texte aus philosophie
  und wissenschaft
pinselpark    


  Home
Zum Autor
Sitemap/Inhalt
Vorherige Seite
   
  Suche /Wörterbuch
Forum
Mail
Seite weiterempfehlen

Drucken
Disclaimer
Wichtige Downloads

 

Plinius der Jüngere

Epistulae 5.19, Die Sorge des Plinius für seinen Freigelassenen

An Paulinus

1
Ich sehe, wie freundlich Du gegen Deine Leute bist; um so ehrlicher will ich Dir bekennen,wie gütig ich die meinigen behandle.

2
Mir schwebt immer das Wort Homers vor: "er war freundlich wie ein Vater", und ebenso unser "pater familiae". Wäre ich von Natur rauher und härter, mich würde doch das Leiden meines Freigelassenen Zosimos erweichen, dem man umso mehr Freundlichkeit bezeigen muß, je mehr er ihrer jetzt bedarf.

3
Ein biederer, pflichtgetreuer, gebildeter Mann; sein Handwerk, sozusagen sein Etikett: Komöde, und darin leistet er Hervorragendes. Denn er trägt lebhaft, verständnisvoll, angemessen und doch unaufdringlich vor; auch die Zither weiß er fachkundig zu gebrauchen, mehr, als es für einen Komöden erforderlich ist. Überdies liest er auch Reden, Geschichte und Dichtungen so hübsch, daß man glauben könnte, er habe nur dies gelernt.

4
Ich schildere Dir das so eingehend, um Dir einen rechten Begriff zu geben, wie viele willkommene Dienste dieser eine Mann mir leistet.Dazu kommt eine schon lange bestehende Zuneigung zu ihm, die sein besorgniserregender Zustand noch gesteigert hat.

5
Die Natur hat es ja so eingerichtet, daß nichts die Liebe in gleicher Weise erregt und entflammt wie die Furcht vor dem Verlust, und die empfinde ich bei ihm nicht das erste Mal.

6
Denn vor einigen Jahren warf er Blut aus, während er anhaltend angespannt vortrug, wurde von mir deshalb nach Ägypten geschickt und ist nun kürzlich nach langer Abwesenheit geheilt zurückgekehrt; jetzt wurde er, als er mehrere Tage hintereinander seiner Stimme zu viel zumutete, durch ein Hüsteln an sein altes Leiden erinnert und warf wieder Blut aus.

7
Darum beabsichtige ich, ihn auf Deine Güter bei Forum Iuli zu schicken. Ich habe Dich ja oft sagen hören, das Klima sei dort heilkräftig und die Milch besonders geeignet für derartige Kuren.

8
Schreib also an Deine Leute, sie möchtem ihm Deine Villa offenhalten,möchten ihm auch bei seinen Bedürfnissen aushelfen, wenn er etwas benötige, doch wird er nur wenig brauchen.

9
Er ist nämlich so sparsam und bedüfnislos, daß er nicht nur Vergnügungen, sondern auch notwendige Aufwendungen für seine Gesundheit aus Enthaltsamkeit einschränkt. Ich werde ihm bei seiner Abreise so viel Zehrgeld mitgeben, daß es für den Weg zu dir reicht.

Leb' wohl!