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Rückert Friedrich

Wenn durch die Lüfte wirbelnd treibt der Schnee
Und lauten Fußtritts durch die Flur der Frost
Einhergeht auf der Spiegelbahn von Eis,
Dann ist es schön, geschirmt vorm Wintersturm
Und, unvertrieben von der holden Glut
Des eignen Herds, zu sitzen still daheim.

O dürft ich sitzen jetzt bei der daheim,
Die nicht zu meiden braucht den reinen Schnee,
Die mit der sonn'gen Augen sanfter Glut
Selbst Funken weiß zu locken aus dem Frost!
Beschwören sollte sie in mir den Sturm
Und tauen sollte meines Busens Eis!

Erst muß am Blick des Frühlinges das Eis
Des Winters schmelzen, und nach Norden heim,
Verscheucht vom Lenzhauch, ziehn der laute Sturm,
Eh' ich darf ziehn dorthin, wo ich den Schnee
Der Hand will küssen, den, weil Winterfrost
Ihn nicht erschuf, nicht tötet Sommerglut.

Die Sehnsucht brennt in mir wie Sommerglut
Aufzehrend innerlich, wie mürbes Eis,
Mein Herz, inmitten von des Winters Frost;
Und rastlos stäuben die Gedanken heim
Nach ihrem Ziel, sich kreuzend wie der Schnee,
Den flockend durcheinander treibt der Sturm.

O daß mich fassend zu ihr trüg ein Sturm,
Damit gestillet würde meine Glut!
Und dürft' ich als ein Flöckchen auch von Schnee
Nur oder als ein Nädelchen von Eis
Das Dach berühren, wo sie ist daheim,
Nicht fühlen wollt' ich da des Winters Frost.

Wer fühlet, wo der Frühling tauet, Frost?
Wen schrecket, wo die Liebe sonnet, Sturm?
Wer kennet Ungemach, wo sie daheim?
Sie, die mir zuhaucht sanfte Lebensglut
So fern herüber manch Gefild von Eis
Und manch Gebirg, bedeckt vom rauhen Schnee.

Mit Blütenschnee schmückt sich der kahle Frost,
Das Eis wird Lichtkristall und Wohllaut Sturm,
Wo ich voll Glut zu dir mich denke heim.