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Lessing
Gotthold Ephraim 1729-1781
Lebensdaten
Geboren
am 22. Januar 1729 in Kamenz/Oberlausiz.
Der Vater war Pastor. Lessing besuchte folgende Schulen:
Bis 1741 Stadtschule in Kamenz
1741 -1746 Fürstenschule St.Afra in Meißen
1746 -1748 Medizin- und Theologiestudium in Leipzig.
Später tätig in Wittenberg und Berlin als Schriftsteller und Journalist
Freundschaft mit M. Mendelssohn und F. Nicolai
1756 verbrachte er mit Reisen
Wieder in Leipzig
1758 - wieder in Berlin
1760 - 1765 - als Sekretär für General Tauentzien in Breslau
1767 - Kritiker für das Nationaltheater Hamburg
1770 - Bibliothekar beim Herzog von Braunschweig in Wolfenbüttel
1775 - 1776 - italienische Reise mit dem Sohn des Herzogs
1776 - Heirat mit Eva König
1778 - Tode seiner Frau
15.2.1781 Lessing stirbt in Braunschweig
Persönlichkeit/Charakter:
Intelligent, vielseitig, selbstkritisch, guter Kritiker, tolerant.
Philosopische und theologische Werke
Niklas, Mein Esel sicherlich
Muß klüger sein als ich.
Ja, klüger muß er sein;
Er fand sich selbst in Stall hinein,
und kam doch von der Tränke.
Man denke!
Eine Wette, so das Gerücht, stachelte Gotthold Ephraim Lessing an,
es einmal mit einem so in die Mode gekommenen weinerlichen Lustspiel zu
versuchen. "(...)in sechs Wochen bringe ich ihnen ein solches Stück",
soll Lessing seinen gerührten Freund nach einer derartigen Theateraufführung
provoziert haben. Daß dieser sofort darauf einging, machte Lessing keineswegs
verlegen, und tatsächlich, gut einen Monat später, vollendete er seine
"Miß Sara Sampson" (1755), die ihm großen, wohl kaum erwarteten
Erfolg einbrachte und das erste bürgerliche Trauerspiel in deutscher Sprache
war. Inszenierungen in Frankfurt/ Oder, Leipzig, Berlin und Hamburg machten
Lessing und sein Drama bald bei einem großen Publikum bekannt.
Die frühen Werke des jungen Gotthold, beschränkten sich noch auf Wissenschaft
und Lyrik. Nachdem er an der Fürstenschule seine überaus strenge und elitäre
Ausbildung mit glänzenden Leistungen abgeschlossen hatte, brach er radikal
mit dem Geist des patriarchalischen und streitbaren Elternhauses. Als
wäre er ein Vorbild für die späteren Generationen revoltierender und freigeistiger
Pfarrerssöhne, wie zum Beispiel Christoph Martin Wieland oder Friedrich
Nietzsche, befreite sich Lessing erst von überkommenen Traditionen in
den Freiräumen, die ihm sein Studium ließ, für das er sich in Leipzig
an der Theologischen Fakultät eingeschrieben hatte.
Hier gab er sich einem bohèmeartigen Literatenleben hin und machte, angeblich
unter dem Eindruck einer Affäre mit einer Schauspielerin, mit den revolutionären
Aufführungen des Neuberschen Theaters Bekanntschaft. Nach ersten schriftstellerischen
Versuchen, die bereits in seine Schulzeit fielen, gelang Lessing ein kleiner
Bühnenerfolg mit seinem Stück “Der junge Gelehrte", das von der Theatergruppe
der Friederike Caroline Neuber aufgeführt wurde.
Der Wunsch seines Vaters, das Studium der Theologie schnell zu beenden,
erfüllte Lessing nicht. Er widmete sich eher verschiedenen Themen und
Vorlesungen, zu denen zum Beispiel der Besuch bei dem berühmten Archäologen
Johann Joachim Winckelmann zählte.
Auf der Flucht vor seinen Gläubigern mußte Lessing 1748 Leipzig verlassen.
Nach einer kurzen Episode in Wittenberg bereitete Lessing heimlich den
Weg zu seinem Zielort vor. Nach Berlin, in die Stadt des aufgeklärten
Journalismus, zog es ihn. Hier fand er eine Anstellung als Rezensent und
Wissenschaftsredakteur bei der "Berlinischen Privilegierten Zeitung".
Nebenbei beschäftigte sich Lessing mit Übersetzungen und gründete eine
Theaterzeitschrift. Mit seinen Freunden Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn
kam es bald zu aufklärerischen Diskursen, bei denen er Anregungen für
seine schriftstellerischen Arbeiten fand. Der Grundgedanke dieser Geistesrichtung
setzte die Vernunft an die oberste Stelle seines Handelns. Durch überlegtes
und selbständiges Handeln sollte der Mensch frei werden von allen Zwängen.
Durch seine Beiträge in der Theaterzeitschrift und die Auseinandersetzung
mit den Ideen Aristoteles´ und Shakespeares machte Lessing die Dramentheorie
zu seinem Metier.
Lessings Kritiken in den "Beiträgen zur Historie und Aufnahme des
Theaters" verbanden Aufführungskriterien mit dramengeschichtlichen
Erörterungen. In zahlreichen Briefen wandten sich die Leser an den Herausgeber
Lessing, einige holten sich Ratschläge und Kritik zu ihren eigenen Werken.
Bald war sein Einfluß so groß, daß von seinen Stellungnahmen Erfolg oder
Mißerfolg eines Stückes abhingen. "Sagt er die Schrift sey gut, so
druckt sie jedermann", so ein Zeitgenosse Lessings 1755. Daneben
schrieb er weiterhin Gedichte, Fabeln und Erzählungen und konnte bereits
1753 eine sechsbändige Ausgabe seiner Werke herausgeben. Auch eine Bildungsreise
durch Europa gehörte zu den selbstgesetzten Verpflichtungen eines aufgeklärten
Geistes. Dies konnte Lessing zwar noch planen und beginnen, nicht jedoch
fortsetzen, da ihm die politischen Wirren zuvorkamen. Der Siebenjährige
Krieg war ausgebrochen, und Lessing kehrte von Amsterdam nach Berlin zurück.
In seinen “Briefen die Neueste Litteratur betreffend", die er zusammen
mit Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn herausgab (1759), erklärte
sich Lessing zum ersten Mal deutlich gegen die französische Klassik und
Johann Christoph Gottsched und für Shakespeare. Mit der Herausgabe der
“Briefe", die gemeinsam mit der “Hamburgischen Dramaturgie" zur
eigentlichen theoretischen Grundlegung des deutschen Dramas wurden, beendete
Lessing seine journalistische Laufbahn.
Weitere Geldschwierigkeiten bewegten ihn zu der Annahme einer festen
Stelle als Sekretär des preußischen Generals Bogislaw von Tauentzien in Breslau.
Dort verdiente er endlich regelmäßig Geld und widmete sich einem intensiven
"Wirtshausleben" (Goethe). In Breslau entstand aber auch Lessings
berühmtes Drama "Minna von Barnhelm" (1767), dem die kunsttheoretische
Schrift "Laokoon oder über die Grenzen der Malerei und Poesie" (1766)
ideengeschichtlich vorausging.
1767, auf der Flucht vor sich selbst und den Zwängen des bürgerlichen
Lebens verließ Lessing Breslau, um abermals nach Berlin zurückzukehren.
Es hielt ihn aber nicht lange, denn in Hamburg bot man ihm die Chance,
als Dramaturg und Stückeschreiber des neu gegründeten Hamburger Nationaltheaters
ein Auskommen zu finden. Das ehrgeizige Projekt wollte deutsche Dramatiker
fördern, die Ausbildung der Schauspieler garantieren und ein niveauvolles
Repertoire bieten. Doch das Publikum und der finanzielle Erfolg blieben
aus. 1770 eröffnete sich Lessing eine neue Zuflucht als Bibliothekar im
einsamen Wolfenbüttel. Rettung gewährten ihm die Theologie und der Entschluß
1776 eine Familie zu gründen, doch schon zwei Jahre später wurde ihm die
geliebte Frau Eva König entrissen. Lessing selbst plagte seit einigen
Jahren eine Krankheit, die ihn mehr und mehr behinderte.
Dennoch hatte er Kraft genug, auch nach vielen literarischen Kämpfen sich
dem gefährlichsten Gegner zu stellen: der lutherischen Orthodoxie. Lessing
wurde in Hamburg ein antidogmatisches, radikal aufklärerisches Manuskript
von Samuel Reimars übergeben. Er ließ es, ohne mit seinem Inhalt voll
übereinzustimmen, als "Fragmente eines Unbekannten" 1774 erscheinen.
Die "Fragmente" führten zu einer ungeheuren Erregung, wurde
doch hier sogar die göttliche Natur Christi bestritten. Der Hamburger
Hauptpastor Johann Melchio Goeze gab eine heftige Antwort. Lessing erwiderte
mit den sehr ironischen “Anti-Goezes" (1778). Der Herzog von Braunschweig
schützte Lessing, mußte ihm aber die weitere theologische Publizistik
untr dem Druck der Kirche entziehen. Mit “Nathan dem Weisen" (1779),
seinem wohl bekanntesten Drama, wich Lessing in die Dichtung aus.
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