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Demokritos von Abdera

Fragment: Sprüche (1)

35. Wenn man diese meine Sprüche mit Verstand anhört, wird man viele Taten tun, die eines trefflichen Mannes würdig sind, und viele schlechten unterlassen.
37. Wer nach geistigen Gütern strebt, strebt nach göttlicherem (Gewinn), wer nach leiblichen, nach irdischem.
38. Pflicht ist's, den Frevler zu hindern, auf alle Fälle aber nicht mitzufreveln.
39. Man muß entweder gut sein oder Guten nachahmen.
40. Nicht Leibeskraft oder Geld macht den Menschen glücklich, sondern Geradsinnigkeit und Vielseitigkeit.
41. Nicht aus Furcht, sondern aus Pflichtgefühl meide die Sünden.
42. Es ist etwas Großes um Pflichttreue im Unglück.
43. Reue über schimpfliche Handlungen ist Lebensrettung.
45. Wer Unrecht tut ist unglücklicher als wer unrecht leidet.
46. Hohen Sinn bekundet es, Taktlosigkeit gelassen zu ertragen.
47. Vor Gesetz, Obrigkeit und dem Klügeren sich zu beugen zeugt von Selbstzucht.
48. Schlechter Leute Tadel ficht den Guten nicht an.
49. Einem geringeren Manne zu gehorchen ist schlimm.
50. Wer allerwegen bestechlich ist, wird nie gerecht sein.
51. Oft erweist sich ein Wort viel stärker zur Überredung als Gold.
52. Wer den, der sich einbildet Verstand zu haben, zu Verstand bringen will, vergeudet seine Zeit.
53. Viele, die nichts Vernünftiges gelernt haben, leben trotzdem vernünftig.
53a. Viele, die die schändlichsten Handlungen begehen, führen höchst vernünftige Reden.
54. Durch Schaden werden die Toren klug.
55. Tugendhafter Werke und Taten soll man sich befleißigen, nicht tugendhafter Worte.
56. Das Edle erkennen und erstreben (nur) die von Natur dazu Befähigten.
57. Rassigkeit der Zugtiere besteht in der Wohlbeschaffenheit ihres Körpers, die der Menschen in der guten Richtung ihres Charakters.
58. Die Hoffnungen der richtig Denkenden sind erfüllbar, die der Unverständigen unerfüllbar.
59. Keine Kunst, keine Wissenschaft ist erreichbar ohne Lernen.
60. Es ist besser, die eigenen als die fremden Fehler zu rügen.
61. Diejenigen, die einen wohlgeordneten Charakter besitzen, haben auch ein wohlgeordnetes Leben.
62. Gut ist (noch) nicht Nichtfreveln, sondern nicht einmal freveln wollen.
63. Schön ist's, bei schönen Handlungen Beifall zu spenden; denn bei schlechten es zu tun, ist das Werk eines Fälschers und Betrügers.
64. Viele Vielwisser haben keinen Verstand.
65. Viel Denken, nicht viel Wissen ist zu pflegen.
66. Bei seinen Handlungen ist vorzubedenken besser als nachzubedenken.
67. Trau nicht allen, sondern den Bewährten. Denn jenes ist einfältig, dies verständig.
68. Nicht bloß aus seinem Tun, sondern auch aus seinem Wollen (erkennt man) den bewährten und den unbewährten Mann.
69. Allen Menschen gilt wohl dasselbe als gut und wahr: angenehm aber ist dem einen dies, dem andern das.
70. Unbegrenzte Wünsche sind Kindes, nicht Mannes Sache.
71. Unzeitige Genüsse erzeugen Ekel.
72. Die auf irgend ein Ziel heftig gerichteten Begierden verblenden die Seele gegen alles Übrige.
73. Nur die Liebe ist berechtigt, die ohne Frevel der Schönheit nachjagt.
74. Versage dir jeden Genuß, der nicht zuträglich ist.
75. Es ist besser für die Unverständigen zu gehorchen als zu herrschen.
76. Nicht Wort, sondern Unglück ist der Lehrmeister der Toren.
77. Ruhm und Reichtum ohne Einsicht sind unsichere Besitztümer.
78. Geld zu erwerben ist nicht unnützlich, auf ungerechte Weise aber ist es das Allerschlimmste.
79. Den Bösen nachzuahmen, den Guten aber (nicht, ja) nicht einmal (ihnen) nachahmen zu wollen, ist schlimm.
80. Es ist schimpflich, sich um das Fremde überflüssige Mühe zu geben und das Eigne nicht zu kennen.
81. Immer zaudern läßt die Taten nicht zur Vollendung kommen.
82. Falsche und heuchlerische (Gesellen) sind die, welche alles mit dem Mund und in Wirklichkeit nichts tun.
83. Die Unkenntnis des Besseren ist die Ursache der Verfehlung.
84. Wer Schamloses tut, muß sich vor allem vor sich selbst schämen.
85. Wer widerspricht und viel schwatzt, ist unfähig zum Lernen dessen, was not tut.
86. (Eine Art) Habgier ist es, alles reden und nichts hören zu wollen.
87. Man muß den Schlechten überwachen, sonst nimmt er seine Gelegenheit wahr.
88. Der Neider bereitet sich selbst Schmerzen wie einem Feind.
89. Feind ist nicht jeder der Unrecht tut, sondern nur der es mit Willen tut.
90. Die Feindschaft mit Verwandten ist viel drückender als mit Fremden.
91. Zeige dich nicht argwöhnisch gegen alle, sondern vorsichtig und fest.
92. Man soll Wohltaten nur mit dem Vorsatze annehmen, größere wieder zu erstatten.
93. Sieh dich vor, wenn du Wohltaten erweist, daß der Empfänger dir nicht heimtückisch Gutes mit Bösem vergelte.
94. Kleine Wohltaten zur richtigen Zeit sind für die Empfänger die wertvollsten.
95. Ehrenbezeugungen fallen auf fruchtbaren Boden bei den Verständigen, die sich der Ehre bewußt sind.
96. Wohltätig ist nicht wer auf Erwiderung schaut, sondern wer entschlossen ist, aus freiem Antrieb wohlzutun.
97. Viele, die Freunde scheinen, sind es nicht: und viele, die es nicht scheinen, sind es.
98. Eines einzigen verständigen Mannes Freundschaft ist besser als die aller Unverständigen zusammen.
99. Wer keinen einzigen braven Freund besitzt, ist nicht wert zu leben.
100. Bei wem die erprobten Freunde nicht lange ausharren der ist unverträglich.
101. Viele gehen ihren Freunden aus dem Wege, wenn diese aus Wohlhabenheit in Armut geraten sind.
102. Schön ist überall das Gleichmaß, Übermaß und Mangel rnißfällt mir.
103. Wer niemanden liebt, kann meines Bedünkens auch von niemandem geliebt werden.
104. Ein liebenswürdiger Greis ist, wer in Scherz und Ernst zu plaudern weiß.
105. Körperschönheit ist etwas Tierisches, wenn sich nicht Verstand dahinter birgt.
106. Im Glück einen Freund zu finden ist leicht, im Unglück aber das Allerschwierigste.
107. Freunde sind nicht alle Verwandten, sondern die, welche gemeinsame Interessen haben.
107a. Es geziemt sich als Menschen über Menschen Unglück nicht zu lachen, sondern zu wehklagen.
108. Wer das Gute sucht, findet's nur mit Mühe, das Schlimme aber auch wer es nicht sucht.
109. Tadelsüchtige sind nicht geschaffen zur Freundschaft.
110. Das Weib soll seine Zunge nicht üben, denn das wäre arg.
111. Einem Weib zu gehorchen ist für einen Mann wohl die äußerste Schmach.
112. Stets etwas Schönes sich auszudenken ist (der Beruf) eines göttlichen Geistes.
113. Wer Unverständige lobt, schadet ihnen gewaltig.
114. Andrer Lob ist besser als Eigenlob.
115. Kannst du die Lobsprüche nicht anerkennen, so nimm an, es sei Schmeichelei.
115a. (Erwähnung des Thales {Geschlecht und astronomische Entdeckungen}.)
116. Denn ich kam nach Athen: da kannte mich keiner.
117. In Wirklichkeit wissen wir nichts, denn die Wahrheit liegt in der Tiefe.
118. (D. sagte,) er wolle lieber einen einzigen Beweis finden, als den Perserthron gewinnen.
119. Die Menschen haben sich ein Idol des Zufalls gebildet zur Beschönigung ihrer eigenen Ratlosigkeit. Denn nur in seltenen Fällen wirkt der Zufall der Klugheit entgegen: das meiste im Leben weiß ein wohlverständiger Scharfblick ins Grade zu richten.
125. (Nachdem D. sein Mißtrauen gegen die Sinneswahrnehmungen in dem Satze ausgesprochen:) "Scheinbar (d.i. konventionell) ist Farbe, scheinbar Süßigkeit, scheinbar Bitterkeit: wirklich nur Atome und Leeres" (läßt er die Sinne gegen den Verstand reden:) "Du armer Verstand von uns nimmst du deine Beweisstücke und willst uns damit besiegen? Dein Sieg ist dein Fall!"
126. Alle (Raupen), die bei ihrer Wanderung wellenartig irren.
127. Wenn die Menschen sich kratzen, haben sie ein Wohlgefühl, und es wird ihnen wie beim Liebesgenuß.
129. Göttliches ersinnen sie im Geiste.
142. (Die Worte sind) redende Bilder.
144. (Die Musik sei eine junge Kunst.) Denn nicht die Not habe sie geboren, sondern sie sei aus dem bereits (entwickelten) Luxus entstanden:
144a. Ich werde (auf den Anfang) zurückkommen.
145. Das Wort ist der Schatten der Tat.
146. (Der Geist), der sich gewöhnt, aus sich selbst die Freuden zu schöpfen.
147. Schweine tollen sich auf dem Miste.
148. Zuerst bildet sich in der Gebärmutter der Nabel, ein Ankerplatz gegen Brandung und Irrfahrt, Haltseil und Ranke für die entstehende und werdende Frucht.
149. Wenn du dein Inneres öffnest, wirst du darin eine Vorrats- und Schatzkammer von allerlei bösen Leidenschaften finden.
151. Im gemeinsamen Fisch sind keine Gräten.
152. Kein zeusgesandter Blitz, (der nicht) die (reine) Ätherhelle bewahrte.
153. Es bringt Schaden seinen Nachbarn gefallen zu wollen.
154. Die Menschen sind auf dem Wege der Nachahmung in den wichtigsten Dingen Schüler der Tiere geworden: der Spinne im Weben und Stopfen, der Schwalbe im Bauen und der Singvögel, des Schwans und der Nachtigall im Gesang.
155. Wenn ein Kegel parallel zur Grundfläche durch eine Ebene geschnitten wird, wie soll man sich die entstehenden Schnittflächen vorstellen, gleich oder ungleich? Sind sie ungleich, dann werden sie den Kegel ungleichmäßig machen, da er treppenartige Einschnitte und Vorsprünge erhält; sind sie dagegen gleich, so werden (auch) die Schnitte gleich sein und der Kegel wird die Erscheinung eines Zylinders darbieten, insofern er aus gleichen, nicht aus ungleichen Kreisen bestehen wird, was doch sehr ungereimt ist.
156. Das Nichts existiert ebenso sehr wie das Ichts.
157. Die Staatskunst dieser Männer (wie Parmenides, Melissos u.a.) (rät) Dem. als die höchste zu erlernen und die Mühen auf sich zu nehmen, aus denen das Große und Herrliche in der Welt erwächst.
159. Wenn der Leib gegen sie (die Seele) einen Prozeß anhängig machte wegen der Schmerzen und Mißhandlungen, die er (von ihr) zeitlebens erfahren, und er selbst (Demokrit) als Richter über die Anklage zu entscheiden hätte, so würde er die Seele mit Vergnügen verurteilen, weil sie den Leib teils durch Vernachlässigung zugrunde richtete und durch Trunksucht schwächte, teils durch Wollüste vernichtete und verlotterte, etwa wie er einen rücksichtslosen Benutzer verantwortlich machen würde, wenn ein Instrument oder Gerät sich im schlechten Zustande befände.
160. (Das böse, unverständige, unkeusche und unheilige Leben sei) nicht ein böses Leben, sondern ein langwieriges Sterben.
161. (Die Finsternisse nannte man häufig bis auf Demokrits Zeit) Herabholungen (des Mondes oder der Sonne).
164. Denn alle Lebewesen gesellen sich zu ihrer Art wie Tauben zu Tauben, Kraniche zu Kranichen und so bei den übrigen Tieren. Ebenso ist es aber auch bei den leblosen Dingen, wie man es sehen kann bei dem Durchsieben der Samen und bei den Steinen an der Brandung. Denn dort ordnet sich durch das Wirbeln des Siebes gesondert Linse zu Linse, Gerste zu Gerste und Weizen zu Weizen, hier dagegen werden durch den Wogenschlag die länglichen Steine zu den länglichen gerollt, die runden zu den runden, als ob die Ähnlichkeit der Dinge eine gewisse Vereinigungskraft auf sie ausübe.
165. Ich behaupte Folgendes über das All . . . Mensch ist, was allen bekannt ist.
166. (D. behauptet) gewisse Abbilder nahten den Menschen (und diese seien teils Gutes, teils Böses wirkend. Darum wünscht er auch) glückbedeutender Bilder teilhaftig zu werden.
167. Ein Wirbel mannigfaltiger Formen sei von dem All abgesondert worden.
168. (Die Atome nannten die Demokriteer) Natur; (sie würden in dem Leeren) umhergeschleudert.
169. Bemüh' dich nicht alles wissen zu wollen, sonst lernst du nichts.
170. Seligkeit und Unseligkeit ruht in der Seele.
171. Seligkeit wohnt nicht in Herden oder Gold: die Seele ist seligen Wesens Wohnsitz.
172. Von wannen uns das Gute kommt, eben daher wird uns auch das Schlimme zuteil und das Mittel es zu meiden. Tiefes Wasser z.B. ist zu vielem nütze und auch wieder schädlich; denn man läuft Gefahr darin zu ertrinken. Dagegen hat man nun ein Mittel erfunden: Schwimmunterricht.
173. Den Menschen erwächst Schlimmes aus Gutem, wenn man das Gute nicht zu lenken und wohl zu tragen versteht. Es ist nicht billig, solche Dinge unter die Übel zu rechnen, vielmehr unter das Gute; und man kann auch das Gute, wenn man will, zur Abwehr gegen die Übel verwenden.
174. Der Wohlgemute fühlt sich stets zu gerechten und gesetzlichen Handlungen hingetrieben und ist darum Tag und Nacht heiter und stark und unbekümmert. Doch wer der Gerechtigkeit spottet und seine Pflichten nicht erfüllt, dem wird das alles zur Unlust, wenn er sich an irgend ein (Vergehen) erinnert, und er befindet sich in steter Angst und Selbstpeinigung.
175. Die Götter aber gewähren den Menschen alles Gute, jetzt und ehedem. Nur alles, was schlimm, schädlich und unnütz ist, das schenken die Götter weder jetzt noch ehedem den Menschen, sondern sie selbst tappen hinein infolge ihrer Sinnesverblendung und Torheit.
176. Der Zufall ist freigebig, aber unzuverlässig, die Natur dagegen ruht auf sich selbst. Und darum trägt sie mit ihren geringeren aber zuverlässigen (Mitteln) doch den Sieg davon über die größeren (Verheißungen) der Hoffnung.
177. Eine treffliche Rede verdunkelt nicht eine schlechte Tat, und eine gute Tat wird nicht durch eine lästernde Rede zu schanden.
178. Das allerschlimmste, was man die Jugend lehren kann, ist der Leichtsinn. Denn er ist es, der jene Lüste großzieht, aus denen die Lasterhaftigkeit erwächst.
179. Wenn die Knaben sich irgend zu etwas anderm als zum Arbeiten gehen lassen (dürfen), werden sie weder Lesen noch Musik, noch Sport, noch, was vor allen Dingen die Tüchtigkeit bedingt, Respekt lernen. Denn aus jenen (drei Schulen) pflegt besonders der Respekt zu erwachsen.

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