ist unergründlich".

Weltbild
Die zwei Teile des Weltalls (himmlisch und irdisch) zerfallen in Erde, die als Scheibe vorgestellt wird und Himmel, der als feste Halbkugel über die Erde gestülpt ist. Der Himmel besteht aus drei Teilen: Himmel Anus, Himmel der Igigi (bestimmter Götter), in dem auch Bel-Marduk wohnt und den Himmel der Sterne. Ein Fundament stützt den Himmel (Horizont). Pflöcke und Wall schützen den Himmel gegen Wasser und befestigen ihn an der Erde.

Die Erde hat ebenfalls drei Teile: Die Erde der Menschen (das Reich Enils), die Erde Eas (Wassergott), das Land der Unterweltgötter (der Anunaki). Von besonderer Bedeutung ist der Versammlungsort der Götter, das Ubschukinnaku mit der Schicksalskammer Duku, wo die Götter das Schicksal der Welt bestimmen.

Erde und Himmel werden vom Ozean umschlossen, den man im Grundwasser erreicht und der Ursprung aller Flüsse und Meere ist. Es gibt zwei Urprinzipien, die weibliche Tiamat (Salzwasser) und den männlichen Apsu (Süßwasser). Der letzte in einer Reihe von Göttergenerationen, die von diesen Prinzipien abstammen ist Marduk. Er besiegt die alten Götter und formt aus der erschlagenen Tiamat die gegenwärtige Welt. Der Mensch ist Diener der Götter und aus dem Blute eines aufsässigen Gottes geschaffen. In der Geschichte der Welt spielt auch die Sintflut eine Rolle, wie dies im Gilgamesch-Epos geschildert ist.

Erde und Himmel stehen nach Meinung der Babylonier in geheimnisvollen Zusammenhang. Der Sternenhimmel ist eine große Chiffre, deren Deutung die Voraussage des Schicksals und der Zukunft durch Kundige ermöglicht. Frühzeitig haben deshalb Babylonier Sternwarten geschaffen, einen Kalender entwickelt und sind zu Begründern der Astrologie geworden. Noch heute sind unsere Wochentage nach babylonischen Gottheiten (teilweise mit römischen Bezeichnungen) benannt.

Sonntag (Sonne, Schamasch), Montag (Mond, Sin), Dienstag (Mars, Nergal), Mittwoch (Merkur, Nabu), Donnerstag (Jupiter,  Marduk), Freitag (Venus, Ischtar), Samstag (Saturn, Ninurta). Nach babylonischem Glauben folgen bestimmte Weltalter aufeinander, die am Anfang vorhandene glückliche Zeit verschlechtert sind allmählich, um am Ende wieder zur glücklichen Zeit zu werden. Dies scheint für viele eschatologische Weltsichten beudeutungsvoll geworden zu sein.

Übernatürliche Mächte
Da jede Stadt einen Lokalgott hat und ein ausgedehnter Synkretismus (Beziehungsgeflecht der Götter untereinander) entstand, ist das Pantheon sehr reich.  Götterlisten aus dem Land der Sumerer weisen 638 Namen auf, die Zahl hat sich später sehr vermehrt. An der Spitze der babylonischen Götter steht die Dreiheit: Anu, Enlil und Ea. Anu ist der Himmelsgott, sein Haupttempel war in Uruk. Enlil ist Windgott und beherrscht den Luftraum. Seine Stadt war Nippur. Ea (sumerisch Enki), Herr der Tiefe, ist Gott des Wassers mit Heiligtum in Eridu. Die übrigen Götter werden in weiteren Triaden zusammengefaßt. Von dem Jagd- und Kriegsgott Ninurta stammt wahrscheinlich die Gestalt des Nimrod her. Nergal, Herr des Totenreiches, ist der Gott der sengenden Mittagshitze, die Fieber und Tod wie auch Genesung bringt. Während der Blütezeit Babylons überstrahlt Marduk, der lokale Hauptgott (Gott der Morgensonne und der Vegetation), zeitweilig alle anderen Götter. Die Götter haben Gemahlinnen, die jedoch hinter der dominierenden Ischtar zurücktraten oder mit ihr verschmolzen. Viele gute und böse Geister, Schutzgötter, Fieberdämonen und ähnliches sind außerdem vorhanden. Auch leblose Gegenstände wie Throne, Embleme und Waffen, auch zeitweilig Herrscher, wurden vergöttlicht. Göttliche Wesen wurden in menschlicher Gestalt mit einer Hörnerkrone dargestellt.

Mit Göttern Babylons sind z.B.Tiersymbole verbunden, wie geflügelter Stier, Löwe, Adler, Mensch.

Diese Symbole wurden ins Christentum übernommen (Offenbarung Johannes 4,7). Häufig werden diesen Göttern die Schreiber der vier Evangelien Matthäus, Markus, Lukas und Johannes zugeordnet. Auch Symbolische Zahlen der Kabbala stammen aus babylonischen Quellen wo diese Zahlenmystik entwickelt wurde. Auch sie wurden später ins Christentum übernommen.(Die Zahl des Tieres ist 666: Ofennbarung des Johannes).

Der babylonische Polytheismus entwickelte sich nicht zu einem einheitlichen höchsten Prinzip des Weltenlenkers oder Weltbeherrschers. Kosmische Gesetzlichkeiten wurden als unpersönliches Gesetz angenommen.

Der Kult
Götter wurden in Tempeln verehrt, die mit ihren drei Haupträumen Wasserreich, Erde und Himmel darstellten. Neben dem Tempel stand die Ziggurat, ein Stufenturm, dessen 5 oder sieben Stockwerke den 5 Planeten oder den 7 Himmelslichtern (Sonne, Mond, Wandelsterne) entsprechen. In der Ziggurat wird die Verbindung zwischen Himmel und Erde hergestellt. Gott steigt bei Festen über sie herab und wieder empor. Die Tempel waren Zentren des Geldwesens (wurde das ebenfalls in die christliche Religion übernommen?). Dort wurden Gebete und Hymnen gesprochen und gesungen, Brandopfer (Zedernholz, Zypresse) gebracht, und landwirtschaftliche Produkte und in alter Zeit auch Menschen geopftert. Das wichtigste Fest des Jahres war das Neujahrsfest. Es wurden dann Götterbilder in Prozessionen durch die Stadt getragen. Wichtigstes Fest war das Neujahrsfest, in dem sich wie bei römischen Saturnalien Sklaven wie Herren benehmen durften.

Priestertum
In alter Zeit war der König gleichzeitig oberster Priester. Als kriegerische und andere Aufgaben vermehrt anfielen wurden weltliche und geistliche Gewalt getrennt. Die Folge war, daß der Oberpriester große politische Macht hatte. Bei den Priestern wurde eine Hierarchie von 30 Rangstufen ausgebildet, die vom Wahrsager über die Beschwörer und beschnittene Sängerpriester reichte. Priesterinnen waren in 20 Rangstufen vorhanden. In Ur z.B. war eine Prinzessin Oberpriesterin und Braut des Mondgottes. Bestimmte Priesterinnen hatten Keuschheit zu bewahren und in Klausur zu leben, andere boten sich im Tempel zum sakralen Beischlaf an.

Soziales Leben und Ehtik
Aus Tontafeln der Bibliothek des Assurbanipal wissen wir, daß das wichtigste Lebensgebot lautete: Fürchte Gott, ehre den König. Der König sollte Vorbild sein und mußte sich als Stellvertreter des Volkes kasteien für Missetaten des Volkes. Die Herrscher griffen dann zum bei vielen Völkern üblichen Mitteln der Einsetzung eines Ersatzkönigs, der die Strafe der Götter auf sich nehmen mußte. König Assarhaddon hatte, als zwei Mondfinsternisse das Land vor seinem Feldzug gegen Ägypten bedrohten, einen Sklaven namens Damqi zum König salben lassen. Nach einer Scheinregierung von 100 Tagen wurde er den Göttern geopfert und im Mausoleum beigesetzt. Sofern die Sünden weniger schwerwiegend waren konnte durch Sündenerkenntnis und Bußwilligkeit eine Versöhnung mit den Göttern herbeigeführt werden. Der Zorn der Götter war dann gesühnt. Unter den religiösen Keilschrifttexten befindet sich folgender Bußpsalm von ergreifendem Ernst:

"Oh Herr, meiner Sünden sind viel, groß sind meine Vergehen.
Mein Gott, meiner Sünden sind viel, groß sind meine Vergehen.
Zu meinem barmherzigen Gott wende ich mich, flehe ich laut,
die Füße meiner Göttin küsse ich, rühre ich an".

Die moralischen Vorschriften waren im übrigen sehr streng und entsprachen im wesentlichen den 10 Geboten, so dass davon augegangen werden kann, dass diese, erst spät aufgezeichneten Gebote, babylonischer Herkuft sind. Die Vorstellung vom Leben nach dem Tode war, wie später in Griechenland, nicht sonderlich ausgeprägt. Die Unterweltgöttin Allatu beherrschte ein freudloses Land ohne Heimkehr, in dem staubbedeckte Tote in der Dunkelheit sitzen, Lehmklöse essen und trübes Wasser trinken, sofern ihnen nicht die Hinterbliebenen Speise und Trank spenden. Deshalb war es auch wichtig, daß man eine Sippe hinterließ, die für einen sorgen konnte. In den meisten Texten wird darauf hingewiesen, daß das Los der guten und bösen, der Fürsten und Armen nach dem Tode gleich sei. Die Vergeltung für schlechte und der Lohn für gute Taten spielten keine Rolle. Eine Ausnahme machen in der Schlacht Gefallene; sie hatten reines Wasser statt trübem Wasser zur Verfügung.