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Thales
von Milet ~ 624 - 546 vuZ
A. Weltbild
I. Himmelskunde
Auszug aus: Herodot
(Während die Könige Alyattes von Lydien und Kyaxares von Medien)
mit gleichem Erfolge gegeneinander Krieg führten, ereignete es
sich während einer Schlacht zwischen ihnen im 6. Jahr des Krieges,
daß
der Tag plötzlich zur Nacht wurde. Diesen Wandel des Tages hatte
Thales von Milet den Ioniern vorausgesagt, indem er als Grenze dafür
dies Jahr setzte, in dem dann auch wirklich der Wandel erfolgte. (Diese
Sonnenfinsternis fand nach der Berechnung der modernen Astronomen am
22.
Mai 585 vuZ statt. Hier ist eines der ersten nachvollziehbar taggenauen
Daten der antiken Geschichte!!)) Lyder und Meder brechen
daraufhin die Schlacht ab.
III. Erdbild
Auszug aus: Aristoteles, Vom Himmel
Andere meinten, daß die Erde auf dem Wasser ruhe. Diese Lehre haben
wir nämlich als die älteste überkommen, die Thales von
Milet vertreten haben soll, in der Meinung, daß die Erde, weil
sie schwimmfähig sei, (an der Oberfläche des Wassers) bleibe,
wie Holz oder anderes der Art. (Die Anschauung,
daß die Erde als eine flache Scheibe auf dem Weltmeer schwimmt,
war damals Gemeingut.)
1. Erklärung der Erdbeben
Auszug aus: Seneca,
Naturwissenschaftliche Probleme
Thales behauptet, die Erde werde vom Wasser getragen. Sie werde wie ein
Schiff bewegt, und infolge der Beweglichkeit des Wassers schwanke sie
dann, wenn die Leute sagen, sie erbebe. (Die
Beglaubigung dieser Lehre des Thales ist zweifelfat, da sie erst bei
Seneca auftritt.)
B. Der Philosoph
I. Der Urgrund
Auszug aus: Aristoteles, Metaphysik
Von denen, die zuerst philosophiert haben, haben die meisten geglaubt,
daß es nur stoffliche Urgründe der Dinge gebe. Denn woraus
alle Dinge bestehen, und woraus sie als Erstem (d.h. ursprünglich)
entstehen und worein sie als Letztes (d.h. schließlich) vergehen,
indem die Substanz zwar bestehen bleibt, aber in ihren Zuständen
wechselt, das erklären sie für das Element und den Urgrund (Arché)
der Dinge, und daher glauben sie, daß weder etwas (nur aus dem Nichts)
entstehe noch (in das Nichts) vergehe, in der Meinung, daß eine
solche Substanz (Physis) immer erhalten
bleibt ... Denn es muß eine gewisse Substanz vorhanden sein, entweder
eine einzige oder mehrere, aus denen alles übrige entsteht, während
sie selbst erhalten bleibt. Über die Anzahl und die Art eines solchen
Urgrundes haben freilich nicht alle dieselbe Meinung, sondern Thales,
der Begründer von solcher Art Philosophie, erklärt als den Urgrund
das Wasser (daher glaubt er auch, daß die Erde auf dem Wasser ruhe)
....
(Wenn Aristoteles dann im folgenden zu erklären versucht, wie Thales
gerade auf das Wasser als Urgrund gekommen ist, so ist er sicher mit
seiner
Antwort im Irrtum. Thales
ist auf das Wasser als Urgrund der Dinge wohl vor allem durch meteorologische
und geophysische, vielleicht auch biologische Beobachtungen und Schlüsse
gekommen.)
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