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Zenon von Elea
Textfragment: Über die Natur
(Das der Größe nach Unendliche legte er vorher nach
demselben Beweisgang dar. Er zeigt zuerst, daß) wenn das
Seiende keine Größe besitze, es auch nicht vorhanden sei.
(Dann fährt er so fort:) Ist es aber vorhanden, so muß ein
jeder seiner einzelnen Teile eine gewisse Größe und Dicke
und Abstand vom anderen haben. Und dasselbe läßt sich von
dem vor jenem liegenden Teile behaupten. Auch dieser wird natürlich
Größe haben und es Wird ein anderer vor ihm liegen. Das Gleiche
gilt also ein für alle Mal. Denn kein derartiger Teil desselben
(des Ganzen) wird die äußerste Grenze bilden, und nie wird
der eine ohne Beziehung zum anderen sein. Wenn es also viele Dinge gibt,
so müssen sie notwendig zugleich klein und groß sein: klein
bis zur Nichtigkeit, groß bis zur Unendlichkeit.
(In seiner Schrift, die viele Beweisgänge enthält, zeigt er in
jedem, daß wer die Vielheit behauptet, sich in Widersprüche verwickelt.
So ist einer dieser Gänge folgender. Er will zeigen, daß ›wenn
es Vieles gibt, dies zugleich groß und klein sein muß, und zwar
groß bis zur Unendlichkeit und klein bis zur Nichtigkeit‹.
Darin sucht er nun zu zeigen, daß ein Ding, das weder Größe
noch Dicke noch Masse besitzt, überhaupt nicht vorhanden sein könne.)
Denn würde es zu einer anderen Größe zugefügt (so lauten
seine Worte), so würde es (jene) um nichts vergrößern. Denn
wird eine Größe, die null ist, einer anderen hinzugefügt, so
kann diese an Größe nichts gewinnen. Und so wäre denn bereits
hiernach das Hinzugefügte gleich Null. Wenn ferner durch Abziehen (dieser
Größe) die andere um nichts kleiner und andererseits durch Zufügen
nicht größer werden wird, so war offenbar das Zugefügte wie
das Abgezogene gleich Null. (Und dies führt Z. nicht aus, um das Eine
aufzuheben, sondern weil ein jedes der vielen und unendlichen Dinge Größe
haben muß. Denn vor jedem einzelnen, das man nimmt, muß stets wieder
irgend ein anderes stehen wegen der Teilung ins Unendliche. Dies legt er dar,
nachdem er zuvor gezeigt, daß nichts Größe besitzt, weil jedes
der vielen Dinge mit sich selbst identisch und eins sein muß.)
(Was bedarf es langen Redens? Es steht ja auch in Zenon's Schrift selbst.
Z. schreibt nämlich da, wo er zeigt, daß die Vielheit den Widerspruch
der Begrenztheit und Unbegrenztheit identischer Dinge einschließt, wörtlich
folgendes:)
Wenn es Vieles gibt, so muß es notwendig gerade soviel Dinge geben als
wirklich vorhanden sind, nicht mehr, nicht minder. Gibt es aber soviel Dinge
als es eben gibt, so sind sie (der Zahl nach) begrenzt.
Wenn es Vieles gibt, so ist das Seiende (der Zahl nach) unbegrenzt. Denn zwischen
den einzelnen Dingen liegen stets andere und zwischen jenen wieder andere.
Und somit ist das Seiende unbegrenzt.
(Z. hebt die Bewegung auf, wenn er behauptet:) Das Bewegte bewegt sich weder
in dem Raume, in dem es sich befindet, noch in dem es sich nicht befindet.
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