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Meister Eckehart

Protestatio
Öffentliche Erklärung, vorgetragen in der Kölner Dominikanerkirche
(Übersetzer: Edmund Tandetzki)

Appellation


Im Namen des Herrn Amen. Alle die die vorliegende amtliche Urkunde sehen oder von ihr hören werden, sollen wissen, daß im Jahre 1327 seiner Geburt, 10. Indiktion, am 13. Tag des Monats Februar, ungefähr zur 6. Stunde des genannten Tages in meiner, der ich als amtlicher Schreiber unterschrieben habe, und der Zeugen Anwesenheit, die unten unterschrieben haben, der Magister Eckhart, Doktor der heiligen Theologie, aus dem Kölner Haus des Ordens der Prediger, den Sitz, auf dem in der Kirche der Brüder des genannten Ordens gewöhnlich die Predigt gehalten wird, bestimmt bestiegen hat, und dort dem Volk predigte, und nachdem die Predigt selbst beendet worden war, rief derselbe Magister den Bruder Konrad von Halberstadt aus dem genannten Orden zu sich, trug jenem auf, den Zettel, den er in seiner Hand trug und der unten aufgeschrieben steht, zum klaren Verständnis vor dem ebendort anwesenden Volk vorzulesen, und sobald derselbe Bruder einen Abschnitt oder Punkt aus dem Inhalt selbigen Zettels vorgelesen hatte, hat der vorgenannte Magister jenen in der Muttersprache verständlich wörtlich dem Volk dargelegt.

So sind dieselben, der Magister und der Bruder Konrad, von Punkt oder Artikel einzeln vorangegangen und haben sie dargelegt.

Nachdem dies durch dieselben getan war, trug mir, dem Schreiber, der unterschrieben hat, der vorgenannte Magister auf, das, was von ihm selbst und dem genannten Bruder ebendort getan und verlesen worden wäre, eigenhändig aufzuschreiben und in eine amtliche Form zu bringen und mit meinem gewohnten Siegel zu besiegeln. Der Wortlaut genannten Zettels aber ist der:

Ich, Meister Eckhart, Doktor der heiligen Theologie, erkläre, Gott zum Zeugen anrufend, vor allem, daß ich jeglichen Irrtum im Glauben und jede Abirrung im Lebenswandel immer, so viel es mir möglich war, verabscheut habe, da Irrtümer dieser Art meinem akademischen Status und Mönchsstand widerstritten hätten und noch widerstreiten. Aus diesem Grunde widerrufe ich, sofern sich in dieser Hinsicht etwas Irrtümliches finden sollte, was ich geschrieben, gesprochen oder gepredigt hätte, privat oder öffentlich, wo und wann auch immer, unmittelbar oder mittelbar, sei es aus schlechter Einsicht oder verkehrten Sinnes: das widerrufe ich hier öffentlich und vor Euch allen und jeglichem, die gegenwärtig hier versammelt sind, weil ich dieses von nun an als nicht gesagt oder geschrieben betrachtet haben will, besonders aber auch, weil ich vernehme, daß man mich übel verstanden hat: so, als hätte ich gepredigt, mein kleiner Finger habe alles geschaffen. Das habe ich weder gemeint noch gesagt, wie die Worte lauten, sondern ich habe es von den Fingern des Knaben Jesu gesagt. Und dann, ein Etwas sei in der Seele, um dessentwillen sie, wenn die ganze Seele so wäre, als ungeschaffen zu bezeichnen wäre: dies halte ich mit den Doktoren, den Kollegen, nur dann für wahr, wenn die Seele dem Wesen nach Intellekt wäre. Niemals habe ich auch meines Wissens gesagt, noch bin ich der Meinung gewesen, daß etwas in der Seele sei, was zwar ein Teil der Seele sei, indes ungeschaffen und unschaffbar, weil so die Seele aus Geschaffenem und Ungeschaffenem bestände. Vielmehr habe ich das Gegenteil geschrieben und gelehrt, wenn nicht einer erklärt, ungeschaffen und nicht geschaffen hieße so viel wie nicht an und für sich erschaffen, sondern hinzugeschaffen. - Vorbehaltlich aller dieser Richtigstellungen korrigiere und widerrufe ich, wie ich gesagt habe, und ich werde im allgemeinen wie im einzelnen und immer, wann es dienlich sein wird, alles korrigieren und widerrufen, wovon sich ermitteln ließe, daß es keinen ganz gesunden Sinn hat.

Vorgelesen, dargelegt und verhandelt in Anwesenheit der Brüder Johannes von Grifinsteyn , Prior, Rytolph, Prior von Elz, Octo von Schowenburg, Lektor in Koblenz, Bruno Schernekin, Arnold von Leye, Jacob von Frankinsteyn, Godefrid, genannt Niger, Godefrid Ludwig von der Marspforte , Johannes von Düren, Theoderich von Worms, des genannten Ordens, in Anwesenheit Arnolds, Priester in der berühmten Kirche der Heiligen Jungfrauen in Köln, des Gobelin von Udinchoven und des Hermann, der in der Breite Straße wohnt, Kölner Bürger, die zu Zeugen für das Vorausgeschickte gerufen wurden. Im oben genannten Jahr der Geburt des Herrn, Indiktion, Tag, Stunde des Tages und Ort.

Und ich Walter von Ketwich, Geistlicher der Kölner Curie, durch kaiserliche Vollmacht amtlicher Schreiber habe an jeder vorausgeschickten Einzelheit zusammen mit den vorgenannten Zeugen persönlich teilgenommen, sie gesehen und gehört, und sodann die vorliegende amtliche Urkunde angefertigt und in diese amtliche Form gebracht und mit meinem gewohnten Zeichen gesiegelt, insbesondere dazu gerufen und gebeten.

Ich billige die Unterschriften, natürlich "priore", und die Rasuren . Ausgestellt wie oben.

(Am Rand das Signum).