|
|
|
Was ist Philosophie?
Philosophie (griechisch: Liebe zur Weisheit) ist das Streben der menschlichen
Vernunft nach Wahrheit und „letzten Gründen“, insbesondere
auch das Fragen nach der Stellung des Menschen in der Welt. Daraus resultieren
die Einzelwissenschaften. Trotz jahrtausendelanger Bemühungen ist
es ihr nicht gelungen, sichere Erkenntnisse zu gewinnen. Mit der fortlaufenden
Verselbständigung der Einzelwissenschaften seit Beginn der Neuzeit
wurde die Definition der Philosophie als Universalwissenschaft problematischer.
Heute wird Philosophie oft mit Erkenntnis- bzw. Wissenschaftstheorie gleichgesetzt.
Sie soll die unbewiesenen, von den Einzelwissenschaften vorausgesetzten
Prinzipien und Bedingungen (Axiome) klären.
Der während der Evolution entstandene homo sapiens (wissender Mensch)
stellt natürlich auch die Frage nach Sinn, Ziel und Zweck seiner
Existenz. Diese Frage ist für den einzelnen Menschen bedeutend. Auch
hier versucht die Philosophie Antworten zu geben und sei es durch Ausschluss
von Fehlurteilen (Falsifizierung). Das "Auf-der-Suche-Sein"
des Menschen - zweifelsohne mit dem Verlust dogmatischer Sicherheit und
Gebogenheit einhergehend - ist Beweis genug für die Notwendigkeit
philosophischer Fragestellungen.
Sokrates verwendet im „Symposium“ das Wort "Philosophie"
als Liebe zur Weisheit, zum Wahren, Guten und Schönen.
Heute bezeichnet man als Philosophie jede theoretisch begründete
Anschauung vom Weltganzen, der Stellung des Menschen im Weltganzen, der
Werte, der Erkenntnis- und Handlungsmöglichkeiten des Menschen, sowie
seiner Rechte und Pflichten.
Im Alter äusserte Kant in einem Brief, es sei ihm sein Leben lang
um drei Fragen gegangen:
- Was können wir wissen? (Die Frage nach den Grenzen der Erkenntnisfähigkeit)
- Was sollen wir tun? (Die ethische Frage: Verhalten im eigenen Leben
und gegenüber Mitmensch und Gesellschaft)
- Was dürfen wir glauben? (Die Frage nach der Sinngebung und nach
höheren Mächten)
Mit was beschäftigen sich Philosophen?: Logik (Lehre von richtigen
Denken), Ethik (Lehre vom richtigen Handeln), Erkenntnistheorie (Grenzen
und Quellen der Erkenntnis), Ästethik (Lehre vom Schönen), Gesellschafts-,
Religions-, Staats-, Rechts-, Wirtschafts- und Naturphilosophie. Der Philosoph
versucht, die aus der fachbezogenen Arbeit der Einzelwissenschaften in
ein fachübergreifendes System, einen Wissenszusammenhang oder eine
Weltanschauung einzuordnen. Auch die Religion erhebt den Anspruch eine
zusammenhängende Weltsicht zu vermitteln und spricht dabei das Gefühl
an. Anders die Philosophie: Sie benutzt dazu die Vernunft, den Verstand.
Pablo Cruz bemerkt hierzu: "Philosophie ist der Versuch, eine schwarze
Katze in einem dunklen Zimmer zu fangen. Theologie ist der Versuch,
eine schwarze Katze in einem dunklen Zimmer zu fangen, jedoch eine Katze,
die gar nicht
im
Zimmer
ist - und immer zu rufen: Ich hab` sie!"
Der Begriff "abendländische Philosophie" bezeichnet die
Philosophie Europas und der Kulturkreise der westlichen Welt. Das Abendland
(Okzident, von lat.: sol occidens: untergehende Sonne, Westen) steht
dem
Morgenland (Orient, lat.: sol oriens: aufgehende Sonne, Osten,
Morgen) gegenüber. Beide stellen auf ihre Weise die Fragen nach dem
Grund, dem Ursprung und dem Sinn allen Seins. Die Geschichte der abendländischen
Philosophie hat ihren Anfang in der griechischen Antike. Platon und Aristoteles
staunen darüber, dass wir leben, dass überhaupt etwas "ist"
und dass nicht vielmehr "nichts" ist. Dies löst die Frage
aus warum etwas ist, was hinter all den Erscheinungen wirkt und warum
wir leben, zweifeln, glauben und sterben.
Der Züricher Schriftsteller
und Literaturwissenschaftler Robert Faesi (1883 - 1972) schreibt folgendes
treffende Gedicht über die Entwicklung vom naiven Denken zum philosophischen
Staunen:
Mein
Kind, du bist schon furchtbar alt,
Die Welt ist längst dein Aufenthalt.
Vor sieben Jahren gänzlich fremd
Ist sie vertraut dir wie dein Hemd.
Es kommt dir schon natürlich vor,
Dass du zur Decke wächst empor,
und dass das Wasser abwärts rinnt,
und dass die Spinne Fäden spinnt,
Und dass der Würfel eckig sei,
Und eins und eins gerade zwei.
Dies alles scheint dir selbstverständlich;
Doch lerne mehr, - so lernst du endlich,
Dass alles dieses ganz und gar
Erstaunlich ist und wunderbar,
Und wunderbarer nichts als just,
Dass du dir dieser Welt bewusst.
Und sie - vertraut dir wie dein Hemd
Wird dir ganz sachte wieder fremd;
Mit siebzig kommst du alter Tor,
Dir drin als grüner Neuling vor.
|