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Plinius der Jüngere
Epistulae 8.17, Plinius und das Hochwasser
C. Plinius grüßt seinen Macrinus
1
Ist etwa bei Euch so unfreundliches, stürmisches Wetter? Hier haben
wir dauernd Sturm und häufig Überschwemmungen. Der Tiber ist
aus seinem Bett getreten und setzt an niederen Stellen seine Ufer tief
unter Wasser.
2
Obwohl abgeleitet durch den Kanal, den der Kaiser in weiser Voraussicht
hat graben lassen, steht er in den Niederungen, überflutet die Felder,
und wo der Boden eben ist, sieht man statt des Bodens eine Wasserfläche.
Infolgedessen stemmt er sich gewissermaßen gegen die Gewässer,
die er sonst aufnimmt und mit sich vereint zum Meere führt, zwingt
sie, sich zurückzustauen, und bedeckt so Äcker, die er selbst
nicht berührt, mit fremden Wassern.
3
Der Anio, der reizendste aller Flüsse, den deshalb die anliegenden
Landhäuser gleichsam zum Verweilen einladen und festhalten, hat die
Waldungen, die ihn beschatten, zum großen Teil niedergelegt und
fortgerissen; er hat die Berge unterspült, hat, an mehreren Stellen
durch den herabstürzenden Schutt abgedämmt, auf der Suche nach
dem versperrten Wege Häuser umgerissen und die Ruinen reißend
fortgewälzt.
4
Wen das Unheil an höher gelegenen Stellen überraschte, der sah
hier den Hausrat und das massive Geschirr der Wohlhabenden, dort landwirtschaftliche
Gerätschaften, Stiere und Pflüge mitsamt ihren Führern,
hier losgerissenes, sich selbst überlassenes Vieh, dazwischen Baumstämme
oder Balken und Dächer von Landhäusern weit und breit wahllos
dahintreiben.
5
Aber auch die Örtlichkeiten, bis zu denen der Fluß nicht emporstieg,
blieben nicht verschont, denn statt des Flusses gab es hier Dauerregen
und Wolkenbrüche. Die Einfriedigungen wertvoller Ländereien
wurden umgerissen, Grabdenkmäler beschädigt oder gar umgestürzt.
Viele Menschen sind bei derartigen Unglücksfällen verletzt,
verschüttet oder zerquetscht worden, und zu dem materiellen Verlust
gesellte sich die Trauer.
6
Angesichts des Ausmaßes der Gefahr befürchte ich, daß
es bei Euch ähnlich aussieht, und ich bitte Dich, wenn es nicht der
Fall ist, schnellstens meiner Besorgnis abzuhelfen, ist es aber doch so,
mir auch davon Nachricht zu geben. Denn es ist ziemlich einerlei, ob man
ein Unglück erleidet oder erwartet, nur daß der Schmerz seine
Grenze hat, die Furcht aber nicht. Denn man bedauert nur so viel, daß
es geschehen ist, fürchtet aber alles, was geschehen kann.
Leb´ wohl!
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