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Hebel Johann Peter 1760 - 1826
Lebensdaten

Am 10. Mai 1760 wurde Johann Peter Hebel in Basel geboren. Er wuchs in Hausen im Wiesental auf. Dem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden begabten Hebel wurde durch private Gönner ein Universitäts-Studium ermöglicht. Über die Lateinschulen in Schopfheim und Karlsruhe gelangte er an die Erlanger Universität, an der er 1778 sein Theologiestudium beendete. Auch wenn später Karlsruhe die Stätte seines Wirkens wurde, sollte Hausen im Wiesental zeitlebens Hebels heimatlicher Bezugsort bleiben, was auch aus seinem Briefwechsel mit seiner Freundin Gustave Fecht ersichtlich ist.

Nachdem Hebel zunächst in Hertingen im Schwarzwald als Vikar und in Lörrach als Lehrer arbeitete, kam er 1791 als Subdiakon ans Karlsruher Gymnasium. In Karlsruhe, der Residenzstadt, bleibt Hebel dann bis zum seinem Lebensende. Einen Ruf an die Universität Freiburg hat er nach einigem Zögern ausgeschlagen. Er wird 1808 Direktor am Gymnasium, und 1819 wird er zum Prälaten der lutherischen Landeskirche ernannt und dadurch Mitglied der Ersten Kammer des Badischen Landtags.

Als sein Beitrag zur deutschen Literatur ist außer seinen Kalendergeschichten vor allem seine Lyrik zu nennen, zu der sich Hebel aber zunächst nicht öffentlich bekennen wollte. 1803 erschienen die "Allemannischen Gedichte" zunächst anonym und nach Erfolg erst 1804 mit Nennung des Autors. Leider war die Wirkung der "Alemannischen Gedichte" durch eine Eigenart, die gleichzeitig ihren Reichtum und ihren Erfolg im Südwesten ausmacht, zunächst etwas eingeschränkt. Dem halfen aber auf der anderen Seite recht bald hochdeutsche Adaptionen ab, die jedoch meist nicht den Liebreiz der Vorlage erreichten.

Der Badische Landeskalender war Privilegium und auch Einnahmequelle des Karlsruher Gymnasiums und fand wegen zahlreicher Konkurrenzunternehmungen wenig Anklang beim Publikum. 1802 wird Hebel aufgrund seiner Gutachten zur Verbesserung der Absatzmöglichkeiten des Kalenders in die Kalenderkomission berufen und verpflichtet, Beiträge für denselben abzuliefern. Er klagt zunächst, daß man ihn "mit Gewalt zum Schriftsteller" mache.

Trotzdem wird ihm 1806 die alleinige Verantwortung für den Kalender übertragen, der ab 1808 unter dem Titel "Rheinischer Hausfreund" erscheint. 1811 stellt Hebel aus seinen Beiträgen der Jahre 1803-1811 unter Auslassung einiger weniger Texte das "Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreunds" zusammen.

Bekannt und verbreitet gewesen sind auch seine "Biblischen Erzählungen", eine Nachgestaltung biblischer Stoffe und Motive, die z. B. einige Jahrzehnte lang in Baden als Lehrbuch für den Schulunterricht verwendet wurde und im ganzen deutschsprachigen Raum analog den heutigen Kinderbibeln zur religiösen Ersterziehung dienten: als Vorlesebuch und - nicht nur für die Leseanfänger - zur eigenen Lektüre. Allerdings muß man auch die Kritik erwähnen, die seine Auswahl zu subjektiv und unvollständig und in der Auslegung teilweise als zu rationalistisch einschätzte.

Der Charakter seiner Erzähltexte im Rheinischen Hausfreund reicht vom Anekdotischen und Schwankhaften bis zu naturkundlichen Beiträgen oder Rätseln, die - teilweise in direkten Anreden des Lesers - augenzwinkernde Lebensweisheit mit moralischer Nutzanwendung verbinden.

Die anschaulichen Erzählungen enthalten neben den Anspielungen auf historische Ereignisse und das Zeitgeschehen ein faszinierendes Lokalkolorit. Die Schauplätze sind zwar einerseits auf der ganzen Welt verteilt und verleihen dem Lesebuch Urbanität, andererseits aber spiegeln sie die Gründe des Weltgeschehens als Motive des menschlichen Herzens in der heimatlichen Umgebung, so daß Goethes erhellendes Lob, Hebel habe "auf anmutige Weise das Universum verbauert" wohl treffend ist.

Die Geschichten erweisen sich auf der einen Seite als Protest gegen eine äußerliche Scheinmoral; ohne doch je aufdringlich belehrend zu wirken, enthalten sie aber auf der anderen Seite eine individualethische Komponente.

Wie im Nebenher wird, kunstvoll, und als geschähe es unabsichtlich, eine Tugendlehre entfaltet, indem sanft abschreckend die möglichen Folgen eines Verhaltens oder einer Untugend aufgezeigt werden.

Überspitzte satirische Schärfe oder destruktive Gesellschaftskritik fehlen auch dort, wo sie den Zuständen entsprechend vielleicht nahegelegen hätten. Stattdessen finden wir oft eine innere Heiterkeit, ein "Lob der Schöpfung" aus der Natur des Menschen, seiner Schwächen und seiner Stärken, - ein dominierendes Stilmittel Hebels, das wohl zurecht auch als Anzeichen seiner eschatologischen Erlösungsgläubigkeit verstanden werden darf.

Der Ton der Versöhnlichkeit gilt selbst noch dem, der die Gesetze übertritt, wovon die Zundelfriedergeschichten beredtes Zeugnis ablegen.

Am 22. September 1826 starb Johann Peter Hebel in Schwetzingen als einer der angesehensten Theologen und Literaten seiner Zeit.