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Möglichkeiten der Erkenntnis
Urteile und Aussagen der Philosophie
1. Zum Wahrheitsbegriff in Aussagen
Es ist in der Philosophie wichtig, die erkenntnistheoretischen Grundlagen
von vornherein zu klären, sonst entstehen Fehlurteile. Das gilt auch
für sprachliche Gepflogenheiten. Logischer und umgangssprachlicher
Gebrauch von Aussagen unterscheiden sich oft erheblich.
Zwei Vorstellungen, Subjekt und Prädikat werden durch die Kopula
zueinander in Beziehung gesetzt, z.B. Schnee ist weiß. "Schnee"
ist das Subjekt, "weiß" das Prädikat und "ist"
die Kopula. Ist dieser Satz (Schnee ist weiss) richtig, dann wird ihm
Wahrheit zugeschrieben. Der logische Gebrauch dieser Begriffe deckt sich
nicht mit dem grammatikalischen Gebrauch. Logischer Gebrauch: Schnee =
Schnee; grammatikalischer Gebrauch: Schnee ist weiß. Das Wort (Kopula)
"ist" ist ein Hilfsverb. Es sagt nichts über die tatsächliche
Existenz (das Vorhandensein) des Schnees aus.
Die Aussage "Schnee ist weiss" stützt sich auf eine Erkenntnis,
die durch Erfahrung gewonnen wurde. Es gibt ausserdem Erkenntnisse durch
logische Ableitungen (Schema z.B. wenn A=B dann B=A).
2. Zum Erkenntnisbegriff einiger Denksysteme
Für den Dogmatismus ist Erkenntnis
kein Problem. Er setzt ein naives Vertrauen in die Erkenntnisfähigkeit:
Alles kann erkannt werden.
Der Skeptizismus bestreitet dies. Ein absoluter
Skeptizismus widerlegt sich selbst, denn mindestens soll ja seine Behauptung,
es gäbe keine Erkenntnis wahr sein, also eine Erkenntnis.
Dass Erkenntnis möglich ist, zeigt jedoch auch die Existenz der Wissenschaften.
Die Erkenntnistheorie frägt deshalb nicht danach, ob, sondern nur
wie Erkenntnis möglich ist. Dennoch besteht eine Berechtigung der
skeptischen Einwände: Die Sprache ist in ihren Begriffen vieldeutig,
unterliegt einem Bedeutungswandel und drückt sich bildhaft aus. Damit
hängen häufig Irrtümer in den Aussagen zusammen.
Skeptizismus darf nicht unbestimmt und absolut sein, sondern muss seine
gegen den Dogmatismus gerichteten Bedenken präzisieren. Dann wird
er zum Kritizismus, der
Ansprüche des Dogmatismus und Skeptizismus gegeneinander abgrenzt.
Richtig ist am Dogmatismus, daß der Erkenntnisfähigkeit Vertrauen
entgegengebracht werden kann. Zutreffend am Skeptizismus ist, daß
man sich über Gründe und Tragweite des Vertrauens Rechenschaft
ablegen muß. Kritizismus ist ein Gegengewicht gegen irrationale
Modeströmungen, die gegen den Intellekt zu Felde ziehen. Intuitive
Einfälle sind in der Regel dem diskursiven (Diskurs lat,: Erörterung)
Schliessen nicht überlegen. Auf jeden Fall muss über den Wahrheitswert
der Intuition (lat.: schlagartiges Erfassen des Erkenntnisgegenstandes)
reflektiert werden.
Hauptformen des Skeptizismus sind:
1. Der subjektive Relativismus.
Mit subjektiv ist gemeint, daß eine Erkenntnis nur für dieses
Subjekt, nicht aber für alle Objekte gelten muß. Ein allgemeiner
Relativismus (alles ist relativ) hebt sich selbst auf: kein Urteil hat
mehr objektive Geltung. Berechtigt am Relativismus ist hingegen, dass
beim Erkenntnisvorgang Organisation und Blickrichtung des erkennenden
Subjekts zu berücksichtigen sind.
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Dazu gehören
auch unsere Sinnesorgane, die bei jedem Menschen andere Eindrücke
aufnehmen und unser gesamter intellektueller Apparat, der die Eindrücke
auf seine besondere Weise verarbeitet.
Was zum Beispiel sehen Sie auf diesem Bild? Eine Vase? Zwei Menschen,
die sich frontal gegenüberstehen?
Bemerkenswert scheint mir übrigens, dass schwarz/weiss ohne
Abstufungen sehr viele optische Täuschungen produziert. Das
hängt wohl mit der Umsetzung von Bildern in unserem Gehirn
sehr eng zusammen.
Gilt das auch fürs Schwarz-weiss-Denken? (Dogmatisches
Denken ohne Farben und Zwischentöne)
Zurück zum Thema:
Außerdem gibt es einen Relativismus, der Aussagen über
die Verhältnisse (Relationen) von Gegenständen zueinander
macht.
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2. Der Pragmatismus,
eine Sonderform des Relativismus. Grundanschauung des Pragmatismus ist,
dass Erkenntnisse nur dann wahr zu nennen sind, wenn sie wirksam und lebensfördernd
sind und wenn sie dem praktischen Handeln dienen. Er kam aus den angelsächsischen
Ländern, hat aber schon in Goethe seinen Befürworter gefunden
("Was fruchtbar ist, allein ist wahr."). James, einer der ersten
Verkünder des Pragmatismus führt aus: "Als annehmbare Wahrheit
gilt dem Pragmatismus allein das, was uns am besten führt, was für
jeden Teil des Lebens am besten passt, was sich mit der Gesamtheit der
Erfahrungen am besten vereinbaren lässt. Für den Pragmatisten
gibt es ebensoviele Wahrheiten wie Lebewesen. Wissenschaftliche Theorien
sind ihm Werkzeuge für weitere Tätigkeit und nicht Antwort auf
seine Fragen nach der Wahrheit."
Auch damit wird natürlich jedes folgerichtige Denken aufgehoben,
denn "wahr" und "lebensfördernd" sind durchaus
verschieden interpretierbar. Der Pragmatismus formt sich zu einem biologischen
Evolutionismus: Wahrheit ist ein Ausleseergebnis der Menschheitsentwicklung.
Das Wort "wahr" erhält hier die Bedeutung von "nützlich",
wobei Nützlichkeit und sein Pendant die Schädlichkeit ebenso
verschieden interpretiert werden können. Manche Ergebnisse, z.B.
mathematische Formeln, können wahr sein, ohne dass ihnen die Begriffe
Nützlichkeit oder Schädlichkeit zugeordnet werden können.
Der euklidische Satz: "Die Winkelsumme des ebenen Dreiecks beträgt
zwei Rechte" ist nicht deswegen wahr, weil er sich beim Ausmessen
beliebig vieler Dreiecke bewährt. Vielmehr weil die Behauptung des
Satzes im Voraus (a priori) bewiesen werden kann, sind wir sicher, dass
sie bei jedem einzelnen Dreieck zutrifft.
3. Der Fiktionalismus (die Philosophie
des "Als-ob"). Er stimmt mit dem Pragmatismus
teilweise überein, denn auch er betrachtet Begriffe als zweckmäßige
Werkzeuge zur Beherrschung der Wirklichkeit. Fiktionen trifft man in der
Wissenschaft häufig an (das Vakuum, die kräftefreie Bewegung,
das ideale Gas). Jedoch können viele Grundbegriffe nicht fiktiv gedeutet
werden (Fiktionen in der Mathematik usw.). Geht man zur Ethik über,
wird der Fiktionalismus sehr problematisch, denn sittliches Handeln lässt
sich nicht auf Fiktionen gründen.
4. Der Ökonomismus.
Er deutet die Wahrheit als Anpassung an die Umgebung. Es gibt keine objektive
Wahrheit sondern nur zweckmäßigste Beschreibungen. Aus Gründen
der Kraft- und Zeitersparnis folge die Wissenschaft dem "Prinzip
der Ökonomie des Denkens". Hierzu ist zu sagen, daß die
Gültigkeit eines Urteils nicht von der Möglichkeit abhängig
ist, es bequem zu formulieren. Eine Folge der Wahrheitserkenntnis darf
nicht für diese selbst gehalten werden.
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