literatur pinselpark    


  Home
Zum Autor
Sitemap/Inhalt
Vorherige Seite

Hafis (Mohammed Schams ed-Din) 1326 - 1390
Lebensdaten

Mohammed Schams ed-Din. Als Koranlehrer erhielt er den Ehrentitel Hafis (d.h. Bewahrer, der Ehrenname für diejenigen, die den Koran auswendig beherrschen).

Er lebte von 1326 bis 1390 in Schiras und gilt als der größte Dichter Persiens. Er gehörte dem Orden der Sufis an und war zeitweise Hofdichter. Oberflächlich betrachtet preisen seine Gedichte die Freuden des Trinkens, der Jagd und der Liebe am Hofe von Shìraz. Auf einer tieferen Ebene spiegeln sie seine aufopfernde Hingabe als Sufi-Mönch wider, dessen Ziel es ist, sich mit dem Göttlichen zu vereinigen. In seiner Dichtung schuf Hafis ein mystisches Gegenbild zur heuchlerischen und machtbesessenen Welt der islamischen Religionsführer. Er spottete mit loser Zunge über die Buchstabenfrommen, die ihn wegen seiner "lästerlichen Reden" und Gedichte wegen Ketzerei und Gotteslästerung verfolgten. Der Sufi und "heilige Narr", "die mystische Zunge des Unsichtbaren", "die Rose von Schiras" - auch unter diesen Beinamen ist er bekannt. Goethe nennt ihn den "heiligen Hafis". Ein Heiliger, der das Leben in seiner ganzen Fülle und Sinnlichkeit liebte und genauso sinnlich in seinen Gedichten pries.

Aber selbst der berühmte Richter Ebusuud brachte es nicht über sich, Hafis und seine Gedichte zu verurteilen. Er sprach folgende Fatwa:

"Die Gedichte Hafisens enthalten viele ausgemachte und unumstößliche Wahrheiten, aber hie und da finden sich auch Kleinigkeiten, die wirklich außer den Grenzen des Gesetzes liegen. Das sicherste ist, diese Verse wohl voneinander zu unterscheiden, Schlangengift nicht für Theriak anzunehmen, sich nur der reinen Wollust guter Handlungen zu überlassen, und vor jener, welche ewige Pein nach sich zieht, zu verwahren. Dies schrieb der arme Ebusuud, dem Gott seine Sünden verzeihen wolle." (Aus der Vorrede zum "Diwan" des Hafis in der Übersetzung von Josef von Hammer-Purgstall, erste deutsche Gesamtausgabe 1812/1813.)

Hafis' Diwan (übersetzt 1812/13) enthält über 500 Gedichte, von denen die meisten in der Form von Ghaselen geschrieben sind, einer traditionellen persischen Gedichtform, die er zur Vollkommenheit führte. Jede Ghasel ist einem anderen Thema gewidmet und besteht aus bis zu 15 Reimpaaren, die in je zwei Halbverse zerfallen. Hafis' Sprache ist einfach, lyrisch und innig. Aus seinem Werk spricht die Liebe zu den gewöhnlichen Menschen und die Sehnsucht des Menschen nach der Ewigkeit, die er in Beziehung zum Alltäglichen setzt.Goethes „West-östlicher Divan" (1819) wurde wesentlich von der Dichtung Hafis' inspiriert.

Goethe fand in Hafis eine verwandte Zwillingsseele über die Jahrhunderte und Kulturen:

Offenbar Geheimnis:

Sie haben dich, heiliger Hafis,
Die mystische Zunge genannt,
Und haben, die Wortgelehrten,
Den Wert des Worts nicht erkannt.

Mystisch heißt Du ihnen,
Weil sie Närrisches bei dir denken
Und ihren unlautern Wein
In Deinem Namen verschenken.

Du aber bist mystisch rein,
Weil sie dich nicht verstehn,
Der Du, ohne fromm zu sein, selig bist!
Das wollen sie dir nicht zugestehn.

Johann Wolfgang von Goethe