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Walther von der Vogelweide
Lange swigen des hat ich gedaht,
nu wil ich singen aber als e.
Dar zuo hant mich guote liute braht,
die mugen mir wol gebieten me.
Ich sol singen unde sagen,
und swes si gern, daz sol ich tuon: so soln si minen kumber klagen.
Hoeret wunder, wie mir ist geschehen
von mines selbes arebeit.
Mich enwil ein wip niht an gesehen,
die braht ich in die werdekeit,
daz ir muot so hohe stat.
jon weiz si niht, wenn ich min singen laze, daz ir lop zergat.
Herre, waz si flüeche liden sol,
swenn ich nu laze minen sanc!
Alle die nu lobent, daz weiz ich wol,
die scheltent dann ân minen danc.
Tusent herze wurden fro
von ir genaden: dius engeltent, lat si mich verderben so.
Do mich duhte daz si waere guot
wer was ir bezzer do dann ich?
Dest ein ende: swaz si mir getuot,
des mac ouch si verwaenen sich:
Nimet si mich von dirre not,
ir leben hat mines lebennes ere: stirb ab ich, so ist si tot.
Sol ich in ir dienste werden alt,
die wile junget si niht vil.
Sost min har vil lihte also gestalt,
dazs einen jungen danne wil.
Selfiu got, her junger man,
so rechet mich und get ir alten hut mit sumerlaten an.
Neuhocheutsch:
Lange zu schweigen, hatte ich vor,
nun will ich [aber] singen wie einst.
Dazu haben mich edle Menschen gebracht,
die können mir noch mehr gebieten.
Ich werde singen und dichten,
und was sie begehren, das werde ich tun: so sollen sie mein Leid beklagen.
Hört, wie es mir wunderlich ergangen ist
durch mein eigenes Bemühen.
Mich will eine Frau nicht [mehr] anschauen,
der ich (so) zu Ansehen verholfen habe,
daß sie nun hohen Sinnes ist.
Wahrlich, sie weiß nicht, daß wenn ich mein Singen bleiben lasse, ihr
Ruhm vergeht.
Herr, was wird sie an Verwünschungen erleiden,
wenn ich nun mein Singen bleiben lasse!
Alle, die jetzt rühmen, das weiß ich genau,
die tadeln dann, ohne meine Schuld.
Tausend Herzen wurden froh
durch ihre Gnädigkeit: die werden's büßen, läßt sie mich so zu Grunde
gehen.
Als mir schien, sie sei gut,
wer war ihr da mehr zugetan als ich?
dessen kann auch sie sich gewärtig sein:
Befreit sie mich von dieser Qual,
hat ihr Leben das Ansehen meines Lebens:
sterbe ich aber, so ist sie tot.
Soll ich in ihrem Dienst alt werden,
so wird auch sie inzwischen nicht viel jünger.
So ist mein Haar [dann] vielleicht von der Art,
daß sie dann einen Jüngeren will.
Gott mit Euch, Herr junger Mann,
dann rächt mich und geht an ihre alte Haut mit grünen Gerten.
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