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Liliencron Detlev von

Die Schlacht bei Bornhöved
Am Marien-Magdalenen-Tage 1227

Der König, der in Banden war
Des Grafen von Schwerin
Das war der König Waldemar,
Verstäubt sein Hermelin.
   Er sah vom Gitterfenster aus
   Nur Schwalbenflug und Fledermaus,
   Und sah die Wolken ziehn.

Bis er versprach, das ganze Land,
Wo deutscher Stamm und Kern,
Zurückzugeben in die Hand
Der anerkannten Herrn.
   Doch als er los in Lenz und Flur,
   Vergißt er bald den Friedensschwur,
   Und glaubt an seinen Stern.

Auf Märschen lang und Märschen heiß
Des Königs Helmbusch vorn,
Der nickt und winkt knallrot und weiß
Und grüßt den Güldensporn.
   Bis mitten er in Holstein hält,
   Den Pflock einschlägt für Zaum und Zelt
   Im sichelreifen Korn.

Gegenüber schnitzt sein Widerpart
Den Pfeil sich und den Bolz:
Von Bremen Bischof Gerihardt,
Graf Adolf, Holstenstolz.
   Und Lübecks Bürgermeister fuhr
   Dem Dänen an die Gurgelschnur,
   Daß dem die Seele schmolz.

Marien-Magdalenen-Tag,
Mittsommersonnenschein.
Gelärm auf Schild und Eisendach,
Die Lanzen rasseln drein.
   Doch allzuscharf die Sonne sticht
   Dem Holstenvolk ins Treugesicht,
   Die Reihen werden klein.

Wie Blatt und Zweig im Bachgespül,
So treibt manch Blondgesell.
Graf Adolf nur im Kampfgewühl,
Er treibt nicht von der Stell.
   Und bald aus Bach wird Strom und Schaum,
   Nimmt Blumen mit und Ast und Baum;
   Wie treibt die Woge schnell!

"Maria-Magdalena, hilf,
Dämm ab die Dänenflut!
Du hebst zerknicktes Rohr und Schilf,
Gib uns den alten Mut!
   Am Himmel zeig dein Siegpanier;
   Auf immer will ich dienen dir
   In Hulden treu und gut."

Der Graf packt fest in Zeug und Riem,
Sieg oder Untergehn.
Da sieh: am Himmel zeigt sich ihm
Maria Magdalen,
   Und breitet ihren Mantel aus,
   Die Sonne zieht ins Wolkenhaus,
   Und kühle Winde wehn.

Wie flog der Graf ins Schlachtgedräng,
Die Axt durchbricht den Wald;
Um seinen Harnisch im Gemeng
Die Holstentatze krallt.
   Und kratzt dem Dänen Bart und Bein,
   Und hackt sich ihm ins Fleisch hinein,
   Bis blaß er wird und kalt.

Herr Waldemar, der Dänen Schild,
Wie heißes Eisen glüht.
In seinen Augen wüst und wild
Die Zornesblume blüht.
   "Du Hundegraf, du Hurensohn,
   Ich mähe dich wie Wiesenmohn,"
   Des Königs Lippe sprüht.

Hin, hin auf weißem Friesenhengst,
Schwert klirrt und Panzerkleid.
"Du Frosch, daß in den Schlammm du sänkst,"
Der König schreit es weit.
   Der Graf sich wie der Löwe hebt,
   Sein Helmbusch wie die Möwe schwebt
   Auf Wassern, stoßbereit.

Ein Panthertier vom Pfeil geritzt,
Der König wütend schlägt.
Herr Adolf ihm im Nacken sitzt,
Den Widerschlag verlegt,
   Und stößt den König auf die Knie,
   Der betet: "Jesus und Marie!"
   Der Graf hörts herzbewegt.

Und hebt ihn auf den Sattel sacht,
Gewonnen ist das Spiel,
Und trägt ihn durch die Sternennacht
Bis auf sein Schloß in Kiel.
   Er löst ihm Kettenhemd und Schien
   Und stellt ihm Rosen und Jasmin
   Um seine Wunden viel.

Dann denkt er an Maria rein
Und an sein heißes Flehn.
Er ministriert am Altarschrein,
Und barfuß muß er gehn.
   Als Bettelmönch mit Spottgewinn,
   So dankt er seiner Helferin
   Marien Magdalenen.