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Mit oder ohne Religion können sich gute Menschen anständig verhalten und schlechte Menschen Böses tun; doch damit gute Menschen Böses tun, dafür braucht es Religion.
Steven Weinberg, Physiker und Nobelpreisträger

Der Grundkonflikt zwischen Religion und weltlicher Moral

Die moralische Autorität der Religion wird in unserem Kulturkreis mit dem Argument untermauert, die moralischen Werte unserer Gesellschaft seien ja christliche Werte und unsere Moral somit ein Ergebnis und Verdienst des Christentums. Ähnliche Argumentationsgänge finden sich auch bei anderen Religionen. Es wird hier allerdings für unseren Kulturkreis übersehen, daß unsere Werte die der Aufklärung sind, welche großteils gegen den Widerstand der Religion durchgesetzt wurde. Allgemein mißachtet man zudem die Tatsache, daß die Religionen nicht in ein moralisches Vakuum vorgestoßen sind. Moralische Grundregeln leiteten sich aus der Notwendigkeit für ein friedliches Zusammenleben ab und haben durch die Religion lediglich eine Veränderung erfahren. Da aber die Religion ihre Moral nicht allein auf weltlichen Grundsätzen aufbaut, kann es nicht überraschen, wenn sie mit der weltlichen Moral zumindest teilweise in Widerspruch stehen. Die Übergriffe der Religionen sind sattsam bekannt, werden aber meist als Verfehlungen Einzelner dargestellt. Es gibt jedoch gute Gründe anzunehmen, daß die Probleme systemimmanent sind.

Eine Religion verkörpert ihrem Selbstverständnis und dem Verständnis ihrer Anhänger zufolge das absolute Gute. Daß man dem, was man als das Gute in seiner höchsten Form anerkennt, nachzufolgen und es soweit möglich zu verwirklichen hat, ist ein moralischer Imperativ, der in dieser Form wohl schwer bestreitbar ist. Das Problem ist nun, daß das absolute Gute der Religion die Gebote eben jener Religion zwingend an erste Stelle setzt - vor den Prinzipien, die einem allgemeinen Grundkonsens nach bedingungslos sind (z.B. Recht auf Leben, Freiheiten), nun aber bedingt gemacht werden. Auf den Punkt gebracht: Gottesrecht bricht Menschenrecht. Wenn es sich auf irgendeine Art und Weise entpuppt, daß Gott Verstöße gegen das Menschenrecht wünscht, muß dem Folge geleistet werden.
Nun ist diese Information nicht auf empirisch nachprüfbarem Weg erhältlich. Entweder man akzeptiert sie oder man akzeptiert sie nicht. Man muß glauben. Das heißt aber, daß die Information nicht abgesichert zu sein braucht, da sie ja gar nicht abgesichert werden kann. Der Erhalt des Menschenrechtes wird der Willkür ausgeliefert, ob man den Befehl glaubt oder nicht. Glaubt man ihn - es geht ja nicht anders als über den Glauben - wird das Gottesrecht, das sich in diesem Befehl manifestiert, durchgesetzt und alles ist erlaubt.
Fazit: Der Zweck heiligt die Mittel - und zwar alle Mittel.
Religion folgt einem abstrakten Leitbild, das über dem Menschen zu stehen hat und ihn daher entmenschlichen kann, genau wie z.B. Faschismus und Kommunismus das auch tun. Der Mißbrauch des eigentlich propagierten Guten ist keine drohende Gefahr, sondern eine Zwangsläufigkeit. Ein zusätzliches Problem ist in dieser Hinsicht das Scheitern eines jeglichen Theodizee-Versuches.

Eine Religion ist ihrem Selbstverständnis nach im Besitz der absoluten Wahrheit. Diese darf entsprechend nicht angezweifelt, sondern muß geglaubt werden - zumal sie ja das absolut Gute enthält. Ergo ist das Anzweifeln der Religion an sich bereits böse (es wirkt dem Guten entgegen) und muß bekämpft werden. Kritisches Denken ist unzulässig und muß dementsprechend unterbunden werden - vor allem, da die Religion auf Glauben basiert, also auf einem Modell, das man nicht auf Basis einer Wahrscheinlichkeits-kalkulation als wahr annimmt. Das kritische, skeptische Denken ist daher für die Religion äußerst gefährlich, weswegen es ja auch bekämpft wird. Dieses Denken wird aber normalerweise für etwas genutzt, das man als Erkenntnis der Wirklichkeit bezeichnen könnte - die wird also eingeschränkt bzw. als bedrohlich angesehen. Gotteswahrheit steht über Menschenwahrheit - Glauben steht letzten Endes über Wissen. Entweder darf das Wissen nur eingeschränkt angenommen werden und muß sich der Religion unterordnen, oder es muß unterdrückt werden, und mit ihm selbständiges, kritisches Denken. Da ersteres nie umfassend durchgesetzt werden kann, bleibt nur die zweite Alternative. Wahrheit wird sekundär und ist ebenfalls der Willkür ausgeliefert, genau wie die Moral (s.o.). Dementsprechend wird auch die moralische Selbstbestimmtheit des Menschen, also das Recht, die eigenen moralischen Grundsätze zu definieren, verneint. Das Gewissen des Einzelnen hat nicht autonom zu sein, sondern von der Religion bestimmt. Das heißt Hierarchie statt Demokratie und Gehorsam statt Verantwortung. Verstärkt wird dies durch die an sich schon hierarchische Ideologie, derzufolge die Götter oder oft ein Gott zur unabänderlichen Herrschafts-instanz gemacht werden. Aus der Geschichte ist bekannt, daß solche autokratischen Strukturen zwangsläufig Unterdrückung, Machtmißbrauch und oft Kriege hervorrufen, dies alles Erscheinungen, die sich nicht nur im Dritten Reich oder im Kommunismus beobachten ließen, sondern die auch aus der Geschichte einer jeden ausreichend mächtigen Religion bekannt sind.
Die fromme Intoleranz ist bei polytheistischen Religionen natürlich schwächer ausgeprägt, im alten Rom z.B. wurden nahezu alle Götter und Religionen geduldet - sie mußten nur selbst Toleranz üben und durften die Staatsgewalt nicht destabilisieren. Monotheistische Religionen müssen ihrer eigenen Moral zufolge prinzipiell intolerant sein, soweit es ihnen ohne eigene Nachteile möglich ist. Zumindest monotheistische Religion und Liberalismus sind einander also entgegengesetzt.

Zudem muß die Religion sich mit ihren Geboten von dem ohnehin vorhandenen moralischen Grundkodex einer Gesellschaft abheben. Da die moralischen Bereiche, die bei Nichtreligiösen Sinn machen, bereits "belegt" sind, bleiben nur zwei Möglichkeiten - für einen Außenstehenden sinnlose und für einen Außenstehenden explizit unmoralische Gebote. Die ersten sind rituelle Handlungen wie zum Beispiel ein Gottesdienst, Gebete zu bestimmten Zeiten oder Anlässen etc. Die zweiten bestehen aus Geboten, die die religiöse Intoleranz vorgibt, und aus Ableitungen abgrenzender ritueller Prinzipien. Als Beispiel sei nur das Gebot im calvinistischen Teil des Schottland des 18. Jh. genannt, am Sonntag Schiffbrüchigen nicht zu helfen, weil man sonst das Ruhegebot verletze. Zudem wertet die Ausrichtung auf ein Leben nach dem Tod bzw. eine Wiedergeburt das jetzige Leben ab. Die Konzentration auf die Regeln der Religion ist wichtiger als ein Dienst an der Gesellschaft. Und die Verheißungen der Religion werden um so verlockender, je größer der Kontrast zwischen dem erhofften Jenseits und dem verhaßten Diesseits ist. Da man bei der Verheißung von ersterem bereits an den Grenzen angelangt ist, muß es im Interesse der Religion liegen, daß es den Menschen möglichst schlecht geht!

In der Welt von George Orwells "1984" haben sich Idelogien den Weg zur Macht erobert, deren Ziel Machterhalt durch das Unglück der Menschen ist. Solche Ideologien existieren aber bereits seit Jahr-tausenden, sie sind Orwells Fantasien nur um die verlockende Belohnung und die drohende Bestrafung im Jenseits voraus. Der große Philosoph und Literatur-Nobelpreisträger Bertrand Russell bezeichnete die Religion als Haupthindernis für den moralischen Fortschritt in der Welt. Ich stimme dem zu.
A.L.