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Plinius der Jüngere
Epistulae 6.4, Brief an seine Frau, die zur Kur in Campanien ist
An seine Calpurnia
1
Nie habe ich mehr über meine Abhaltungen geklagt, die es mir nicht
erlaubten, Dich zu begleiten, als Du Deiner Gesundheit wegen nach Campanien
reistest, oder nach Deiner Abreise auf dem Fuße zu folgen.
2
Denn gerade jetzt möchte ich bei Dir sein, um mich mit eigenen Augen
zu überzeugen, was für Deine Kräfte, Deinen Körper
dabei herausspringt, und ob Du auch die Vergnügungen des Kurortes
und das üppige Leben dort ohne Beschwerden verträgst.
3
Auch wenn Du Dich gekräftigt fühlst, würde ich Dich nicht
ohne Sorge vermissen; es ist ja doch quälend und beunruhigend, von
jemandem, den man glühend liebt, mitunter nichts zu wissen.
4
Jetzt aber erfüllt mich nicht nur Deine Abwesenheit, sondern vor
allem der Gedanke an Deine Schwache Konstitution mit mancherlei unbestimmter
Unruhe. Ich befürchte alles mögliche, bilde mir alles mögliche
ein, und wie es zu gehen pflegt, wenn man sich sorgt, stelle ich mir gerade
das vor, wovor ich am meisten zittere.
5
Um so inständiger bitte ich Dich, meiner Angst tagtäglich mit
einem oder lieber noch mit zwei Briefen abzuhelfen. Ich werde ruhiger
sein, wenn ich sie lese, und gleich wieder voll Angst, sobald ich sie
gelesen habe.
Leb' wohl!
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