|
|
Livius
Ad urbe condita
liber II, 10
Horatius Cocles
Weil die Feinde da waren, zog sich jeder einzelne für sich selbst
von den Äckern in die Stadt zurück. Sie umgaben die Stadt selbst
mit Befestigungsanlagen. Das eine schien durch die Mauern, das andere
durch den vorgelagerten Tiber sicher. Der Pons Sublicius gab beinahe den
Feinden einen Weg, wenn nicht ein Mann gewesen wäre, Horatius Cocles.
Diesen Schutz hatte an jenem Tag das Schicksal der Stadt Rom. Dieser war
zufällig in der Bewachungsstation der Brücke aufgestellt, und
nachdem er gesehen hatte, dass der Ianiculus durch einen unerwarteten
Angriff eingenommen wurde, und dass die in Bewegung gesetzten Feinde von
da herablaufen, und dass die zitternde Schar der Seinen die Waffen und
Reihen zurücklassen, hält er einzelne zurück und er leistete
Widerstand, und rief Götter und Menschen zum Zeugen du er beschwor
sie vergeblich dass sie fliehen nachdem sie die Befestigungsanlage verlassen
hatten. Wenn sie den Übergang über die Brücke im Rücken
gelassen hatten würden schon mehr Feinde auf dem Palatin und Kapitol
sein als auf dem Ianiculus. Daher ermahnte er, und er befahl, dass sie
die mit Waffen und mit Feuer und mit welcher Kraft auch immer sie konnten,
abbrechen: Er werde dem Angriff der Feinde standhalten, wie viel mit einem
Körper Widerstand geleistet werden kann. Hierauf ging er zum ersten
Zugang der Brücke, und stach zwischen den erblickten Rücken
der aus der Schlacht Weichenden hervor, nachdem sie im Handgemenge die
Waffen zugewandt hatten um den Kampf zu beginnen, und er versetzte die
Feinde durch das Wunder der Kühnheit selbst in Erstaunen. Die Scham
hielt dennoch zwei mit diesem, Spurius Larcius und Titus Herminius, beide
berühmt durch Abstammung und Taten. Mit diesen hielt er ein Weilchen
dem ersten Ansturm der Gefahr, was das ärgste Kampfgetümmel
war, stand. Hierauf zwang er auch diese selbst, die sie (pons) mit Herbeigerufenen
einrissen, nachdem nur ein winziger Teil der Brücke übrig war
ins Sichere zu ziehen. Hierauf lies er die grimmigen Augen bedrohlich
zu den Vornehmsten der Etrusker umherschweifen, bald forderte er einzelne
heraus, bald fuhr er alle an: Sie kämen als Sklaven der stolzen Könige
uneingedenk ihrer Freiheit um eine fremde (libertatem) zu bekämpfen
(Supinum auf -um). Eine Zeit lang zögerte sie, während einer
den Anderen beobachtete, damit sie den Krieg beginnen. Hierauf versetzte
die Scham die Schlachtreihe in Bewegung und nachdem sie das Geschrei erhoben
hatten warfen sie von allen Seiten die Geschosse auf diesen einen Feind.
Nachdem sie alle im entgegengehaltenen Langschild steckengeblieben waren
und als jener nicht weniger beharrlich mit ungeheurem Schritt die Brücke
innehielt, versuchten sie schon durch den Angriff den Mann wegzudrängen,
als gleichzeitig das Krachen der zerstörten Brücke, gleichzeitig
das Geschrei der Römer das durch den Eifer des vollendeten Werkes
erhoben wurde, unvermutet den Angriff durch den Schrecken abfing. Dann
sprach Cocles: "Oh Vater Tiber, du mögest die Waffen und diesen
Soldaten im gewogenen Fluss aufnehmen." Hierauf sprang er so bewaffnet
in den Tiber und schwamm unversehrt zu den Seinen obwohl von oben viele
Geschosse herabstürzten., er wagte die Sache, die bei den Nachkommenden
mehr für Gerücht als für Wahrheit gehalten wird. Die Bürgerschaft
war gegen die so große Tapferkeit dankbar. Eine Statue wurde auf
dem Comitium aufgestellt. Es wurde gegeben wie viel des Ackers er an einem
Tag umpflügte. Auch persönliche Bemühungen traten unter
den Ehrungen hervor. Denn in der großen Not für die heimischen
Truppen trug jeder einzelne irgendetwas für diesen zusammen, und
brachte sich selbst um seine Nahrungsmittel.
|