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Kleist Heinrich von 1777 - 1811
Lebensdaten

Geboren am 18. Oktober 1777 in Frankfurt a.d. Oder, gestorben am 21. November 1811 am Kleinen Wannsee bei Potsdam (Selbstmord).Grabstätte: am Kleinen Wannsee (Ort nicht mehr genau lokalisierbar; Gedenkstein in der Nähe).

Sohn des preußischen Majors Joachim Friedrich von Kleist und dessen zweiter Frau Juliane Ulrike von Kleist, geb. von Pannwitz. Zwei Stiefschwestern (eine davon die Lieblingsschwester Ulrike), drei Schwestern, ein Bruder.

Bedeutendster Dramatiker, Novellist, Anekdoten-Erzähler und Essayist zwischen Klassik und Romantik. Autodidakt. In der Jugend tief beeindruckt vom Geist der Aufklärung (Kant, Rousseau), die aber der leidenschaftlichen Suche nach innerer Sicherheit und Orientierung nicht genügen kann ("Kant-Krise"). In den Werken Spannungsverhältnis zwischen den Forderungen des Ich und der Pflicht, sich ins Allgemeingültige einzufügen: Dichter des sich absolut setzenden Gefühls, das an der Realität scheitert. Die Marionette (Über das Marionettentheater) - nicht wie üblich Symbol des Deterministischen - steht für das nicht durch das Bewusstsein und Reflexion verdorbene Leben im Stande der "paradiesischen" Unschuld.

Distanzierte Sprache (namentlich in den erzählenden Texten), die versucht den Inhalt zu beherrschen: streng, von der grammatikalischen Ordnung durchwirkt, gedrängt, klar.

Eigentliche Entdeckung Kleists im 20. Jh. (Kafka, Rilke, Expressionismus).
Thomas Mann:
Er war einer der größten, kühnsten, höchstgreifenden Dichter deutscher Sprache, ein Dramatiker sondergleichen - überhaupt sondergleichen, auch als Prosaist, als Erzähler - völlig einmalig, aus aller Hergebrachtheit und Ordnung fallend, radikal in der Hingabe an seine exzentrischen Stoffe bis zur Tollheit, bis zur Hysterie, allerdings tief unglücklich, mit Ansprüchen an sich selbst, die ihn zermürbten, um das Unmögliche ringend, von psychogenen Krankheiten niedergeworfen alle Augenblicke und zu frühem Tod bestimmt. (1954)

Wichtige Lebensdaten:
1788 Tod des Vaters; Erziehung durch den Prediger S. H. Catel in Berlin.
1792 Eintritt in das Garderegiment Potsdam als Gefreiter-Korporal.
1793 Verlegung des Regiments nach Frankfurt a. M.; Teilnahme am "Rheinfeldzug" gegen die französischen Revolutionsheere; Tod der Mutter.
1795 Rückkehr nach Potsdam als Fähnrich.
1797 Beförderung zum Leutnant. Mathematische, philosophische und altsprachliche Studien; wachsende Abneigung gegen den Soldatenstand.
1799 Abschied vom Militär; drei Semester Studium an der Universität Frankfurt/Oder (Jura, Volkswirtschaft, Naturwissenschaften); Verlobung mit Wilhelmine von Zenge.
1800 Übersiedlung nach Berlin; Vorbereitung auf den Staatsdienst. Spätsommer: rätselhafte Reise nach Würzburg mit dem Freund Ludwig von Brockes. Nach der Rückkehr Anstellung als Volontär bei der Technischen Deputation des Königlichen Manufaktur-Kollegiums in Berlin
1801 aufgrund des Kant-Studiums erste große Lebenskrise ("Kantkrise"): Verzweiflung über die Einsicht, dass die Wissenschaft keinen Zugang zur objektiven Erkenntnis und absoluten Wahrheit hat. Als Reaktion darauf Reise mit Ulrike über Dresden, Halberstadt, Göttingen, Mainz, Straßburg nach Paris. Juli - November: Aufenthalt in Paris. Unstimmigkeiten mit Ulrike, allein Weiterreise in die Schweiz (Bern, Thun); Hinwendung zu Rousseau.
1802 K. gibt die Absicht, Bauer zu werden, bald auf; aber als Folge dieses Plans Bruch mit seiner Braut. K. wohnt einsam auf einer kleine Aaare-Insel bei Thun; freundschaftlicher Umgang mit dem Schriftsteller Heinrich Zschokke, dem Verleger Heinrich Geßner und Wielands Sohn Ludwig in Bern; Gewissheit, zum Dichter berufen zu sein; im Herbst Rückkehr nach Deutschland (Weimar).
1803 als Gast Wielands in Oßmannstedt bei Weimar; Mitte März Abreise; bei der Familie Schlieben in Dresden; ungeklärte Beziehung zu Henriette von Schlieben; Selbstmordgedanken. Fußreise mit Pfuel (Freund aus Potsdamer Zeit) über Bern, Mailand, Genf nach Paris. Oktober: zweite große Lebenskrise (Schaffenskrise); Vernichtung des Guiskard-Manuskripts; Versuch, sich der napoleonischen Invasionsarmee gegegn England anzuschließen ("ich stürze mich in den Tod..."). Auf Veranlassung des preußischen Gesandeten Rückkehr nach Deutschland; in Mainz körperlicher Zusammenbruch.
1804 Juni: Rückkehr nach Berlin; Wiedereintritt in den Staatsdienst (Finanzministerium).
1805 als Diätar an der Domänenkammer Übersiedlung nach Königsberg.
1806 endgültige Aufgabe der Beamtenlaufbahn; Oktober: militärischer Zusammenbruch Preußens
1807 K. wird beim Versuch, nach Dresden zu gelangen, in Berlin als angeblicher Spion verhaftet; französische Gefangenschaft in Fort de Joux bei Besancon, später in Chalons-sur-Marne; Juli: Entlassung aus der Gefangenschaft; Dresden: Kleists glücklichste Zeit im Dresdner Literaten- und Künstlerkreis (Adam Müller); literarische Anerkennung:
1808 Herausgabe der Kunstzeitschrift "Phöbus" (zus. mit Adam Müller): ungünstige Aufnahme; Übersendung des ersten Phöbus-Heftes an Goethe ("auf den Knien meines Herzens"); kühle Reaktion. März: katastrophaler Misserfolg der Goetheschen Uraufführung des "Zerbrochnen Krugs" in Weimar.
1809 Februar: letztes Phöbus-Heft. April: Erhebung Österreichs; vaterländische Lyrik; Reise mit Friedrich Christoph Dahlmann nach Österreich; Zeuge des Sieges bei Aspern (Mai); Prag; das Vorhaben, ein patriotisches Wochenblatt ("Germania") herauszugeben, wird durch die Niederlage bei Wagram gegenstandslos. Dritte große Lebenskrise: Verzweiflung, monatelange Krankheit. Rückkehr nach Frankfurt/Oder; völlig mittellos.

1810 Neubeginn in Berlin; Umgang mit Adam Müller, von Arnim, Brentano, Fouqué, Rahel Varnhagen; Oktober: Redakteur der "Berliner Abendblätter" (erste Tageszeitung Berlins; anfänglich großer Erfolg)
1811 Mai: Ende der "Berliner Abendblätter"; Auseinandersetzung mit Staatskanzler von Hardenberg wegen einer Entschädigung; Gesuch an den König und an den Kronprinzen um Anstellung bleibt unbeantwortet; zunehmende Vereinsamung; private und politische Perspektivlosigkeit ("es ist auch nicht ein einziger Lichtpunkt in der Zukunft..."); engere Freundschaft mit der krebskranken Henriette Vogel.
20. November: K. und Henriette Vogel fahren zum Gasthof Stimming bei Potsdam; am nächsten Tag nachmittags 4 Uhr: K. erschießt Henriette Vogel und sich selbst am Ufer des Kleinen Wannsees: "...die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war."

Seine Werke:
Dramen
1803 (ab 1802 e; 1804 a Graz) Die Familie Schroffenstein (Trauerspiel)
1807 (ab 1806 e; 1899 a Berlin) Amphitryon (Lustspiel)
1808 (1806-07 e; 1876 a Berlin) Penthesilea (Trauerspiel)
1808 (1802-03; 1807-08 e) Robert Guiskard, Herzog der Normänner (Trauerspiel; Frgm.)
1810 (ab 1807 e; 1810 a Wien) Das Käthchen von Heilbronn oder Die Feuerprobe (Ritterschauspiel)
1811 (ab 1803 e; 1808 a Weimar) Der zerbrochne Krug (Lustspiel; Frgm. im "Phöbus", 1808)
1821 (1808 e; 1839 a Bad Pyrmont) Die Hermannsschlacht
1821 (1809-11 e; 1821 a Wien) Prinz Friedrich von Homburg

Erzählungen
1807 Das Erdbeben in Chili (u.d.T. Jeronimo und Josephe)
1808 Die Marquise von O...
1810 Michael Kohlhaas (1. Drittel im "Phöbus", 1808)
1810 Das Bettelweib von Locarno
1810 (erw.1811) Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik
1811 Der Findling
1811 Die Verlobung in St. Domingo
1811 Der Zweikampf

Anekdoten
1810 Franzosen-Billigkeit; Der verlegene Magistrat; Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege u.a.
1811 Sonderbarer Rechtsfall in England u.a.

Kleine Schriften (Ausw.)
1805/06 e Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden
1809 e Katechismus der Deutschen, abgefaßt nach dem Spanischen, zum Gebrauch für Kinder und Alte
1810 Über das Marionettentheater

Schriften aus dem Nachlass
1821 Hinterlassene Schriften, hg. v. Ludwig Tieck