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Plinius der Jüngere
Epistulae 1.6, Plinius auf der Jagd
An Tacitus
1
Du wirst lachen, und Du darfst auch lachen: ich, der Plinius, den Du kennst,
habe drei Eber erlegt, und zwar rechte Prachtexemplare. "Selbst?",
sagst Du. Selbst! Doch so, daß ich dabei nicht gänzlich auf
meine Bequemlichkeit und Muße verzichtete. Ich saß an den
Netzen, hatte weder Jagdspieß noch Lanze zur Hand, sondern nur Griffel
und Schreibtafel, sann über irgend etwas nach und machte mir Notizen,
um, wenn schon mit leeren Händen, doch jedenfalls mit vollen Tafeln
nach Hause zu kommen.
2
Du brauchst über diese Art des Studierens durchaus nicht die Nase
zu rümpfen; es ist erstaunlich, wie der Geist durch körperliche
Tätigkeit und Bewegung angeregt wird; dazu ringsum der Wald und die
Einsamkeit und überhaupt die lautlose Stille, wie die Jagd sie erfordert:
das sind starke Anregungen für die Gedankenarbeit.
3
Drum, wenn Du auf die Jagd gehst, nimm auf meinen Rat neben Brotbeutel
und Feldflasche ruhig auch die Schreibtafel mit; Du wirst die Erfahrung
machen, daß Minerva sich nicht weniger als Diana in den Bergen tummelt.
Lebe wohl!
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