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Wolfram von Eschenbach
Der helden minne ir klage
du sunge ie gên dem tage,
Daz sûre nâch dem süezen.
swer minne und wîplîch grüezen
alsô enpfienc,
daz si sich muosen scheiden, -
swaz dû dô riete in beiden,
dô ûf gienc
Der morgensterne, wahtaere, swîc,
dâ von niht (.....) sinc.
Swer pfliget oder ie gepflac,
daz er bî lieben wîben lac,
Den merkaeren unverborgen,
der darf niht durch den morgen
dannen streben.
er mac des tages erbeiten.
man darf in niht ûz leiten
ûf sîn leben.
Ein offeniu süeze wirtes wîp
kan sölhe minne geben.
Neuhochdeutsch:
Der heimlichen Liebe / sangst du immer bei Tagesanbruch,
was sie klagen
ließ, / Bitteres folgte auf Süßes. / Wenn jemand Liebe und Zärtlichkeit
der
Geliebten nur unter der Bedingung / empfangen konnte, / daß sie sich wieder
trennen mußten, / was immer du einem solchen Liebespaar geraten hast,
/
als der Morgenstern aufging, / schweig, Wächter, / singe nicht länger
davon.
Wer es so hält oder je gehalten hat, / daß er bei einer geliebten Frau
lag, /
ohne sich vor den Aufpassern zu verstecken, / der braucht sich nicht am
frühen Morgen / davonzustehlen. / Er kann den Tag in Ruhe erwarten. /
Man
braucht ihn nicht fortzubringen, / um sein Leben zu retten. / Solche Liebe
kann eine / rechtmäßige zärtliche Ehefrau schenken.
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