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Kritias von Athen
Entstehung der Religion
aus seinem Drama Sisyphos
Es gab einmal eine Zeit, da war das Leben der Menschen jeder Ordnung bar,
ähnlich dem der Raubtiere, und es herrschte die rohe Gewalt. Damals wurden
die Guten nicht belohnt und die Bösen nicht bestraft. Und da scheinen
mir die Menschen sich Gesetze als Zuchtmeister gegeben haben, auf daß
das Recht in gleicher Weise überall herrsche und den Frevel niederhalte.
Wenn jemand ein Verbrechen beging, so wurde er nun bestraft. Als so die
Gesetze hinderten, daß man offen Gewalttat übte und daher nur insgeheim
gefrevelt wurde, da scheint mir zuerst ein schlauer und kluger Kopf die
Furcht vor den Göttern für die Menschen erfunden zu haben, damit die Übeltäter
sich fürchteten, auch wenn sie insgeheim etwas böses täten oder sagten
oder auch nur dächten. Er führte daher den Gottesglauben ein: Es gibt
einen Gott, der ewig lebt, voll Kraft, der mit seinem Geiste sieht und
hört und übermenschliche Einsicht hat; der hat eine göttliche Natur und
achtet auf alles. Der hört alles, was unter Menschen gesprochen wird und
alles was sie tu kann er sehen. Und wenn du schweigend etwas schlimmes
sinnst, so bleibt es doch den Göttern nicht verborgen, denn sie besitzen
eine übermenschliche Erkenntnis. Mit solchen Reden führte er die schlaueste
aller Lehren ein, indem er die Wahrheit mit trügerischem Worte verhüllte.
Die Götter sagte er, sie wohnen dort, wo es die Menschen am meisten erschrecken
mußte, von wo, wie er wußte, die Angst zu den Menschen herniederkommt,
wie auch der Segen für ihr armseliges Leben: aus der Höhe da droben, wo
er die Blitze zucken sah und des Donners grauses Krachen hörte, da wo
des Himmels gestirntes Gewölbe ist, das herrliche Kunstwerk der Zeit,
der klugen Künstlerin, von wo der strahlende Ball des Tagesgestirns seinen
Weg nimmt und feuchtes Naß zur Erde herniederströmt. Mit Ängsten solcher
Art schreckte er die Menschen und wies passend und wohlbedacht der Gottheit
an geziemender Stätte ihren Wohnsitz an und tilgte den ungesetzlichen
Sinn durch die Gesetze. Und kurz darauf setze er noch hinzu, so hat jemand
glaube ich zuerst die Menschen glauben gemacht, daß es ein Geschlecht
von Göttern gibt". (Capelle Vorsokratiker)
Pessimistische Lebensansicht
Sicher ist nichts auf der Welt als die Tatsache,daß, wer geboren ist,
auch sterben muß, und daß wer lebt, dem Unheil nicht entrinnen kann.
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