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Spee von Langenfeld
Friedrich
Ein kurtz Poëtisch Christ-Gedicht,
vom Ochß, und Eselein bey der Krippen.
I.
Der Wind auff lären strassen
Streckt auß die flügel sein:
Streicht hin gar scharpff ohn massen /
Zur Bethlems krippen ein;
Er brummlet hin / und wider
Der fliegend winter-bott /
Greifft an die gleich / und glieder
Dem frisch vermenschten Gott.
II.
Ach / ach / laß ab von brausen /
Laß ab / du schnöder wind:
Laß ab von kaltem sausen /
Und schon dem schönen kind.
Vielmehr du dein Schwingen
Zerschlag im wilden Meer /
Alda dich satt magst ringen
Kehr nur nit wider her.
III.
Mit dir nun muß ich kosen /
Mit dir / O Joseph mein /
Daß futter misch mit rosen
Dem Ochß / und Eselein /
Mach deinen frommen Thieren
So lieblichs misch-gemüß /
Bald / bald / ohn zeit verlieren /
Mach ihn den athem süß.
IV.
Drauff blaset her / ihr beyden /
Mit süssem Rosen-wind;
Ochß / Esel wol bescheiden /
Und wärmets nacket kind.
Ach blaset her / und hauchet /
Ahà / ahà / ahà.
Fort / fort / euch weidlich brauchet /
Ahà / ahà / ahà.
Auf neuhochdeutsch:
Ein kurz poetisch Christgedicht vom
Ochs und Eselein bei der Krippen
Der Wind auf leeren Straßen
Streckt aus die Flügel sein,
Streicht hin gar scharf ohn' Maßen
Zur Bethlems Krippen ein;
Er brummlet hin und wieder,
Der fliegend Winterbot,
Greift an die Gleich* und Glieder
Dem frisch vermenschten Gott.
Ach, ach, laß ab von Brausen,
Laß ab, du schnöder Wind,
Laß ab von kaltem Sausen
Und schon dem schönen Kind!
Vielmehr du deine Schwingen
Zerschlag im wilden Meer,
Allda dich satt magst ringen,
Kehr nur nit wieder her!
Mit dir nun muß ich kosen,
Mit dir, o Joseph mein,
Das Futter misch mit Rosen
Dem Ochs und Eselein,
Mach deinen frommen Tieren
So lieblichs Mischgemüs,
Bald, bald, ohn Zeitverlieren
Mach ihn' den Atem süß!
Drauf blaset her, ihr beiden,
Mit süßem Rosenwind,
Ochs, Esel wohl bescheiden,
Und wärmet's nacket Kind.
Ach, blaset her und hauchet,
Aha, aha, aha.
Fort, fort, euch weidlich brauchet,
Aha, aha, aha.
*) Gleich bedeutet Leib oder Körper
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