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Immermann Karl Leberecht
Lebensdaten

Karl Leberecht Immermann, der hochbegabte deutsche Dichter, war eine zwiespältige Natur, schwankend zwischen Künstlertum, Religiosität und politischem Engagement: ein klassischer Vertreter des Restaurationszeitalters nach 1815.
Er wurde als Sohn eines königlich-preußischen Kriegs- und Domänenrats in Magdeburg geboren. Die prägenden geschichtlichen Ereignisse seiner Jugend waren der Zusammenbruch des preußischen Reiches 1806 und die Befreiungskriege 1813-1815. Die Niederlage der preußischen Armee widersprach vollkommen dem Preußen-Bild, das ihm sein Vater vermittelt hatte. Die preußische Reformbewegung von Stein, Hardenberg, Scharnhorst, Fichte und Humboldt beeindruckte Immermann stark. Für die Teilnahme an den Befreiungskriegen (auf den Schlachtfeldern von Ligny und Waaterloo) unterbrach er sein Jurastudium in Halle.
1818 trat Immermann als Jurist in den preußischen Staatsdienst ein. Damit begann ein komplizierter Spagat zwischen kritischem Staatsbewußtsein und Staatstreue. Immermann war Beamter in Oschersleben, Münster, Magdeburg und ab 1827 in Düsseldorf, wo er Verbindung zum Künstlerkreis um den Bildhauer Schadow unterhielt.
Hier gründete er 1832 einen Theaterverein und leitete von 1834 bis 1837 das Stadttheater. Er wollte ein selbständiges deutsches Theater aufbauen. Den Spielplan bestimmten literarisch anspruchsvolle Stücke mit politischem Zeitbezug. Er versuchte die Bühne wieder zu einem lebendigen nationalen Forum umzuwandeln, frei von Gängelungen durch die reaktionäre Regierung. Immermanns Versuch scheiterte. Er kehrte an das Düsseldorfer Amtsgericht zurück.
Während seiner Zeit als Theaterdirektor entstanden zahlreiche, heute vergessene Dramen. Literatur-geschichtliche Bedeutung aber erlangte Immermann mit zwei Gegenwartsromanen. Er befreite sich von den klassischen und romantischen Vorbildern und stellte die Gegenwart sehr direkt und mit kritischem Blick für die überlebten feudalen Lebensformen dar. ("Die Epigonen", 1823-1835, ein Roman, der unter Kennern als Geheimtip der deutschen Romanliteratur im 19. Jahrhundert gilt.)
Immermanns zweiter Roman, "Münchhausen" (1838/39), eine beißende Satire auf seine Zeit, war ein großer Erfolg. Er wird noch heute regelmäßig aufgelegt. Besonders beliebt ist die in die satirische Gestaltung eingeschaltete ländliche Idylle "Der Oberhof": ein positives Gegenbild zum negativen Zeitbild.
An der Überzeugung, daß die preußische Monarchie trotz aller Mißstände die einzige Garantie für Deutschlands weitere Entwicklung sei, hielt Immermann bis zu seinem frühen Tod fest.
Auszug aus "Die Epigonen"
"Vielleicht fordert keine Zeit mehr zur Beobachtung äußerer Sitte auf als die unsrige. Alle Gegensätze sind bloßgelegt; wo irgend Menschen zusammenkommen, bringen sie die widersprechendsten Gefühle und Überzeugungen in betreff der wichtigsten Dinge mit. Politik, Religion, das Ästhetische, ja selbst, was im Privatleben erlaubt sei, alles ward zum Gegenstande des Zwiespalts."
(6. Kapitel)
"Wir können nicht leugnen, daß über unsre Häupter eine gefährliche Weltepoche hereingebrochen ist. Unglücks haben die Menschen zu allen Zeiten genug gehabt; der Fluch des gegenwärtigen Geschlechts ist aber, sich auch ohne alles besondre Leid unselig zu fühlen. Ein ödes Wanken und Schwanken, ein lächerliches Sichernststellen und Zerstreutsein, ein Haschen, man weiß nicht, wonach, eine Furcht vor Schrecknissen, die um so unheimlicher sind, als sie keine Gestalt haben! Es ist, als ob die Menschheit, in ihrem Schifflein auf einem übergewaltigen Meere umhergeworfen, an einer moralischen Seekrankheit leide, deren Ende kaum abzusehen ist."
(10. Kapitel)
Literaturtip:
Immermann und seine Zeit, Materialien der Internationalen Immermann-Tagung vom 24.04.1996 bis 26.04.1996 in Magdeburg, Peter-Lang-Verlag 1997
Karl Immermann, Münchhausen. Eine Geschichte in Arabesken, Hrsg. Peter Hasubek, Hanser-Verlag, 1977, ISBN: 3-446-12435-7
Karl Immermann, Briefe, 3 Bände, in 4 Tl.-Bdn., Textkritische und kommentierte Ausgabe, Hrsg. Peter Hasubek, Hanser-Verlag, 1978