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Böhme Jakob 1525 - 1624
Lebensdaten

Mystiker und Naturphilosoph
Böhme wurde im Jahre 1575 in Alt-Seidenberg bei Görlitz (Oberlausitz) als Sohn eines Bauern geboren. Er ist am 17.11. 1624 in Görlitz gestorben.

Er erlernte das Schuhmacherhandwerk. Böhme war ein tiefsinniger Denker. Durch mystische und naturphilosophische Schriften wurde sein Denken und Forschen angeregt. Der Umgang mit Anhängern des Theophrastus Paracelsus, Valentin Weigel und Kaspar Schwenckfeld brachte ihn dazu, über die Frage wie aus der göttlichen Einheit die Welt mit ihrer Mannigfaltigkeit entstanden sein könnte nachzudenken. Er geriet dabei in schwere Zweifel über die überlieferte kirchliche Schöpfungslehre. Jahrelang rang er um das Verständnis des Natur und Geschichte bestimmenden Gegensatzes zwischen Gut und Böse.

1612 schrieb Böhme seine Gedanken und Erkenntnisse nieder. Das noch nicht vollendete Manuskript »Morgenröte im Aufgang« überließ er einem Edelmann, der es mehrfach abschreiben ließ und im Freundeskreis verbreitete. Böhme gab im März 1613 seinen Beruf als Schuhmacher auf und handelte nun mit Garn. Dadurch hatte er mehr Zeit für seine philosophische Schriftstellerei. Diese fand ein jähes Ende, als eine Abschrift der »Morgenröte« im Juli 1613 dem Görlitzer Pastor primarius Gregor Richter in die Hände fiel. Dieser fühlte sich zum Wächter der lutherischen Orthodoxie berufen und forderte darum den Rat auf, gegen die ketzerische Schriftstellerei vorzugehen. Böhme wurde nach kurzer Gefangensetzung und peinlichem Verhör vom Rat ermahnt, »von solchen Sachen abzustehen«. Er mußte am 30.7. 1613 vor der versammelten Geistlichkeit geloben, künftig nichts mehr zu schreiben.

1619 brach Böhme das Versprechen, weil er dem inneren Drang, seine Gedanken niederzuschreiben, nicht länger widerstehen konnte. Dadurch entzündete sich erneut der Zorn Richters, der als sein fanatischer Gegner 1624 vom Rat die Ausweisung des wortbrüchigen Ketzers verlangte. Böhme reiste im Mai 1624 zu einem seiner Gönner nach Dresden, weil der Rat den Ausweisungsbeschluß in den Befehl umgewandelt hatte, sich für einige Zeit aus der Stadt zu entfernen. In Dresden gewann er im ersten Hofprediger und Superintendenten Matthias Höe von Hohenegg, der seine Schriften las, einen wohlwollenden Theologen. Später kehrte er nach Görlitz zurück.

Nach Rückkehr einer Reise im Jahre 1624 kehrte Basilius todkrank nach Görlitz zurück. Er starb mit den Worten: »Nun fahre ich hin ins Paradies.«

Zu seinem Werk:
Böhme war tief betroffen von der aggressiven Gehässigkeit der konkurrierenden christlichen Konfessionen und suchte einen kirchlichen Standpunkt jenseits des Gezänks. Sein Denken ist meditativ-spekulativ und geht den Weg von der Mystik des Herzens zur Mystik des Geistes. Die Überschreitung der Grenzen strenger Rationalität gewährt ihm innere Einsichten in Wesen und Wille des Ewigen. Er ist kein Weltflüchtiger, sondern betont den freien Willen, den Gott den Menschen gegeben hat und dessen Verantwortung für die Erde. In Gott heben sich alle Gegensätze auf, in der Finsternis strahlt das Licht Gottes besonders hell. Die Rechtfertigungslehre der Reformation allein durch Gnade zum Glauben zu kommen, ist nicht seine Sache.

Die Protestanten schelten ihn als Phantasten und Atheisten. Erst ab der Periode der Empfindsamkeit (Claudius) nimmt Böhmes Einfluß auf das Denken und Empfinden zu. Jung-Stilling, Schlegel, Novalis und Hegel sind von Böhme beinflußt. Er setzt den Frieden der Christen über die Wahrheit der Lehre und damit die Ethik über die Dogmatik, verliert aber Christus nicht aus dem Auge, der für ihn nicht ein theologisches Faktum sondern der Mittelpunkt aller Weltweisheit wird. Er sieht die Unwürdigkeit des Zankens um die rechte Lehre und setzt ihr gegenüber die Hingabe an Christus und den Nächsten in Liebe, Freundlichkeit und Toleranz