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Nietzsche 1844 - 1897
Lebensdaten

Friedrich Nietzsche wurde in Röcken bei Lützen am 15. 10. 1844 in einem pietistischen Pfarrhaus geboren. Wenn sein Werk heute in der Hauptsache als philosophisch eingeordnet wird, so muß daran erinnert werden, daß Nietzsche von Beruf klassischer Philologe war und daß seine Werke aufgrund ihres antisystematischen aphoristisch-symbolistischen Charakters ebenso als Gedankendichtung gelten müssen. Auch hat Nietzsche musikalische Werke komponiert.

Er studierte von 1864-68 alte Philologie in Bonn und Leipzig; von 1869 an (also bereits mit 25 Jahren) war er Professor für griechische Sprache und Literatur in Basel. Bekanntschaften mit Zeitgenossen wie Jakob Burckhardt und mit Richard Wagner prägen Nietzsches Werk. 1878 kommt es zum Bruch mit Wagner unter anderem wegen dessen Dominanz in seinem Einflußbereich und wegen Wagners Annäherung an einen Erlösungsmystizismus (Parsifal).

1879 gibt Nietzsche aus Gesundheitsgründen die Professur in Basel auf und entzieht sich mehr und mehr dem gesellschaftlichen Verkehr. Kuraufenthalte in Sils-Maria bringen keine langfristige Besserung. Die Logik des Schaffens Nietzsches und sein Gesundheitszustand bilden eine wechselseitige Einheit von Abwehr und Desillusionierung. 1889 in erleidet Nietzsche nach sich zuspitzenden geistigen Problemen, wie sie sein Briefwechsel offenbart (Nietzsche unterzeichnet seine letzten Briefe mit "Der Gekreuzigte"), in Turin einen psychischen Zusammenbruch (später wird "progressive Paralyse" diagnostiziert). Manche Spekulationen ranken sich über Nietzsches Erkrankung, die unter anderem auf eine Syphilisinfektion zurückgeführt wird, worauf man denn auch Nietzsches Äußerungen zu Frauen - und ein Scheitern seiner Beziehungen zurückführen möchte.
Nietzsche stirbt am 25. 8. 1900 in Weimar.

Nietzsches Werk enthält einige scharfe Thesen. Deren Stellenwert und Nietzsches eigene Gesinnung im Verhältnis zu diesen Thesen werden nach wie vor kontrovers diskutiert: Notwendigerweise, angesichts ihrer Prägnanz auf der einen Seite und andererseits ihrer paradoxalen selbstzerstörerisch wirkenden Heftigkeit.

Zu diesen Thesen (und den durch sie aufgeworfenen Fragen) gehören:

Freiheit wird nicht durch die Ästhetisierung des Lebens erreicht. - Obwohl Nietzsches Werke nicht anders als ästhetisch oder gar artistisch zu nennen sind?
Die platonisch-christlichen Wertvorstellungen und -systeme stellen eine Rationalisierung seelischer Bedürfnisse zur Verdeckung von Schwächen gegenüber dem Leben dar. Sie führen zu einer Sklavenmoral. So auch Theorie und Vorstellungen von Wahrheit überhaupt. - Was aber ist dann mit Nietzsches Werk? Erhebt er keinen Wahrheitsanspruch?

In einer Umwertung aller Werte soll der ungebundene Übermensch, der sich selbst und seine Sinnsetzungen überwindende Mensch seine Gegenwart gestalten. - Warum soll er das, wenn es kein "wozu", keine Entelechie der menschlichen Seele gibt?
Es gibt keine wahren Werte (Nihilismus). - Woher dann Nietzsches Werturteile, zum Beispiel seine entschiedene Ablehnung des deutschen Nationalismus, des Antisemitismus und Biologismus?
Das Leid ist lachend zu überwinden. Weil man muß von der "ewigen Wiederkehr des Gleichen" ausgehen muß, wäre ein Augenblick ohne Lust nicht wiedergutzumachen. - Wie soll der Mensch merken, daß das Gleiche wiederkehrt, wenn er nicht ein Wiederkehren bemerkt? Und wenn, ist es dann noch das Gleiche oder das Nachmalige? Und: Wie soll dauernde Lust Lust sein, wenn denn Kennzeichen der Lust die Intensitätsveränderung ist? Und was, wenn man -wie Nietzsche- nicht lacht?

Frei sei der Mensch. - Und wie verträgt sich das mit Nietzsches Haltung des "amor fati", der Liebe zum Unausweichlichen und Notwendigen? Löst sich hierin, in einem durch Spinoza hindurchgegangenem Stoizismus das "Rätsel Nietzsche"?
Nietzsches Einfluß auf Kunst und Weltanschauung des 20. Jahrhunderts (und das heißt bis heute) ist nicht zu unterschätzen. Mehr noch als für inhaltliche Einzelheiten trifft das auf Nietzsches Gestus und seine Haltung zu: das Bestehen der Lebenswirklichkeit im Angang des artistischen Denkens. Noch der vorletzte Bohemien kann sich so als "Übermensch" sehen. Einige verstehen Nietzsche auch als den Wegbereiter der Existenzphilosophie, als den sich dem "Man" widersetzenden Eigentlichen. - Nicht zufällig widmet Heidegger Nietzsche immer wieder Vorlesungen. In den Ersten Weltkrieg zogen viele mit Nietzsches "Zarathustra" im Tornister, so heißt es. Und schließlich hat sich auch der Nationalsozialismus entstellend auf Nietzsche berufen.