|
|
Leukipp
Textauszug: Der Mensch
Aus: Simplicius zu Aristoteles, Physik
Leukippos und Demokrit, die die Urkörper, die die kleinsten von allen
sind, Atome nannten, erklärten, daß die einen Stoffe infolge des Unterschiedes
ihrer Atome an Gestalt, Lage und Anordnung warm und feurig würden,
nämlich die, welche aus spitzeren, feinteiligeren und gleichgeschichteten
Atomen beständen, dagegen kalt und wässrig diejenigen, bei denen das
Gegenteil der Fall sei, und die einen hell und leuchtend, die andern
trübe und dunkel.
Aus: Aetius
Die andern Philosophen glauben, daß die sinnlichen Eigenschaften der
Dinge von Natur sind, dagegen meinen Leukippos, Demokrit und Diogenes,
sie beruhten nur auf der herkömmlichen Meinung, d.h. auf unseren (subjektiven)
Eindrücken und (diesen entsprechender) Meinung. Nichts aber sei (an
sich) wahr oder begreiflich, außer den ersten Elementen, den Atomen
und dem Leeren. Nur diese seien von Natur, dagegen wären die aus diesen
(den Atomen und dem Leeren) zusammengesetzten Dinge, die sich durch
die Lage, Anordnung und Gestalt (ihrer Atome) voneinander unterschieden,
nur akzidentiell.
Aus: Epiphanias gegen die Ketzereien
Auch Leukippos von Milet, nach anderen aus Elea, ist ein Eristiker.
Auch er lehrt, daß das All sich im Unendlichen (Leeren) befinde, daß
aber alles (nur) auf Grund von Sinneseindrücken und (subjektiver) Meinung
geschähe und nicht in Wirklichkeit, und daß es nur so erscheine wie
das Ruder im Wasser.
Seele und Lebensprozeß
Aus: Aristoteles, Von der Seele
Demokrit erklärt die Seele für eine Art Feuer und Warmes. Denn von den
unzähligen "Formen" oder Atomen (nennt er die kugelförmigen Feuer und
Seele, ähnlich wie die sogenannten "Schabsel", die in den Strahlen, die
durch die Fenster dringen, sichtbar werden), die alle umfassende Mischung
dieser nennt er Urbestandteile des Naturganzen - ähnlich denkt auch Leukippos;
von diesen bildeten die kugelförmigen die Seele, weil Atome von solcher
Gestalt am besten durch alles hindurchdringen und die übrigen in Bewegung
setzen könnten, zumal sie auch selber in Bewegung wären. Sie glaubten
nämlich die Seele sei es, die die Lebewesen in Bewegung setze. Daher
sei auch die Atmung von entscheidender Bedeutung für das Leben. Denn
da die Atmosphäre die Körper zusammendrücke und von den Atomen diejenigen
herausdränge, die den Lebewesen die Bewegung ermöglichten, weil sie (jene
Atome) auch selber in ewiger Bewegung wären, da käme ihnen dadurch Hilfe,
daß andere Atome derselben Gestalt von außen infolge der Einatmung hineindrängen.
Denn diese hinderten auch die in den Lebewesen (noch) vorhandenen zu
entweichen, indem sie die (sie) zusammendrückende und pressende (Atmosphäre)
zugleich zurückdrängten. Und (Menschen und Tiere) lebten, solange sie
dies tun könnten.
Wahrnehmen und Denken
Aus: Aetius
Leukippos, Demokrit und Epikur behaupten, die Sinneswahrnehmung und
das Denken erfolgten, indem von außen kleine "Bilder" (an uns) herankämen.
Denn keinem Menschen sei das eine oder das andere ohne das auf ihn treffende
Bildchen möglich.
Erklärung des Sehens
Aus: Aetius
Leukippos, Demokrit und Epikur meinen, daß das Sehen infolge des Eindringens
von Bildchen zustände käme.
Demokrit sagt, Sehen bedeute: das Spiegelbild von den gesehenen Gegenständen
empfangen. Es ist aber Spiegelbild das in der Pupille sich abspiegelnde
Bild, wie das ebenso bei den anderen durchsichtigen Substanzen der Fall
ist, die imstande sind, das Spiegelbild in sich zu bewahren. Es glauben
aber Demokrit und vor ihm Leukippos und später Epikur und seine Jünger,
daß gewissen Bildchen, die (von den Gegenständen) ausströmen und den
Gegenständen gleichgestaltet sind, von denen sie ausströmen (das aber
sind die sichtbaren Gegenstände), auf die Augen der Sehenden treffen
(in die Augen der Sehenden eindringen) und daß so das Sehen zustande
kommt.
|