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Anaximandros 610 - 546 vuZ
Textauszüge: Weltbild
Himmelskunde
Aus: Diogenes Laertius
.... er konstruierte auch eine Sphaera (Himmelsglobus, große Halbkugel).
Aus: Simplicius zu Aristoteles, Vom Himmel
Die Forschung über die Größe und Entfernung (der Planeten)
hat zuerst Anaximandros angestellt, wie Eudemos berichtet, der die Feststellung
ihrer Reihenfolge (im Weltraum, von außen nach innen gerechnet)
auf die Pythagoreer als Urheber zurückführte. Die Größe
und die Entfernung von Sonne und Mond sind bis jetzt auf Grund der Beobachtungen
bei den Finsternissen erkannt worden, die die Grundlage zu ihrer Erfassung
boten. Wahrscheinlich hat das auch Anaximandros gefunden, auf Grund des
Vorüberganges von Merkur und Venus an diesen (Sonne und Mond).
Aus: Hippolytos
Der Kreis der Sonne ist (nach Anaximandros) 27 mal so groß (wie
die Erde; der des Mondes 19 mal so groß).
Aus: Aetius
(Anaximandros behauptete) die Sonne selbst sei gleich der Erde, dagegen
der Kreis, von dem sie ihr Luftloch hat und von dem sie herumgetragen
wird, 27 mal so groß wie die Erde
Zuoberst von allen Gestirnen habe die Sonne ihren Stand, danach komme
der Mond und unter ihm die Fixsterne und die Planeten.
Ursache der Wenden
Aus: Aristoteles, Meteorologie
Ursprünglich sei die ganze Oberfläche der Erde feucht gewesen.
Wie sie aber dann von der Sonne ausgetrocknet wurde, sei der eine Teil
(der Feuchtigkeit) verdunstet und habe die Winde und die Wenden von Sonne
und Mond verursacht.
Bewegung von Sonne und Mond
Aus: Aetius
Anaximandros behauptet, daß von den Kreisen (d.h. Kreisrädern)
und den Kugeln, auf denen ein jeder (Planet) einherfahre (von denen ein
jeder Planet getragen werde), die Planeten fortbewegt würden.
Mond
Aus: Aetius
Der Mond sei ein Kreis, gleich wie ein Wagenrad, das den Felgenkranz
hohl und von Feuer erfüllt habe, gerade wie der der Sonne. Er habe eine
schiefe Lage wie jene und ein einziges Luftloch wie die Röhre eines
Blasebalges. Er verfinstere sich (für uns), entsprechend den Umdrehungen
des Rades.
An anderer Stelle (Aetius) wird die Mondfinsternis anders erklärt:
dadurch, daß die Mündung (des Luftloches) in dem Felgenkranz
verstopft wird. Ganz entsprechend von der Sonnenfinsternis.
Die Mondfinsternis erfolge dadurch, daß die Mündung des Feuerluftloches
verstopft wird.
Die Lage der Erde
Aus: Aristoteles, Vom
Himmel
Einige - so von den ältesten Denkern Anaximandros - behaupten, daß
die Erde infolge ihrer Gleichheit an ihrem Platze verharre. Denn das,
was im Mittelpunkt ruht und sich in gleicher Weise zu den äußersten
Rändern verhält kann sich um nichts mehr
nach oben oder nach unten oder nach einer der beiden Seiten bewegen.
Daß es sich
aber zugleich nach entgegengesetzten Seiten bewege, ist unmöglich,
so daß es notwendigerweise in seiner Ruhelage verharrt. Die
Erde verharre in der Schwebe, von nichts aus ihrer Lage verdrängt,
da sie an ihrem Platze infolge ihres gleichen Abstandes von allen Seiten
verharre.
Aus: Theo von Smyrna
Anaximandros behauptet, daß sich die Erde im Weltraum in schwebender
Lage befinde, und zwar im Mittelpunkt der Welt.
Anaximandros entwirft die erste
Erdkarte
Aus: Agathemeros
Anaximandros von Milet, der Schüler des Thales, hat als erster gewagt,
die bewohnte Erde auf einer Karte zeichnerisch dazustellen.
Meteorologie
Aus: Aetius
Der Wind sei ein Fließen der Luft, indem die feinsten und feuchtesten
Teile in ihr von der Sonne in Bewegung gesetzt oder zum Schmelzen gebracht
würden.
Der Urgrund
Aus: Aristoteles, Physik (Simplicius
zu Aristoteles)
Anaximandros, des Praxiades Sohn aus Milet, der Schüler und Nachfolger
des Thales, hat als Urgrund und Element der Dinge das U n
e n d l i c h e angenommen, indem er als erster diesen Namen für
den Urgrund gebrauchte. Er bezeichnet aber als Urgrund weder das Wasser
noch ein anderes der sogenannten Elemente, sondern eine andere unendliche
Substanz, aus der sämtliche Himmel entstanden seien und die Welten
in ihnen. "Woraus aber die Dinge ihre Entstehung
haben, darein finde auch ihr Untergang statt, gemäß der Schuldigkeit.
Denn sie leisteten einander Sühne und Buße für ihre Ungerechtigkeit,
gemäß der Verordnung der Zeit." Offenbar hat Anaximandros,
der den Wandel der vier Elemente ineinander beobachtet hatte, nicht eines
von diesen als Grundlage (Substrat) annehmen wollen, sondern ein anderes
neben ihnen ...
Warum
Anaximandros das Unendliche als Prinzip annahm
Aus: Aristoteles, Physik
"Damit das Werden nicht aufhört."
Aus: Pseudoplutarch, Stromateis
Anaximandros erklärte, daß das Unendliche die alleinige Ursache
von Entstehung und Untergang des Ganzen sei ... Er behauptete aber, daß
der Untergang und viel früher die Entstehung erfolge, indem sich
seit unendlicher Zeit alle diese Vorgänge wiederholten.
Prädikate
des Unendlichen
Aus: Aristoteles, Physik
Alles ist entweder "Anfang" oder (stammt) aus dem "Anfang";
von dem Unendlichen aber gibt es keinen Anfang. Denn dann gäbe es
auch ein Ende von ihm. Ferner (muß es) als Anfang ungeworden und
unvergänglich sein. Denn alles, was geworden ist, muß notwendig
einmal ein Ende nehmen, und von jedem Untergang gibt es ein Ende. Daher
gibt es, wie ich behaupte, keinen Anfang von diesem, sondern es scheint
vielmehr dieses der Uranfang aller andern Dinge zu sein und alles zu umfassen
und alles zu lenken, wie jene behaupten, die nicht neben dem Unendlichen
andere Endursachen annehmen, wie z.B. den Geist oder die Liebe. Und das
sei das Göttliche. Denn es sei "unsterblich" und "unvergänglich",
wie Anaximandros und die meisten der Naturforscher behaupten.
Aus: Hippolytos
Dieses (das Unendliche) sei ewig, und es altere überhaupt nicht.
Und es umfasse sämtliche Welten.
Ewigkeit und Bewegung
Aus: Hippolytos
Die Bewegung sei ewig, bei der (d. h. infolge deren) die Himmel entständen.
Entstehung der Dinge aus dem
Unendlichen
Aus: Simplicius
Anaximandros nimmt die Entstehung der Dinge nicht infolge einer qualitativen
Veränderung des Urelementes an, sondern infolge einer Ausscheidung
der Gegensätze auf Grund der ewigen Bewegung ....
Simplicius
Gegensätze aber sind warm und kalt, trocken und feucht, und die
andern.
Kosmogonie
Aus: Pseudoplutarch, Stromateis
2 (aus Theofrast)
Anaximandros behauptet, die von Ewigkeit her zeugende Kraft des Warmen
und Kalten habe sich bei der Entstehung dieser Welt ausgeschieden und
sei es daraus eine Kugelhülle aus Feuer um die die Erde umgebende
Luft herumgewachsen, wie um den Baum die Rinde. Als diese dann zerrissen
sei und sich in verschiedene radförmige Streifen geteilt habe, hätten
sich Sonne, Mond und Sterne gebildet.
Aus: Hippolytos
Die Gestirne seien in Form eines Feuerkreises entstanden; sie hätten
sich nämlich von dem Feuer im Kosmos abgesondert und seinen von ihm
umfaßt (eingeschlossen). Es seien aber (an ihnen) als Luftlöcher
gewisse röhrenartige Öffungen vorhanden, durch die die Gestirne
zum Vorschein kämen. Daher entständen auch die Finsternisse,
wenn diese Luftlöcher verstopft würden. Auch die Zu- und Abnahme
des Mondes erfolge, je nachdem die Luftlöcher verstopft oder geöffnet
wären.
Aus: Aetius
Die Gestirne seien radfömige Verdichtungen von Luft, die von Feuer
erfüllt seien und an gewissen Stellen aus Öffnungen Flammen
aushauchten.
Zahllose Welten
Aus: Pseudoplutarch, Strommateis
2
(Anaximandros behauptet), daß sich aus dem Unendlichen die Himmel
ausgeschieden hätten und überhaupt sämtliche Welten, die
unendlich (an Zahl) seien.
Aus: Pseudoplutarch, Stromateis 2 (aus Theophrast)
Anaximandros erklärte, daß das Vergehen und viel früher
das Entstehen erfolge, indem sie (die Welten) alle seit unendlicher Zeit
periodisch wiederkehrten.
Von lebenden Wesen
Aus: Hippolytos
(Anaximandros lehrte), die Lebewesen seien aus dem Feuchten entstanden,
das unter der Einwirkung der Sonne verdunstete.
Aus: Aetius
(Anaximandros lehrte), im Feuchten wären die ersten Lebewesen entstanden,
die von stacheligen Rinden umgeben waren; im weiteren Verlauf seien sie
dann auf das Trockene ausgewandert und hätten, indem die Rinde von
ihnen abfiel, auf kurze Zeit ihre Lebensform geändert.
Anthropogonie
Aus: Pseudoplutarch, Stromateis
2 (aus Theophrast)
(Anaximandros behauptet), daß der Mensch ursprünglich aus andersartigen
Lebewesen entstanden sei, auf Grund der Erwägung, daß die anderen
Lebewesen alsbald durch sich selber ihren Unterhalt fänden, daß
dagegen allein der Mensch einer lange währenden Bemutterung bedürfe.
Daher würde er auch, wenn er von Anfang so gewesen wäre (wie
er jetzt ist), niemals am Leben geblieben sein.
Aus: Pseudoplutarch, Stromateis 2 (aus Theophrast)
(Anaximandros behauptet), daß der Mensch ursprünglich aus andersartigen
Lebewesen entstanden sei, auf Grund der Erwägung, daß die anderen
Lebewesen alsbald durch sich selber ihren Unterhalt fänden, daß
dagegen allein der Mensch einer lange währenden Bemutterung bedürfe.
Daher würde er auch, wenn er von Anfang so (d.h. als neugeborenes
Wesen) gewesen wäre (wie er jetzt ist), niemals am Leben geblieben
sein.
Aus: Plutarch ebenda:
Ursprünglich seien die Menschen im Leibe von Fischen zur Entwicklung
gekommen und ernährt worden, gerade wie die Haifische und erst, nachdem
sie die Fähigkeit erlangt hätten, sich selber zu helfen, seien
sie (aus den Fischen) herausgeschlüpft und ans Land gegangen. (Zur
denkwürdigen Deszendenztheorie des Anaximandros, der ältesten
in der Geschichte der Wissenschaft, die wir kennen, auf Grund deren man
ihn sogar als ersten "Darwinisten" bezeichnet hat.)
Von der Seele
Aus: Aetius
Anaximandros .... hat behauptet, daß die Natur (d.h. Substanz) der
Seele luftartig sei.
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