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Orphik ~ 800 - 700 vuZ
Textauszüge: Älteste Zeugnisse der Sagen
von Orpheus
Aus: Aischylos, Agamemnon
Dein Mund bewirkt genau das Gegenteil von dem des Orpheus. Zog der doch
durch seine Stimme Gewalt alle Wesen entzückt hinter sich her.
Aus: Euripides, Alkestis (Die
Worte Admetos zu seiner Gattin Alkestis)
Wenn ich eine Stimme hätte wie Orpheus und singen könnte wie
er, so daß ich Demeters Tochter (Proserpina) oder ihren Gemahl durch
meinen Sang bezaubern und dich dadurch aus dem Hades heraufholen könnte
- ich stieg hinab.
Aus: Platon
Die Unterirdischen schickten den Orpheus, des Oiagros Sohn, unverrichteter
Suche aus dem Hades fort, nachdem sie ihm ein Trugbild seiner Gattin hatten
erscheinen lassen, die er hatte holen wollen; sie selbst aber gaben sie
ihm nicht wieder, weil er ein Weichling zu sein schien (er war ja ein
Kitharöde)( ein Sänger zur Zitter)
und die Kraft nicht aufbrachte, wie einst Alkestis, aus Liebe zu sterben,
sondern es durch seine Kunst dahin brachte, lebend in den Hades einzudringen.
Kein Wunder, daß sie ihn dafür büßen und von Weibern
zerreißen ließen.
Aus: Euripides, Alkestis (Aus
dem Lied des Chors)
Ich habe mich von der Muse begeistert in höhere
Sphären erhoben und gar viele Weisheit kennengelernt. Und doch habe
ich nichts gewaltiger erfunden als die Notwendigkeit, auch nicht ein Zaubermittel
auf den thrakischen Tafeln, die der Sänger Orpheus geschrieben hat,
auch nicht die Heilmittel, die Apollon den Jüngern des Asklepios
schenkt als Gegengift für die vielgequälten Sterblichen.
Aus: Euripides, Rhesus
(Die Muse, die Mutter des Thraker Rhesus, spricht zu Athene)
Und der geheimen Weihen nächtliche Feiern bei Fackelschein hat Orpheus
eingeführt, der leibliche Vetter dieses Toten (des
Rhesus), dessen Mörderin du bist. Und den Musaios, deinen
ehrwürdigen Mitbürger, der am weitesten von allen Menschen die
Länder durchwandert hat, haben Apollon und wir, seine Verwandten,
gelehrt.
Aus: Isokrates
So arge Lehren haben die Dichter über die Götter selber verkündet,
wie sie niemand von seinen persönlichen Feinden behaupten möchte.
Haben sie ihnen doch nicht nur Diebstahl, Ehebruch und Frondienste angedichtet,
sondern sogar Verschlingen ihrer eigenen Kinder, Entmannung ihrer Väter,
Fesselung ihrer Mütter und noch viele andere Ruchlosigkeiten von
ihnen erlogen. Hierfür haben sie freilich nicht so büßen
müssen, wie sie es verdient hätten, aber ungestraft sind sie
doch nicht davongekommen, sondern die einen (Homer
und Hesiod) ..., Orpheus aber, der am meisten solche ruchlosen
Lehren verbreitet hat, wurde zerrissen und fand so ein klägliches
Ende.
Orphische Theo- und Kosmogonie
Aus Aristoteles, Metaphysik
Freilich, wenn es so wäre, wie die Theologen behaupten, die aus der
Nacht die Dinge entstehen lassen, oder wie die Physiker, die erklären,
daß ursprünglich "alle Dinge zusammen waren", dann
ergäbe sich dieselbe Unmöglichkeit.
Die alten Dichter haben insofern einen ähnlichen Standpunkt (wie
die Philosophen, die die Einheit zum Prinzip machen), als sie glauben,
daß (zuerst) nicht die ursprünglichen Götter wie die Nacht
oder der Himmel oder das Chaos oder der Okeanos die Welt regierten, sondern
Zeus.
Aus: Damaskios, Von den Prinzipien
Die bei dem Peripatetiker Eudemos (Schüler des
Aristoteles) als Werk des Orpheus bezeichnete Theogonie läßt
den Anfang der Welt von der Nacht ausgehen ....
(Neuplatonische Deutungen des Damaskios):
In den gängigen orphischen Rhapsodien ist
die Theologie hinsichtlich der intelligibelen Welt folgende, die auch
die Philosophen erläutern, indem sie an Stelle des e
i n e n Urprinzips des Weltganzen den Chronos (Verkörperung
der Zeit) setzen, anstatt der zwei Prinzipien
Äther und Chaos, an Stelle des Seienden überhaupt das (Welt-)
Ei annehmen, und diese Dreiheit machen sie zur
ersten (Göttergenaration). Zur zweiten
aber gehöre das befruchtete und den Gott (in sich)
tragende Ei. Oder das leuchtende Gewand oder die Wolke, weil aus diesen
Phanes (auch Erikepaios=Dionysos und=dem
Eros genannt) entspringe. Denn sie philosophieren
über die Mitte bald so, bald so .... Als die dritte (Generation)
setzen sich Metis als den Geist, den Erikepaios als Kraft, den Phanes
selbst aber als Vater ... Solcher Art ist die gewöhnliche orphische
Theologie.
Aus: Pseudodemosthenes gegen Aristogeiton
Und Orpheus, der uns die hochheiligen Weihen offenbart hat, sagt, daß
die unerbittliche und ehrwürdige Dike (Göttin
des Rechts), neben dem Thron des Zeus sitzend, alles Tun der Menschen
beobachte.
Aus: Platon, Gesetze
Gott aber, wie ja auch die alte Lehre lautet, hält den Anfang, das
Ende und die Mitte aller Dinge und geht geraden Weges zum Ziel, indem
er gemäß der Natur seine Kreisbahn vollendet. Ihm aber folgt
stets Dike, die Richterin derer, die das göttliche Gesetz nicht erfüllen.
Die altorphische Seelenlehre
Aus: Platon, Kratylos
Es behaupten ja auch gewisse Leute, der Leib sei das Grab der Seele, weil
sie meinen, sie sei in dem jetzigen Dasein begraben. Und weil die Seele
alles, was sie ansagte, diesem ansagt, würde er auch deswegen mit
Recht Grab genannt. (Nach Platon wäre also
das erste Gleichnis gerade nicht orphisch, trotz des Zeugnisses des Philolaos.
Vor allem aber scheinen mir die Jünger
des Orpheus diesen Namen (für Leib)
gegeben zu haben, in der Meinung, daß die Seele Buße zahlt
für das, wofür sie eben büßt, daß sie aber
diese Umhüllung hat als Sinnbild eines Gefängnisses, damit sie
in Gewahrsam gehalten wird. Es sei dies also - gerade wie sein Name besagt
- so lange ein Gewahrsam der Seele, bis sie ihre Schuld abgebüßt
habe, und man dürfe auch nicht einen einzigen Buchstaben (an
dem Worte) ändern.
Aus: Platon, Der Staat
Musaios aber und sein Sohn (unsicher ob Eumolpos
gemeint ist) läßt den Gerechten noch übermütigere
Geschenke der Götter zuteil werden als jene (Homer
und Hesiod). Sie führen sie nämlich
in ihren Verheißungen in den Hades, lassen sie (an einer Festtafel)
Platz nehmen und veranstalten nun ein Trinkgelage der Frommen. Und lassen
sie festlich bekränzt die ganze Zeit über betrunken sein, in
der Meinung, daß der schönste Lohn der Tugend ein ewiger Rausch
sei. Andere (Propheten) aber dehnen den Lohn der Götter noch weiter
aus: sie erklären nämlich, daß Kindeskinder und Nachkommenschaft
des Frommen und Gerechten nie ausstürben. In solcher Weise und so
ähnlich verherrlichen sie die Gerechtigkeit. Dagegen lassen sie (in
ihren Prophezeiungen) die Gottlosen und Ungerechten in einen Schlammphuhl
im Hades versenken und zwingen sie, mit einem Siebe Wasser zu holen, und
erwecken in ihnen noch bei ihren Lebzeiten schlimme Ahnungen.
Aus: Petelia, Innschrift
auf Goldplättchen
Du wirst im Hause des Hades zur Linken eine Quelle finden; neben ihr steht
eine weiße Zypresse. Hüte dich, in die Nähe dieser Quelle
zu kommen! Finden wirst du auch noch eine andere, deren kaltes Wasser
aus dem See der Mnemosyne hervorfließt. Wächter stehen davor.
Dann sprich: "Sohn der Erde und des gestirnten Himmels bin ich; doch
meine Herkunft ist himmlischen Ursprungs. Das wißt ihr ja selber.
Vor Durst bin ich ausgedörrt und verschmachtet. Aber gebt schnell
kaltes Wasser, das aus dem See der Mnemosyne hervorfließt."
- Dann werden sie dir zu trinken geben von der göttlichen Quelle,
und dann wirst du mit den anderen Heroen herrschen.
Aus: Eripides, Hippolytos
(Theseus zu Hippolytos) Nun brüste dich nur auf Grund deiner blutlosen
Kost (unbeseelte, d.h. vegetarische Nahrung)
und erschachere dir die Heiligkeit. Bete Orpheus als deinen Herrn
an und schwärme, indem du den Wust vieler Bücher bewunderst.
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