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Luther Martin
An den christlichen Adel deutscher Nation
Von des christlichen Standes Besserung (1520)
Der allerdurchlauchtigsten, großmächtigsten Kaiserlichen Majestät
und dem christlichen Adel deutscher Nation
D. Martinus Luther.
Gnade und Stärke von Gott zuvor! Allerdurchlauchtigster! Gnädigste,
liebe Herren!
Es ist nicht aus lauter Fürwitz noch Frevel geschehen, daß
ich einzelner, armer Mensch mich unterstanden habe, vor Euren hohen Würden
zu reden. Die Not und Beschwerung, die alle Stände der Christenheit,
zuvor die deutschen Lande, drückt, hat nicht allein mich, sondern
jedermann bewegt, vielmals zu schreien und Hilfe zu begehren, hat mich
auch jetzt gezwungen, zu schreien und rufen, ob Gott jemand den Geist
geben wollte, seine Hand der elenden deut-schen Nation zu reichen. Es
ist oft durch Konzile etwas aufgewandt, aber durch etlicher Menschen List
behendiglich verhindert und immer ärger geworden, deren Tücke
und Bosheit ich jetzt - Gott helfe mir - zu durchleuchten gedenke, auf
daß sie, erkannt, hinfort nicht mehr so hinder-lich und schädlich
sein möchten. Gott hat uns ein junges, edles Blut zum Haupt gegeben
und damit viel Herzen zu großer guter Hoffnung erweckt; daneben
will sichs ziemen, das Unsere dazuzutun und der Zeit und Gnade nützlich
zu gebrauchen.
Das erste, was in dieser Sache vornehmlich zu tun ist, ist, daß
wir uns ja mit großem Ernst vorsehen und nicht etwas mit Vertrauen
auf große Macht oder Vernunft anfangen, ob gleich aller Welt Gewalt
unser wäre. Denn Gott kanns und wills nicht leiden, daß ein
gutes Werk im Vertrauen auf eigene Macht und Vernunft angefangen werde.
Er stößt es zu Boden, davor hilft nichts, wie im 3 3. Psalm
V. 16 steht:
»Es wird kein König bestehen durch seine große Macht
und kein Heer durch die Größe seiner Stärke.« Und
aus dem Grund, besorge ich, sei es vor Zeiten gekommen, daß die
teuren Fürsten, Kaiser Friedrich der Erste und der Zweite und viel
mehr deutsche Kaiser, vor welchen sich doch die Welt fürchtete, so
jämmerlich von den Päpsten mit Füßen getreten und
gedrückt worden sind. Sie haben sich vielleicht auf ihre Macht verlassen,
mehr als auf Gott, dar-um haben sie fallen müssen. Und was hat zu
unsern Zeiten den Blutsäufer Julius den Zweiten so hoch erhoben,
als daß ich besorge, Frankreich, die Deutschen und Venedig haben
auf sich selbst gebauet. Es schlugen die Kinder Benjamin zweiundvierzigtausend
Israeliten, deshalb weil diese sich auf ihre Stärke verließen
(Richter 20).
Daß es uns nicht auch so mit diesem edlen Blut Karl V. ergehe, müssen
wir gewiß sein, daß wir in dieser Sache nicht mit Menschen,
sondern mit den Fürsten der Hölle handeln, die wohl (selbst)
mit Krieg und Blutvergießen die Welt erfüllen können,
aber sie lassen sich damit nicht überwinden. Man muß hier die
Sache mit einem Verzagen an leiblicher Gewalt, in demütigem Vertrauen
Gottes angreifen und mit ernstlichem Gebet Hilfe bei Gott suchen und nichts
anderes in die Augen fassen als der elenden Christenheit Jammer und Not,
unangesehen was böse Leute verdient haben. Wo das nicht (geschieht),
so soll sich das Spiel wohl mit großem Glanz anfangen lassen, aber
wenn man hinein-kommt, sollen die bösen Geister eine solche Irrung
zurichten, daß die ganze Welt im Blut schwimmen müßte
und damit dennoch nichts ausgerichtet wäre. Darum laßt uns
hier mit Furcht Gottes und weislich handeln. je größer die
Gewalt, desto größeres Unglück, wo nicht in Gottesfurcht
und Demut gehandelt wird. Haben die Päpste und Römer bisher
durch Teufels Hilfe die Könige ineinanderwirren können, so mögen
sies auch noch (einmal) tun, so wir ohne Gottes Hilfe mit unserer Macht
und Kunst (drein) fahren.
Die Romanisten haben mit großer Behendigkeit drei Mauern um sich
gezogen, womit sie sich bisher beschützt haben, so daß niemand
sie hat reformieren können, wodurch die ganze Christenheit greulich
gefallen ist.
Zum ersten: wenn man mit weltlicher Gewalt auf sie (ein)gedrungen ist,
haben sie festgesetzt und gesagt, welt-liche Gewalt habe kein Recht über
sie, sondern umgekehrt: die geistliche sei über die weltliche. Zum
zweiten: hat man sie mit der heiligen Schrift tadeln wollen, setzen sie
dagegen, es gebühre niemand die Schrift auszulegen als dem Papst.
Zum dritten: drohet man ihnen mit einem Konzil, so erdichten sie, es könne
niemand ein Konzil berufen als der Papst. So haben sie uns die drei Ruten
heimlich gestohlen, daß sie ungestraft sein können und sich
in die sichere Befestigung dieser drei Mauern gesetzt, alle Büberei
und Bosheit zu treiben, die wir denn jetzt sehen. Und ob sie schon ein
Konzil machen mußten, haben sie doch dasselbe vorher dadurch matt
gemacht, daß sie die Fürsten zuvor mit Eiden verpflichteten,
sie bleiben zu lassen, wie sie seien. Dazu haben sie dem Papst volle Gewalt
über alle Ordnung des Konzils gegeben, so daß es gleich gilt,
es seien viele Konzile oder gar kein Konzil, abgesehen davon, daß
sie uns nur mit Larven und Spiegelfechten betrügen. So gar greulich
fürchten sie für ihre Haut vor einem rechten, freien Konzil.
Sie haben Könige und Fürsten damit schüchterngemacht, so
daß diese glauben, es wäre wider Gott, so man ihnen nicht in
allen solchen schalkhaftigen, listigen Schreckgespensten gehorchte.
Nun helfe uns Gott und gebe uns der Posaunen eine, womit die Mauern Jerichos
umgeworfen wurden, daß wir diese strohenen und papiernen Mauern
auch umblasen und die christlichen Ruten, Sünden zu strafen, losmachen,
des Teufels List und Trug an den Tag zu bringen, auf daß wir durch
Strafe uns bessern und seine Huld wiedererlangen.
Wollen die erste Mauer zuerst angreifenl
Man hats erfunden, daß Papst, Bischöfe, Priester und Klostervolk
der geistliche Stand genannt wird, Fürsten, Herrn, Handwerks- und
Ackerleute der weltliche Stand. Das ist eine sehr feine Erdichtung und
Trug. Doch soll niemand deswegen schüchtern werden, und das aus dem
Grund: alle Christen sind wahrhaftig geistlichen Standes und ist unter
ihnen kein Unterschied außer allein des Amts halber, wie Paulus
I. Kor. 12, 12 ff. sagt, daß wir allesamt ein Leib sind, (obwohl)
doch ein jegliches Glied sein eigenes Werk hat, womit es den andern dienet.
Das alles macht, daß wir eine Taufe, ein Evangelium, einen Glauben
haben und (auf) gleiche (Weise) Christen sind, denn die Taufe, Evangelium
und Glauben, die machen allein geistlich und Christenvolk. Daß aber
der Papst oder Bischof salbet, Platten macht, ordiniert, weihet, sich
anders als Laien kleidet, kann einen Gleißner und Ölgötzen
machen, macht aber nimmermehr einen Christen oder geistlichen Menschen.
Demnach werden wir allesamt durch die Taufe zu Priestern geweiht, wie
Petrus (I. Petr. 2) Sagt: »Ihr seid ein könig-liches Priestertum
und ein priesterliches Königreich«, und Offenbarung 5, 10:
»Du hast uns durch dein Blut zu Priestern und Königen gemacht.«
Denn wo nicht eine höhere Weihe in uns wäre, als der Papst oder
Bischof gibt, so würde durch des Papstes und Bischofs Weihen nimmermehr
ein Priester gemacht, er könnte auch weder Messe halten, noch predigen,
noch absolvieren.
Drum ist des Bischofs Weihe nichts anderes, als wenn er an Stelle und
Person der ganzen Versammlung einen aus der Menge nähme - die alle
gleiche Gewalt haben - und ihm beföhle, diese Gewalt für die
andern auszurichten. (Das ist) gleich als wenn zehn Brüder, (eines)
Königs Kin-der und gleiche Erben, einen erwählten, das Erbe
für sie zu regieren; sie wären ja alle Könige und von gleicher
Gewalt, und doch wird einem zu regieren befohlen. Und damit ichs noch
klarer sage: wenn ein Häuflein frommer Christenlaien gefangen und
in eine Wüstenei gesetzt würden, die nicht einen von einem Bischof
geweihten Priester bei sich hätten, und würden allda der Sache
eins, erwählten einen unter sich, er wäre verheiratet oder nicht,
und beföhlen ihm das Amt: zu taufen, Messe zu halten, zu absolvieren
und zu predigen, der wäre wahrhaftig ein Priester, als ob ihn alle
Bischöfe und Päpste geweiht hätten. Daher kommts, daß
in der Not ein jeglicher taufen und absolvieren kann, was nicht möglich
wäre, wenn wir nicht alle Priester wären.
Solch große Gnade und Gewalt der Taufe und des christlichen Standes
haben sie uns durchs geistliche Recht ganz zerstört und unbekannt
gemacht. Auf diese Weise erwählten die Christen vor Zeiten ihre Bischöfe
und Priester aus der Menge, die danach von andern Bischöfen ohne
alles Prangen, das jetzt regiert, bestätigt wurden. So wurden Augustin,
Ambrosius, Cyprian Bischof.
Dieweil denn die weltliche Gewalt nun gleich mit uns getauft ist, denselben
Glauben und Evangelium hat, so müssen wir sie Priester und Bischöfe
sein lassen und ihr Amt als ein Amt rechnen, das da der christlichen Gemeinde
gehöre und nützlich sei. Denn was aus der Taufe gekrochen ist,
das kann sich rühmen, daß es schon zum Priester, Bischof und
Papst geweihet sei, obwohl es nicht einem jeglichen ziemt, solch Amt auszuüben.
Denn weil wir alle gleich(mäßig) Priester sind, darf sich niemand
selbst hervortun und sich unterwinden, ohne unser Bewilligen und Erwählen
das zu tun, wozu wir alle gleiche Gewalt haben. Denn was allgemein ist,
kann niemand ohne der Gemeinde Willen und Befehl an sich nehmen. Und wo
es geschähe, daß jemand zu solchem Amt erwählet und (danach)
um seines Mißbrauchs willen abgesetzt würde, so wäre er
gleich wie vorher. Drum sollte ein Priesterstand in der Christenheit nicht
anders sein als ein Amtmann: dieweil er im Amt ist, geht er vor; wo er
abgesetzt ist, ist er ein Bauer oder Bürger wie die andern. Ebenso
wahrhaftig ist ein Priester nicht mehr Priester, wenn er abgesetzt wird.
Aber nun haben sie charaeteres indelebiles erdichtet und schwätzen,
daß ein abgesetzter Priester dennoch etwas anderes sei als ein schlichter
Laie. ja, ihnen träumet, es könne ein Priester nimmermehr anderes
als ein Priester, oder ein Laie werden; das sind alles von Menschen erdichtete
Reden und Gesetze.
So folget aus diesem, daß Laien, Priester, Bischöfe und, wie
sie sagen, »Geistliche« und »Weltliche« im Grunde
wahrlich keinen anderen Unterschied haben als des Amtes oder Werkes halber
und nicht des Standes halber. Denn sie sind alle geistlichen Standes,
wahrhaftige Priester, Bischöfe und Päpste, aber nicht gleichen
(und) einerlei Werkes, gleichwie auch unter den Priestern und Mönchen
nicht ein jeglicher dasselbe Werk hat. Und das steht bei Paulus Röm.
12, 4 ff. und I. Kor. 12, 12 ff. und bei Petrus I. Petr. 2, 9, wie ich
droben gesagt habe, daß wir alle ein Leib des Hauptes Jesu Christi
sind, ein jeglicher des andern Gliedmaß, Christus hat nicht zwei
oder von zweierlei Art Leibe, einen weltlich, den andern geistlich: ein
Haupt ist und einen Leib hat er.
Gleich wie nun die, die man jetzt geistlich oder Priester, Bischöfe
oder Päpste nennt, von andern Christen nicht weiter noch würdiger
geschieden sind, als daß sie das Wort Gottes und die Sakramente
handeln sollen - das ist ihr Werk und Amt - ebenso hat die weltliche Obrigkeit
das Schwert und die Ruten in der Hand, die Bösen damit zu strafen,
die Frommen zu schützen. Ein Schuster, ein Schmied, ein Bauer, ein
jeglicher hat seines Handwerks Amt und Werk, und doch sind alle gleich
geweihte Priester und Bischöfe, und ein jeglicher soll mit seinem
Amt oder Werk den andern nützlich und dienstbar sein, so daß
vielerlei Werke alle auf eine Gemeinde gerichtet sind, Leib und Seele
zu fördern, gleich wie die Gliedmaßen des Körpers alle
eines dem andern dienen.
Nun sieh, wie christlich das festgesetzt und gesagt sei: weltliche Obrigkeit
sei nicht über die Geistlichkeit, solle sie auch nicht strafen. Das
ist ebenso viel gesagt wie: die Hand soll nichts dazu tun, wenn das Auge
große Not leidet. Ists nicht unnatürlich, geschweige denn unchristlich,
daß ein Glied dem andern nicht helfen, seinem Verderben nicht wehren
soll? ja, je edler das Glied ist, desto mehr sollen ihm die andern helfen.
Drum sage ich: dieweil die weltliche Gewalt von Gott geordnet ist, die
Bösen zu strafen und die Frommen zu schützen, so soll man ihr
Amt frei unbehindert durch den ganzen Körper der Christenheit ohne
Ansehen der Person gehen lassen, sie treffe Papst, Bischöfe, Pfaffen,
Mönche, Nonnen oder was es ist. Wenn das ausreichend wäre, die
weltliche Gewalt (daran) zu hindern, daß sie unter den christlichen
Ämtern geringer ist als der Prediger und Beichtiger Amt oder der
geistliche Stand, so sollte man auch die Schneider, Schuster, Steinmetze,
Zimmerleute, Köche, Kellner, Bauern und alle zeitlichen Handwerke
daran hindern, daß sie dem Papst, Bischöfen, Priestern, Mönchen
Schuhe, Kleider, Haus, Essen, Trinken machten, oder (ihnen) Zins gäben.
Läßt man aber diesen Laien ihre Werke unbehindert, was machen
dann die römischen Schreiber mit ihren Gesetzen, daß sie sich
dem Wirken weltlicher, christlicher Gewalt entziehen. Daß sie nur
un-gehindert böse sein und erfüllen können, was Petrus
(2. Petr. 2, 1. 3) gesagt hat: »Es werden falsche Meister unter
euch erstehen und mit falschen, erdichteten Worten mit euch umgehen, euch
im Sack zu verkaufen!«
Drum soll weltliche christliche Gewalt ihr Amt frei unbehindert üben,
unangesehen, obs Papst, Bischof oder Priester sei, den sie trifft. Wer
schuldig ist, der leide! Was das geistliche Recht dagegen gesagt hat,
ist lauter erdichtete römische Vermessenheit. Denn so sagt Paulus
Röm. 13, 1 allen Christen: »Eine jegliche Seele (ich halte
dafür, des Papstes auch) soll untertan sein der Obrigkeit, denn sie
trägt nicht umsonst das Schwert, sie dienet Gott damit, zur Strafe
der Bösen und zu Lob den Frommen«, auch Petrus (i. Petr. 2,
13): »Seid untertan allen menschlichen Ordnungen um Gottes willen,
der es so haben will.« Er hat es (2. Petr. 2, 10) auch verkündet,
daß solche Menschen kommen würden, die die weltliche Obrigkeit
verachten würden, wie denn durch das geistliche Recht geschehen ist.
So meine ich, diese erste papierne Mauer liege danieder, sintemal die
weltliche Herrschaft ein Mitglied des christlichen Leibes geworden ist,
und, obwohl sie ein leibliches Werk hat, doch geistlichen Standes ist,
weshalb ihr Werk frei unbehindert in alle Gliedmaßen des ganzen
Körpers gehen soll, strafen und antreiben, wo es die Schuld verdienet
oder die Not fordert, unangesehen der Päpste, Bischöfe, Priester,
sie mögen drohen oder bannen, wie sie wollen. Daher kommts, daß
die schuldigen Priester, wenn man sie dem weltlichen Recht überantwortet,
zuvor der priesterlichen Würde entsetzt werden, was doch nicht recht
wäre, wo nicht das weltliche Schwert über dieselben zuvor aus
göttlicher Ordnung Gewalt hätte. Es ist auch zuviel, daß
man im geistlichen Recht der Geistlichen Freiheit, Leib und Güter
so hoch erhebt, gerade als wären die Laien nicht auch geistlich so
gute Christen wie sie, oder als ge-hörten sie nicht zur Kirche. Warum
ist dein Leib, Leben, Gut und Ehre so frei und nicht das meine, so wir
doch gleiche Christen sind, gleiche Taufe, Glauben, Geist und alle Dinge
haben? Wird ein Priester erschlagen, so liegt ein Land im Interdikt, warum
nicht auch, wenn ein Bauer erschlagen wird? Wo kommt solch großes
Unterscheiden unter den gleichen Christen her? Allein aus Menschen-gesetzen
und -erdichten!
Es kann auch kein guter Geist (gewesen) sein, der solche Ausnahme erfunden
und die Sünde geradezu unsträflich gemacht hat. Denn so wir
schuldig sind, wider den bösen Geist, seine Werke und Worte zu streiten
und ihn zu ver-treiben, wie wir können - wie uns Christus und seine
Apostel gebieten -, wie kämen wir denn dazu, daß wir stillhalten
und schweigen sollten, wo der Papst oder die Seinen teuflische Worte oder
Werke vornähmen? Sollten wir um der Menschen willen göttliches
Gebot und Wahrheit zerstören lassen, der wir in der Taufe mit Leib
und Leben beizustehen geschworen haben? Fürwahr, wir wären an
allen Seelen schuldig, die dadurch verlassen und verführet würden!
Drum muß das der Hauptteufel selbst gesagt haben, was im geistlichen
Recht steht: »Wenn der Papst so schädlich böse wäre,
daß er gleich die Seelen in großer Menge zum Teufel führte,
könnte man ihn dennoch nicht absetzen.« Auf diesen verfluchten,
teuflischen Grund bauen sie zu Rom und meinen, man solle eher alle Welt
zum Teufel lassen fahren, als ihrer Schurkerei widerstreben. Wenn es daran
genug wäre, daß einer über den andern ist, daß er
deshalb nicht zu strafen sei, dürfte kein Christ den andern strafen,
sintemal Christus gebietet (Matth. 18, 4; Luk. 9, 48): ein jeglicher solle
sich für den Untersten und Geringsten halten.
Wo Sünde ist, da ist schon keine Ausflucht mehr vor der Strafe, wie
auch Gregor der Große schmibt, daß wir wohl alle gleich seien,
aber die Schuld mache einen dem andern untertan. Nun sehen wir, wie sie
mit der Christen-heit umgehen. Sie nehmen sich die Freiheit ohne allen
Beweis aus der Schrift, mit eigenem Frevel, die Gott und die Apostel dem
weltlichen Schwert' unterworfen haben, daß zu besorgen ist, es sei
des Endchrists oder seines nächsten Vorläufers Spiel.
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