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Plinius der Jüngere

Epistolae 4.27, Plinius über einen jungen Dichter, der ihn lobt

C. Plinius grüßt seinen Falco

1
Vorgestern habe ich Sentius Augurinus mit größtem Vergnügen, ja, mit bewunderung vortragen hören. Er nennt seine Schöpfungen "Gedichtchen". Vieles schlicht, vieles gehoben, vieles reizend, vieles zart, vieles süß, vieles gallig.
2
Ich glaube, seit einer Reihe von Jahren ist nichts Vollkommneres in dieser Art geschrieben worden, wenn mich nicht etwa meine Liebe zu ihm täuscht oder der Umstand, daß er mich selbst mit Lob überschüttet hat. Denn er hat sich zum Thema genommen, daß ich mich aus Spielerei zuweilen in Versen versuche.
3
Also gut! Ich mache Dich zum Richter über mein Urteil, wenn mir der zweite Vers einfällt; die übrigen habe ich im Kopfe und Dir hier gleich aufgeschrieben:
4
In kurzen Strophen sing' ich Lieder
Wie mein Catull einst und mein Calvus
Und all die Alten. Doch was kümmert's mich?
Der eine Plinius ersetzt mir alle,
Der gern den Markt verläßt und lieber dichtet,
Der Liebe sucht und selbst auf Liebe hofft.
Wie viele Catos gehn auf dich, den einen!
Nun denn, wer liebt, der wag' es, nicht zu lieben!
5
Du siehst, wie geistreich alles ist, wie passend, wie anschaulich. Dieser Kostprobe entspricht - auf mein Wort! - das ganze Buch, und sobald er es veröffentlicht hat, werde ich es Dir besorgen. Derweilen hab' den jungen Mann gern und beglückwünsche unsre zeiten zu solch einem Talent, das sein Charakter noch schöner erscheinen läßt. Er lebt mit Spurinna, mit Antoninus zusammen; mit dem einen ist er verschwägert, mit beiden eng befreundet.
6
Danach kannst Du Dir ein Bild machen, wie rechtschaffen der junge Mann ist, der von zwei ehrwürdigen Greisen so geliebt wird. Denn immer wahr bleibt doch:
Der Umgang, den du liebst,
Läßt sich dich selbst erkennen.

Leb' wohl!