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Oswald von Wolkenstein
Fröleich so wil ich aber singen
der edlen frauen suess.
»Hainz, Hainreich, erst wirt mir wolgelingen,
seit du mir haltst deinen gruess.«
Ja frau, und wär das nicht eur spot?
»Sim nain es, Hainreich, sammer got.«
We heut, wol e. solt ich eur huld erwerben,
darumb lit ich den tod.
»Ist dir so we, dannoch soltu nicht sterben
und leiden grosse not.«
Mich freut eur leib darzue die guldin spangen
vor an den ermeln zart.
»Ich pin ain weib mit gürtel umbevangen
von adeleicher art.«
Ir secht recht sam ain volkenkel.
»Nu kan ich doch nicht fliegen snel.«
Vergieng das pau, ich verwäg mich zwaier oxen,
und wurd mir neur ain smutz.
»Was spräch dein sau, mein Hainzel Ungeloxen,
und prächstu disen trutz?«
Eur valbes har darzue die weissen hende
mir geben hohen muet.
»Du laichst mich zwar, des wett ich umb dein zende,
deucht es dich wesen guet.«
Mit meinen zenden fräss ich wol drei.
»Sim, wänstu, Hainzel Trittenprei?«
Mich näm unnider, oder ich sprung in ain wosser
von zorn in ainer gäch.
»Kämstu herwider dann für mich also nasser,
wie geren ich das säch.«
Ir edle mait, mich dunkt, ir welt mein spotten.
neur wurd ich schier so frais.
»Zwar unversait ist dir ain dicker schotten
von meiner roten gaiss.«
Sim topfen hab ich ott selber gnueg.
»Dank hab, ain Hainzel Richtdenpflueg.«
Ich wil es klagen ott meiner lieben mueter,
das ir mich also smächt.
»Ge, smirb dein wagen und drisch den rossen fueter
als ander dein geslächt!«
Übersetzung:
Fröhlich will ich wieder singen / ein süßes Lied zu Ehren der edlen Dame.
/ »Heinz,
Heinrich, jetzt erst werde ich Glück haben, / da du mir deine Aufwartung
machst.« / O
Herrin, und sagt Ihr das wirklich nicht im Spott? / »Aber nein doch, Heinrich,
bei Gott
nicht.« / Gestern wohl, heut weh. Sollte ich Eure Gnade gewinnen, / ich
gäbe mein
Leben dafür. / »Wenn dir so weh ist, du wirst doch nicht gar sterben /
und große Not
erleiden?«
Mich freut Euer Leib und die goldenen Spangen / an Euren zarten Handgelenken.
/ »Ich bin eine Frau von adliger Herkunft / und bin mit einem Gürtel geschmückt.«
/ Ihr schaut grad wie eine Falkenkehle aus. / »Aber ich kann doch nicht
schnell fliegen.« / Und wenn die Ernte draufginge, ich setzte zwei Ochsen
aufs Spiel, / wenn ich nur einen Kuß kriegte. / »Was würde da deine Sau
sagen, mein Heinzel Ungeschlacht, / wenn du so hartnäckig wärst?«
Euer blondes Haar und auch die weißen Hände / machen mich hochgemut.
/ »Du foppst mich, da wette ich um deine Zähne, / wenn dir das gefällt.«
/ Meine Zähne sind gut, mit denen fräße ich wohl drei. / »Hm, glaubst
du, Heinzel Tritt-in-Brei?« / Manche hochgestellte Dame nähme mich, oder
wenn nicht, / so spränge ich vor Zorn gleich rasch ins Wasser. / »Kämst
du dann so begossen wieder vor mich, / wie gern sähe ich das!«
Ihr edle Jungfrau, ich glaube, Ihr spottet meiner. / Da würde ich aber
gleich ganz wild. / »Nicht abschlagen will ich dir einen dicken Quark
/ von meiner roten Geiß.« / Ach, Topfen habe ich ja selber genug. / »Ich
dank dir, du Heinzel Richt-den-Pflug.« / Ich will es meiner lieben Mutter
sagen, / daß Ihr mich so verspottet. / »Geh, schmier deinen Wagen, drisch
Futter für die Rösser / wie andre deinesgleichen.«
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