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Böhme Jakob

Christosophie (1624)

Man bindet uns an jetzo an die Historien, an die steinernen Kirchen, welche zwar in ihrem Wert gut wären, so man auch den Tempel Christi darein brächte.

Man lehret, ihre Absolution sei eine Vergebung der Sünden; item das Abendmahl nähme die Sünden weg, item der Geist Gottes werde vom Predigamt eingegossen.

Dieses alles hätte seinen Weg (Wert), so es recht erklären würde und man nicht nur an der Hülsen hinge. Mancher gehet 20 oder 30 Jahr in die Kirche, höret Predigen und braucht Sakrament, läßt sich absolvieren und ist einmal ein Tier des Teufels und der Eitelkeit wie das ander. Ein Tier gehet in die Kirchen und zum Abendmahl und ein Tier gehet wieder davon.
Wie will der essen, der keinen Mund hat? Wie will der hören, der kein Gehör hat? Mag auch einer eine Speise genießen, die seinem Munde verschlossen ist? Wie will der trinken, der fern vom Wasser ist? Was hilft michs, daß ich in die Mauerkirche gehe und fülle meine Ohren mit einem leeren Odem oder gehe zum Abendmahl und speise nur den irdischen Mund, welcher sterblich und verweslich ist? Mag ich ihme doch wohl daheim ein Stück Brot geben, daß er satt werde. Was hilft das die Seele, wenn ein unsterblich Leben ist, das der tierische Mensch die Weise des Gebrauchs Christi hält, so daß sie nicht mag das Kleinod des Gebrauchs erreichen? Denn St. Paulus sagt vom Abendmahl: Darum, daß ihr nicht unterscheidet den Leib des Herren, empfahet ihrs zum Gericht (1. Kor. 11,29).

Der Heilige aber hat seine Kirche an allen Orten bei sich und in sich, denn er sähet und gehet, er liegt und sitzt in seiner Kirchen, er ist in der wahren christlichen Kirchen, im Tempel Christi. Der Heilige Geist predigt ihme aus allen Kreaturen. Alles was er ansiehet, das siehet einen Prediger Gottes. .....

Heuchle, heuchle, schreie, singe, predige, lehre wie du willst. Ist nicht der innere Lehrer offen, so ist alles Babel und Fabel und ein Schnitzwerk, da der äußere Weltgeist ein Modell oder Schnitzwerk nach dem Inneren macht. Und damit gleisset er, als ob er einen heiligen Gottesdienst hätte, da doch manchmal der Teufel mitten in solchem Gottesdienst mächtig in der Imagination wirket und das Herz wohl kitzelt, mit denen Dingen, so das Fleisch gern hätte, welches zwar wohl öfter den Kindern Gottes nach dem äußeren Menschen widerfähret, so sie nicht eben acht auf sich haben, so richtet sie der Teufel.

Die Christenheit in Babel zankt um die Wissenschaft, wie man Gott dienen, ehren und erkennen soll, was er sei nach seinem Wesen und Willen; und lehren schlecht, wer nicht in allen Stücken mit ihnen einig sei in der Wissenschaft und Meinung, der sei kein Christ, sondern ein Ketzer.

Nun wollte ich doch gerne sehen, wie man alle ihre Sekten sollte zusammen in eine bringen, die sich die christliche Kirche könnte nennen, weil sie allesamt nur Verächter sind, da je ein Haufe den anderen lästert und für falsch ausschreit.

Ein Christ aber hat keine Sekte. Er kann mitten unter den Sekten wohnen, auch in ihrem Gottesdienst erscheinen und hangt doch keiner Sekte an. Er hat nur eine einige Wissenschaft, die ist Christus in ihme. Er sucht nur einen Weg. Der ist die Begierde, daß er immerdar wollte gerne recht tun und leben und stellt all sein Wissen und Wollen ins Leben Christi ein, er seufzet und wünschet immerdar, daß doch Gottes Wille in ihme möge geschehe und sein Reich in ihme offenbar werde. Darum, sage ich, ist alles Babel, was sich miteinander beißet und um die Buchstaben zanket...

Wer richtet die Vögel im Walde, die den Herrn aller Wesen mit mancherlei Stimmen loben, ein jeder aus seiner Essenz; Straft sie auch der Geist Gottes, daß sie nicht ihre Stimmen in eine Harmonie führen? Gehet doch ihr aller Hall aus seiner Kraft und vor ihm spielen sie.

Darum sind die Menschen, so um die Wissenschaft und um Gottes Willen zanken und einander darum verachten, törichter denn die Vögel im Walde und die wilden Tiere, die keinen rechten Verstand haben. Sie sind vor dem heiligen Gott unnützer als die Wiesenblumen, welche doch dem Geist Gottes stille halten und lassen ihn die göttliche Weisheit und Kraft durch sich offenbaren. Ja, sie sind ärger denn die Disteln und Dörner unter den schönen Blumen, welche doch stille stehen. Sie sind als die räuberischen Tiere und Vögel im Walde, welche die anderen Vögel, von deren Gesang und Lobe Gottes abschrecken....

Aus welchem die große Babel geboren und ausgewachsen ist, da man aus Hoffahrt um die Historiam der Rechtfertigung des argen Sünders vor Gott zanket und den Einfältigen irre und lüstern macht, daß ein Bruder den anderen um die Historien und Buchstabenwechseln willen verachtet und dem Teufel gibt.

Solche Lästerbälge dienen nicht Gott sondern dem großen Bau der Uneinigkeit... Und sind nur Baumeister der großen Babel und der Welt und soviel Nütze als dem Wagen das fünfte Rad ohne daß sie das höllische Gebäu aufrichten.

Diese alle haben Christum noch nie erkannt und stehen auch nur in der Figur, wie Himmel und Hölle miteinander um die Überwindung streitet...

Diese alle gehören in das Gerichte zum Scheiden das Falsche vom Rechten. Da werden alle Bilder und Meinungen aufhören...

Denn im Himmel dienet alles in Demut Gott seinem Schöpfer.