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Mörike Eduard 1804-1875 Geboren am 08.09.1804 in Ludwigsburg, gestorben am 04.06.1875 Stuttgart. Er besuchte das evangelisch-theologische Seminar
in Urach und studierte 1822-26 Theologie im Tübinger Stift. Zu
seinen Studienkollegen und Freunden gehörten Friedrich Theodor
Vischer, David Friedrich Strauß und der Dichter Wilhelm Waiblinger
(1804-1830). Zusammen mit Ludwig Amandus Bauer (1803-1846) erfand M.
den Mythos von
der Insel Orplid und ihrer Göttin Weyla, den beide später mehrfach
literarisch verarbeiteten. In Tübingen erlebte M. eine problematische
Liebesbeziehung zu Maria Meyer; sie gilt als das Vorbild der Elisabeth
in dem Roman »Maler Nolten« und der »Peregrina«
in M.s gleichnamigem Gedichtzyklus. Nach dem Studium bekleidete M. Stellen
als Vikar und Pfarrverweser in mehreren Orten Schwabens. Während
einer einjährigen Beurlaubung vom Kirchendienst bemühte er
sich vergeblich um eine Anstellung außerhalb der Kirche. 1832
erschien
»Maler Nolten«, 1834 die Erzählung »Miß Jenny
Harrowers« (in späteren Fassungen »Lucie Gelmeroth«).
1834 wurde M. Pfarrer in Cleversulzbach, wo er mit seiner Mutter und
seiner
Schwester lebte. M. versah den Pfarrdienst ungern und infolge psychischer
und physischer Schwäche unzulänglich. Neben dem Pfarrdienst
setzte er seine literarische Tätigkeit fort: 1836 erschien die
Novelle
»Der Schatz«, 1838 die erste Auflage gesammelter Gedichte,
1839 unter dem Titel »Iris« eine Sammlung erzählender
und dramatischer Stücke, und 1840 edierte M. eine Ausgabe deutscher
Übersetzungen griechischer und lateinischer Lyrik. 1843 versetzte
ihn die Kirchenleitung aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand.
M. zog nach Mergentheim. 1851 heiratete er Margarethe von Speeth und übersiedelte
mit ihr nach Stuttgart, wo er an einer Mädchenschule Literatur
lehrte. 1853 veröffentlichte M. das Märchen »Das
Stuttgarter Hutzelmännchen«,
1855 die Erzählung »Mozart auf der Reise nach Prag« und
Theokrit-Übersetzungen, 1864 Anakreon-Übersetzungen. Eine
Neufassung des »Maler Nolten« blieb unvollendet. Trotz
Anerkennung und Ehrungen verliefen M.s letzte Lebensjahre unruhig und
unglücklich.
Er wechselte mehrfach den Wohnort, litt unter Krankheiten und Depressionen
und lebte bis kurz vor seinem Tode von seiner Frau getrennt. - M.s
nicht
umfangreiches Werk ist gegensätzlich beurteilt worden. Im Hinblick
auf das Vorherrschen kleiner Formen und die häufige Wahl von Stoffen
aus dem begrenzten Bereich alltäglicher Erfahrung im häuslichen,
dörflichen oder vorindustriell-kleinstädtischen Milieu und
in Anbetracht einer Reihe humoristischer Gedichte wurde M. als Vertreter
eines literarischen Biedermeier aufgefaßt. In diesem Urteil drückt
sich auch die Verlegenheit aus, M.s literaturgeschichtlichen Standort
zwischen den Epochen der Romantik und des Realismus und gegenüber
Zeitgenossen wie Heinrich Heine und Georg Büchner zu bestimmen.
Tatsächlich
hat M.s Dichtung mit liebenswürdiger Idyllik oft nichts zu tun,
weder der - allerdings wohl unbewältigte - Roman noch etwa M.s
bekannteste Erzählung »Mozart auf der Reise nach Prag«,
die vom Thema Tod durchzogen ist. M.s poetisches Werk umfaßt Liebeslyrik
(häufig
aus der Sicht der Frau: »Erstes Liebeslied eines Mädchens«,
»Das verlassene Mägdelein«, »Ein Stündlein
wohl vor Tag«), Naturlyrik (»September-Morgen«, »Um
Mitternacht«) und Gedankenlyrik (»Denk es, o Seele!«),
Dinggedichte (»Auf eine Lampe«), Balladen (»Der »Feuerreiter«),
dem Volkslied und der Antike nachempfundene Formen (»Er ist's«,
»An eine Äolsharfe«) und geistliche Lieder (»Herr!
schicke, was du willt«). M.s Gedichte zeichnen sich durch die
präzise
Schilderung seelischer Zustände und eine eindringliche Metaphorik
aus. Ihre nuancierte Metrik und Melodik sind von suggestiver Wirkung.
M.s Lyrik diente als Textvorlage zu über fünfzig Klavierliedern
von Hugo Wolf und dem Mörike-Chorliederbuch von Hugo Distler. |