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Neithard von Reuental

Bluomen und daz grüene gras
Mittelhochdeutsche Version

Bluomen und daz grüene gras
beidiu sint verswunden
nu treit uns aber diu linde vür die sunne nindert schat;
ê, dô sî geloubet was,
dô hiet man dâ vunden
vil maneger hande vreuden: dâne gêt nu nindert phat,
dâ wir dô
ie sô vrô
bî ein ander wâren.
diu vreude het ein ende, dô diu zît begunde swâren;
des trûret manic herze, des gemüete stuont ê hô.

Rôsen ist diu heide blôz
von des rîfen twange.
diu vogelîn in dem walde habent nindert obedach.
winder, din unstaetic lôz
twinget uns ze lange
von dir und einem wîbe lîde ich leider ungemach,
der ich gar
mîniu jâr
hân gedienet lange
von herzen williclîchen, eteswenne mit gesange.
des ist mir niht gelônet noch, wie kleine ist umbe ein hâr.

Man sol willetôre sîn
aller guoten wîbe,
und in ir willen hengen, der ir hulde welle haben:
daz ist der geloube mîn,
swie sô mir mîn schîbe
ze wunsche niht enloufe ich waene, ich werde alsô begraben
dazs ir muot
mir ze guot
gein mir iht verkêre.
diu schult diu lît ûf Watken unde ûf jenem Ôtegêre,
daz sî nu alsô dicke mir sô toubez ôre tuot.

Geuden giengen sî gelîch
hiwer an einem tanze:
dâ muosten drîe vor im gîgen, und der vierde pheif.
sîner vreuden was er rîch
under sinem kranze.
er nam im, da diu schoene gie, vil manegen umbesweif
Erkenvrit
allez mit
vaste an sînem diehe;
er wunschte, daz er mir an ir daz helmel vor geziehe.
er hât den vuoz verlenket hiwer an einem geilen trit.

Dienest âne saelikeit
niemen kan volenden.
ich hân ez rehte ervunden: kleiner lôn ist mir beschert.
mîn verloren arebeit
wil mich dicke phenden
an vreuden: ungelücke maneger saelden mich behert.
ich verzage,
daz mîn klage
niht ir herze entsliuzet
und daz er gegen ir in rûnewarten bölzel schiuzet,
sich güffent, daz er mich ze jungist von ir dienste jage.

Swer versmachet mînen sanc
und sîn spottelachet,
wol singen unde rûnen habent ungelîchen lôn
ê, do'r in diu ôren klanc,
was er ungeswachet.
nu klinget er ûf zwîvel, niene ûf rehten lobes dôn.
minne riet,
daz ich liet
nach ir hulden sunge.
daz tet ich unde wânt des niht, daz mir dâ misselunge
nu laet mir niht gelingen ein vil hiuziu dörperdiet.


Neuhochdeutsch:
Die Blumen und auch das grüne Gras sind verschwunden. Nun spendet die Linde uns keinen Schatten mehr gegen die Sonne. Früher, als sie belaubt war, hätte man unter ihr finden können vielfältige Freuden. Da geht nun kein Pfad mehr, wo wir einst stets so froh beieinander waren. Das Glück hatte ein Ende, als die Jahreszeit trübe wurde. Darüber trauern viele Herzen, die zuvor frohgestimmt waren.

Von Rosen entblößt ist die Heide wegen des grimmigen Reifs. Die Vöglein im Wald haben kein Obdach mehr. Winter, was du treulos geboten hast, plagt uns zu lange. Ungemach erdulde ich leider wegen dir und einer Frau, der ich mein ganzes Leben lang gedient habe aus bereitwilligem Herzen, dann und wann auch mit Liedern. Dafür erhielt ich noch nicht den geringsten Lohn.

Man muss sich freiwillig als Tor allen verehrenswerten Frauen hergeben und ihnen ganz zu Willen sein, will man ihre Gunst erringen. Daran glaube und halte ich mich, obwohl sich für mich das Glücksrad nicht nach Wunsche dreht. Ich fürchte, ich werde noch begraben, ohne dass sie ihre Gesinnung mir gegenüber zu meinem Glück ändert. Die Schuld tragen Watke und jener Oteger, dass sie jetzt so oft nur taube Ohren für mich hat.

Wie zum Angeben schritten sie neulich bei einem Tanze einher. Da mussten drei vor ihm geigen, während ein vierter die Flöte blies. Mächtig viel Vergnügen hatte er unter seinem Kranz. Wo die Schöne ging, strich er unablässig herum. Erkenfried ständig dabei, dicht auf seinen Fersen. Er wünschte, er könne mich den kürzeren bei ihr ziehen lassen. Den Fuß hat er sich heuer bei einem ausgelassenen Gehopse verrenkt.

Minnedienst ohne Beglückung kann niemand auf die Dauer leisten. Ich habe das wirklich erfahren: geringer Lohn ist mir zuteil geworden. Mein vergebliches Bemühen will mir oft die Freude rauben. Der Misserfolg bringt mich um viele Seligkeiten. Ich fürchte, dass meine Klage ihr Herz nicht mehr öffnet und dass er sie beim heimlichen Tuscheln mit Liebespfeilen beschießt und sich dabei brüstet, er werde zuletzt mich aus ihrem Dienst verjagen.

Wenn jemand meinen Gesang verschmäht und über ihn spottisch lacht, dem sage ich: kunstvolles Singen und heimliches Liebesgeflüster erhalten ungleichen Lohn. Früher, als er noch Gehör fand, war er nicht verächtlich. Jetzt erklingt er unsicher, nicht mehr im Ton des rechten Preisliedes. Die Minne riet mir, Lieder um ihre Huld zu singen. Das hab ich getan, ohne aber zu erwarten, dass mir der Erfolg versagt bliebe. Mein Glück verwehrt mir nun ein freches Bauerngesindel..