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Ulrich von Lichtenstein Ein schoeniu maget Eine hübsche Dienerin / sagte: ›Meine liebste Herrin, / steht auf, es wird Tag. / Schaut zum kleinen Fenster hinüber und seht, / wie der Tag anbricht. Der Wächter hat die Zinne / bereits verlassen. Euer Geliebter muß fort von hier: / Ich fürchte, er ist schon zu lange hier.‹ Die schöne Dame / seufzte und küßte ihren Geliebten. / Der edle Mann / sagte: »Liebe, schöne Herrin, / es ist schon heller Tag. Ich kann nicht mehr von hier fort. / Kannst du mich hier drinnen irgendwo verstecken? / Das ist mein Vorschlag und zugleich mein Wunsch.« ›Wenn ich dich / in meinen Augen verbergen könnte, / Liebster, würde ich sogar das tun. / Doch geht das leider nicht. / Wenn du hier in diesem Zimmer bleiben / und diesen Tag vergnügt verbringen willst, / so kann ich dich leicht darin verstecken.‹ »Verstecke mich, / wie immer du willst, wunderschöne Frau, / doch so, daß ich nicht mein Leben verliere, / ohne mich wehren zu können. / Wenn mich jemand entdeckt, so mußt du mich warnen. / Wenn ich mich verteidigen muß, wird es denjenigen, / der mich zum Kampf herausfordert, das Leben kosten.« So wurde / der tapfere, edle Mann eingeschlossen / und von der / liebreizenden schönen Frau sorgsam versteckt. / Wie kümmerte sich die zärtliche Schöne den Tag lang um ihn? / So, daß er überschwengliche Freude empfand. / Noch nie war ihm ein Tag so schnell vergangen. Dann kam die Nacht. / Sogleich begann das Liebesspiel. / Sie liebten sich / auf diese und jene Weise. / Ich glaube, keiner Frau erging es je besser mit ihrem Geliebten / als ihr. Ach, dann mußte er jedoch fort. / Deshalb begann ein schmerzliches Klagen. Mit Küssen nahmen sie daraufhin / Abschied. / Ihr süßer
roter Mund bat ihn, / bald wiederzukommen. / Er sagte: »Das werde ich
tun. Du bist mein höchstes Glück, / die leuchtende Maisonne meines Herzens,
/ der Ursprung meiner Freuden, der Bürge meiner Glückseligkeit.« |