Neithart von Reuenthal
Sumer, dîner süezen weter müezen wir uns ânen:
dirre kalde winder trûren unde senen gît.
ich bin ungetroestet von der lieben wolgetânen:
wie sol ich vertrîben dise lange swaere zît
diu die heide velwet unde mange bluomen wolgetân?
alsô sint die vogele in dem walde des betwungen daz si ir singen müezen
lân.
Neuhochdeutsch:
Sommer, auf dein schönes Wetter müssen wir jetzt verzichten.
Dieser
kalte Winter bringt uns nur Kummer und Schmerz.
(Denn) ich erfahre
keinen
Trost von der lieben Schönen:
Wie soll ich diese lange und schwere
Zeit vertreiben
welche die Heide und manche Blumen
welk macht?
Daher sind die Vögel im Wald dazu gezwungen, daß sie ihr
Singen sein lassen müssen.
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