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Kämpchen Heinrich

Proletariergebet

Herr, wenn Du bist, warum die Not,
Die grausige, die mich bedrücket?
Warum der Hungerschrei nach Brot,
Der mir das Herz im Leib zerstücket?

Mein Weib und Kind - Du kennst sie ja -
Denn, wenn Du bist, mußt Du sie kennen -
Mit hohlen Wangen stehn sie da,
Auf denen Elendszähren brennen.

Sie fordern keinen leckern Tisch,
Sie wollen Brot nur, um zu leben
Und gibst Du andern Fleisch und Fisch,
Das nackte Brot mußt Du uns geben.

Wir haben es so oft erfleht
Du hast den Ruf so oft vernommen -,
Daß uns der Zweifel am Gebet
Und Deiner Macht will überkommen.

Nicht Glockenklang, nicht Orgelton
Gibt Sättigung, wenn wir verschmachten -
Und Deine Lehre klingt wie Hohn,
Wenn unser Elend wir betrachten.

Ein Vater wird die Kinderschar
Mit gleicher Liebe stets umfassen;
Warum sind wir der Hülfe bar
Und arm und freudlos und verlassen?

Herr, wenn Du bist, 's ist hohe Zeit,
Um Deine Liebe uns zu künden
Die Güte und Gerechtigkeit,
Sonst - wird der Zweifel überwinden!