literatur pinselpark    


  Home
Zum Autor
Sitemap/Inhalt
Vorherige Seite
   
  Suche /Wörterbuch
Forum
Mail
Seite weiterempfehlen

Drucken
Disclaimer
Wichtige Downloads

 

Rist Johannes

Ernstliche Betrachtung / Der unendlichen Ewigkeit.

1.
O Ewigkeit du Donner Wort /
O Schwerdt das durch die Seele bohrt /
   O Anfang sonder Ende /
O Ewigkeit Zeit ohne Zeit /
Ich weis für grosser Traurigkeit /
   nicht wo ich hin mich wende /
Mein gantz erschrocknes Hertz erbebt /
daß mir die Zung am Gaumen klebt.

2.
Kein Unglück ist in aller Welt
Daß endlich mit der Zeit nicht fält
   Und gantz wird auffgehoben;
Die Ewigkeit hat nur kein Ziel
Sie treibet fort und fort ihr Spiel
   Läst nimmer ab zu toben /
Ja / wie mein Heyland selber spricht /
Aus ihr ist kein Erlösung nicht.

3.
O Ewigkeit du machst mir bang' /
O Ewig / Ewig ist zu lang' /
   Hie gilt fürwar kein Schertzen:
Drumb / wenn ich diese lange Nacht
Zusampt der grossen Pein betracht' /
   Erschreck ich recht von Hertzen /
Nichts ist zu finden weit und breit
So schrecklich als die Ewigkeit.

4.
Was acht' ich Wasser / Feur und Schwerdt /
Diß alles ist kaum nennens werth
   Es kan nicht lange dauren:
Was wär' es / wenn gleich ein Tyrann /
Der funfftzig Jahr kaum leben kan
   Mich endlich ließ vermauren?
Gefängniß / Marter Angst und Pein
Die können ja nicht ewig seyn.

5.
Wenn der Verdampten grosse Quaal
So manches Jahr alß an der Zahl
   Hie Menschen sich ernehren /
Als manchen Stern der Himmel hegt /
Als manches Laub die Erde trägt
   Noch endlich solte wären /
So wäre doch der Pein zu letzt.
Ihr recht bestimptes Ziel gesetzt.

6.
Nun aber / wenn du die Gefahr
Viel hundert tausend tausend Jahr
   Hast kläglich außgestanden /
Und von den Teuffeln solcher frist
Gantz grausamlich gemartert bist /
   Ist doch kein Schluß vorhanden /
Die Zeit / so niemand zehlen kan /
Die fänget stets von neuen an.

7.
Ligt einer kranck und ruhet gleich
Im Bette / das von Golde reich
   Ist Königlich gezieret /
So hasset er doch solchen Pracht
Auch so / daß er die gantze Nacht
   Ein kläglichs Leben führet /
Er zehlet aller Glocken Schlag
Und seufftzet nach dem lieben Tag'.

8.
Ach was ist das? Der Höllen Pein
Wird nicht wie Leibes Kranckheit seyn
   Und mit der Zeit sich enden /
Es wird sich der Verdampten Schaar
Im Feur und Schwefel immerdar
   Mit Zorn und Grimm' umbwenden /
Und diß ihr unbegreifflichs Leid
Sol wären biß in Ewigkeit.

9.
Ach Gott wie bistu so gerecht /
Wie straffstu einen bösen Knecht /
   So hart im Pful der Schmertzen?
Auff kurtze Sünden dieser Welt
Hastu so lange Pein bestellt /
   Ach nimb diß wol zu Hertzen /
Betracht es offt O Menschen-Kind /
Kurtz ist die Zeit / der Todt geschwind.

10.
Ach fliehe doch des Teuffels Strick /
Die Wollust kan ein Augenblick
   Und länger nicht ergetzen /
Dafür wilt du dein' arme Seel'
Hernachmahls in des Teuffels Höll'
   O Mensch zu Pfande setzen!
Ja schöner Tausch / ja wol gewagt
Daß bey den Teuffeln wird beklagt?

11.
So lang' ein Gott im Himmel lebt
Und über alle Wolcken schwebt
   Wird solche Marter währen /
Es wird sie plagen Kält' und Hitz'
Angst / Hunger / Schrecken / Feur und Blitz
   Und sie doch nie verzehren /
Denn wird sich enden diese Pein /
Wenn Gott nicht mehr wird Ewig seyn.

12.
Die Marter bleibet immerdar
Gleich wie sie erst beschaffen war
   Sie kan sich nicht vermindern /
Es ist ein' Arbeit sonder Ruh'
Und nimpt an tausend Seufftzen zu
   Bey allen Satans Kindern /
O Sünder deine Missethat
Empfindet weder Trost noch Raht!

13.
Wach auff O Mensch vom Sünden-schlaff'
Ermuntre dich verlohrnes Schaf
   Und bessre bald dein Leben /
Wach auff es ist doch hohe Zeit /
Es kompt heran die Ewigkeit
   Dir deinen Lohn zu geben /
Vielleicht ist heut der letzter Tag.
Wer weis noch wie man sterben mag!

14.
Ach laß die Wollust dieser Welt /
Pracht / Hoffart / Reichthumb / Ehr' und Geld
   Dir länger nicht gebieten /
Schau' an die grosse Sicherheit /
Die falsche Welt und böse Zeit
   Zusampt des Teuffels wühten /
Vor allen Dingen hab in acht
Die vorerwehnte lange Nacht.

15.
O du verfluchtes Menschen-Kind
Von Sinnen toll / von Hertzen blind
   Laß ab die Welt zu lieben /
Ach / ach / sol denn der Hellen Pein /
Da mehr denn tausend Hencker seyn
   Ohn' Ende dich betrüben.
Wo ist ein so beredter Mann
Der dieses Werck außsprechen kan?

16.
O Ewigkeit du Donner-Wort /
O Schwert das durch die Seele bohrt
   O Anfang sonder Ende!
O Ewigkeit Zeit ohne Zeit!
Ich weis für grosser Traurigkeit
   Nicht / wo ich mich hinwende /
Nimb du mich wenn es dir gefält
HErr Jesu in dein Freuden-Zelt.