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Meister Eckehart

Prozess: Appellation an den apostolischen Stuhl
Protestatio 
(Übersetzer: Edmund Tandetzki)

Im Namen des Herrn Amen. Im Jahre 1327 seiner Geburt, 10. Indiktion, am 24. Tag des Monats Januar.

In Anwesenheit der ehrwürdigen Herrn, des Magisters Reyner, Doktor der Heiligen Schrift, und des Bruders Albert, Lektor im Kölner Haus der Minderbrüder, die im besonderen zu Untersuchungsrichtern bestimmt wurden von dem in Christus ehrwürdigen Vater und Herrn Heinrich, dem Erzbischof der Heiligen Kölner Kirche und Erzkanzler des Heiligen Reiches über Italien, und von mir, Hermann genannt Raze von Köln, der durch kaiserliche Vollmacht als amtlicher Schreiber unterschrieben hat, und Bartholomeus von Broichurst, Geistlicher der Kölner Diözese, der durch dieselbe Vollmacht als amtlicher Schreiber unterschrieben hat, und der Zeugen, die unterschrieben haben und im besonderen dazu gerufen und gebeten worden sind, hat der gottesfürchtige Herr Bruder Konrad von Halberstadt in ausdrücklichem Auftrag, Willen und Befehl und mit Bestätigung und im Namen des ehrwürdigen und gottesfürchtigen Herrn Magister Eckhart, Doktor der heiligen Theologie, der anwesend war, und der es wollte, den Auftrag erteilte und bestätigte, einen gewissen Zettel oder Brief, den er in Händen hielt, Wort für Wort vorgelesen, und darin den heiligen apostolischen Stuhl angerufen und sich der Berichtigung desselben Stuhles unterworfen und mit Drängen um den Apostolos gebeten, und den Inquisitoren selbst einen Termin gesetzt, um dieselbe Berichtigung an der römischen Kurie zur Verhandlung zu bringen, so wie dies und anderes in genanntem Brief in diesen Worten enthalten ist:

Im Namen des Herrn, Amen. Nachdem durch mich, Magister Eckhart, Doktor der heiligen Theologie, beteuert wurde, daß ich nicht danach trachte, mich in irgendeinem Punkt der Ehrerbietung meines Herrn, ... des Kölner Erzbischofs, zu entziehen, ich ihn selbst sogar anrufen würde, wenn es sich ziemte, aber in diesem Teil seinem Frieden übertrage, sage und bringe ich in meinem und des Predigerordens Namen vor, daß ihr, Magister Reyner, Doktor der Heiligen Schrift, und Bruder Albert, Lektor im Kölner Haus der Minderbrüder, mich, den vorgenannten Magister Eckhart, zu sehr und mehr, als es sich ziemte, wegen der Abschnitte, die ihr für im Glauben irrend ansaht, obwohl sie es nicht waren, mich und meinen Orden verleumdet beschuldigt, der niemals von seiner Gründungszeit an weder wegen irgendeinem Magister der Heiligen Schrift, noch wegen irgendeinem einfachen Bruder der Provinz Theutonia der Häresie beschuldigt worden ist.
Und dass ihr mir überflüssige und mehrfach beschwerliche Fristen setzt, obwohl ihr schon längst vor einem halben Jahr eure ganze Untersuchung gegen mich hättet beendet haben können, nämlich durch Bekanntmachung und zur Sprache bringen, so wie es euch Kraft eurer Kommission zusteht, so oder anders und ohne eine häufige oder so große Verleumdung eines bedeutenden Ordens und meiner Person, besonders, da es durch euch bestimmt war, weshalb ihr dies nicht im mindesten machtet, weil ich immer und häufig angeboten habe, daß ich dem Recht und der Heiligen Kirche Gottes gehorchen werde, wenn ich vielleicht in irgendeinem Punkt gegen diese Kirche selbst vom Weg abgekommen wäre, wenn nur über meinen Irrtum etwas rechtmäßig verkündet und bekannt gewesen wäre, und weil es sich nicht eher ziemte, da es sich nicht schickt, eine Sache zu bestrafen, die frei von Schuld ist, und Streitfällen regelgerecht ein Ende gesetzt werden muß, besonders wenn es sich um eine größere Gefahr und Ärgernis handelt, und wenn eine Verzögerung für Geistliche wie für Laien Ärgernis bringt, wie im gegenwärtigen Fall, weil ihr weder einen Beschluß fasst, noch verkündet oder bekannt macht, daß ich im Vorausgeschickten, der Anklagepunkte, schuldig bin oder nicht, sondern mich allein aus Absicht oder eher aus Leichtfertigkeit an der Nase herumführt und täuscht und zwar offenkundig, gefährlich und mit größtem Ärgernis zum Schaden meines Standes und meines Ordens.
Und um mich mehr zu verleumden, beruft ihr des öfteren Brüder meines Ordens, die demselben Orden wegen offensichtlich bekannter Gründe außerordentlich verdächtig sind, die wegen des Makels ihrer eigenen Sünden der Schändlichkeit dies bei euch besorgen, die unverbesserlich sein, nicht bestraft werden wollen wegen ihrer offenkundigen Rechtsverstöße durch die Urteilssprüche der Richter, die selbst ihr darüber hinaus in unmöglicher Weise begünstigt zur Beschwerlichkeit und Schande für meinen Stand und meinen Orden, auf deren falsche Worte ihr euch mehr stützt, als auf meine Unschuld und Reinheit, die ich bereit bin vor dem Papst und der ganzen Kirche zu prüfen und zu erklären.
Trotz allem Vorausgeschickten habt ihr mich dennoch ohne Grund vor euch geladen am bevorstehenden Samstag zum Tadel für den vorgenannten Orden und mich, obwohl ich immer im Urteil der guten und gemeinen Menschen einen guten Ruf genossen habe, über den ihr euch gemäß der Rechte mehr freuen mußtet als über dessen Gegenteil, und ihr würdet gegen mich keinen Grund für eine so große Liebe finden im obengenannten berühmten verleumderischen Fall, da über die vorgenannten Abschnitte oder die, die ihnen ähnlich sind, schon längst vorher hinreichend erkannt und gehörig entschieden worden ist durch den ehrfürchtigen Herrn Bruder Nikolaus, Vikar mit besonderer Vollmacht des Herrn Papstes, und nicht über dasselbe mehrmals eine gerichtliche Untersuchung angestellt werden darf wegen des Vorausgeschickten, so wie es die Rechte sagen, und ihr euch im Vorausgeschickten auf mich gestürzt und die Sichel an fremdes Korn gelegt habt, was ihr wegen des Vorgenannten nicht durftet oder konntet.
Weil ich daher aus dem Vorausgeschickten der Meinung bin, daß ich und mein vorgenannter Orden durch euch belästigt worden sind und durch euch noch mehr belästigt werden können, rufe ich mit dieser Schrift den heiligen apostolischen Stuhl an und unterwerfe mich der Berichtigung desselben und mit Drängen bitte ich immer wieder um die Apostolos, rate zu dieser Berufung und dränge euch, vorgenannte Kommissare meines Herrn, des Kölner Erzbischof, anstatt eines vernichtenden Termins die vorgenannte Berufung an der römischen Kurie zur Verhandlung zu bringen, und als Frist setze ich euch den morgigen Sonntag Jubilate, und rufe für das Vorausgeschickte das Zeugnis jedes einzelnen Anwesenden an und im besonderen eures, Hermann genannt Raze von Köln und Bartholomeus de Broichurst, die als amtliche Schreiber hier anwesend sind.


Nachdem all dieses vorgelesen worden war, antwortete der ehrenhafte Herr Magister Godefrid von St. Kunibert, Kanonikus der Kölner Kirche, im Namen und ausdrücklichem Auftrag der Inquisitoren, die dies wollten und anwiesen, dem vorgenannten Bittsteller, daß die vorgenannten Herrn Inquisitoren bereit wären, ihm die Apostolos zu geben hinsichtlich der vorgenannten Berufung, und daß sie demselben den von nun an vorletzten Tag der Rechtsfrist bezeugen, um die Apostolos von denselben über die erwähnte Berufung zu erhalten.
Verhandelt wurde dies alles in einem Zimmer bei einem tieferen Ort des Domklosters, in der Stunde nach der Totenmesse, die in der Kirche selbst gefeiert worden ist, in Anwesenheit der ehrwürdigen und gottesfürchtigen Herrn, des Magisters Sigbert, Provinzial der Theutonia im unteren Deutschland, des Bruders Heinrich von Aquilia, Baccalaureus der Theologie, des Magisters Johannes Vogel, des Bruders Tilmann von Lützelnburg, Lektor der Sentenzen im Kölner Haus des Ordens der Heiligen Maria vom Berg Karmel, des Bruders Hugo, fürstlicher Lektor, des Bruders Johannes von Moirsberg aus dem Kölner Haus des Ordens des Heiligen Augustinus, der Brüder Lambert, Lektor der Minderbrüder, und Romanus, aus dem Kölner Haus des Ordens der Minderbrüder, des Bruders Johannes von Gripenstein, Prior, des Bruders Theodericus von Worms, des Bruders Hermann von Summo, des Bruders Johannes Juvenis und des Bruders Johannes von Tambach, alle aus dem Kölner Haus des Ordens der Prediger, und in Anwesenheit so viel wie möglich anderer glaubwürdiger Zeugen, die zum Vorausgeschickten gerufen und gebeten worden sind.
Und ich Hermann, genannt Raze von Köln, vorgenannter, durch kaiserliche Vollmacht amtlicher Schreiber, habe persönlich an jeder vorausgeschickten Einzelheit zusammen mit dem vorgenannten Bartholomeus von Broichurst, der als amtlicher Schreiber unterschrieben hat, und den vorgenannten Zeugen teilgenommen, daraufhin habe ich diese amtliche Urkunde angefertigt und in diese amtliche Form gebracht und mit meinem Zeichen in gewohnter Weise besiegelt, dazu gerufen und gebeten vom vorgenannten Magister Eckhart. Dies ist das Zeichen. (Am Rand das Signum).
Und ich Bartolomeus von Broichurst, Geistlicher der Kölner Kirche, vorgenannter, durch kaiserliche Vollmacht amtlicher Schreiber, weil ich an jeder vorausgeschickten Einzelheit, die oben in der vorliegenden amtlichen Urkunde enthalten ist, zusammen mit Hermann genannt Raze, oben genannter amtlicher Schreiber, und vorgenannten Zeugen persönlich teilgenommen habe, deshalb habe ich als Zeuge unterschrieben und der vorliegenden amtlichen Urkunde mein gewohntes Zeichen angefügt, vom vorgenannten Magister Eckhart gerufen und gebeten. Dies ist das Zeichen.

(Am Rand das Signum).