Gumppenberg
Hanns von
Das Minnerlein
nach Julius
Wolff
Es war ein ärmstes
Minnerlein
Im Herzen sterbekrank:
Ihm bot die Allerliebste sein
Nicht Gruß noch Habedank.
Sie war so hart wie
Kieselstein,
Ach! wollt' ihn nicht versteh'n -
O weh! du ärmstes Minnerlein,
Jetzt ist's um dich gescheh'n!
Er
schlich so trüb von Haus zu Haus -
“Gott Herre, dich erbarm'!
Kommt denn kein Mägdlein, ach! heraus
Und schließt mich in den Arm?"
Horch, horch! da
pocht's ans Fensterlein,
Wink, wink! mit weißer Hand -
Schau, schau, du kluges Minnerlein:
Mägdlein gibt's mehr im Land!
Die Zweite lieben
Kuß ihm bot,
Das schuf der Ersten Gram:
Drum weint' sie sich die Äuglein rot,
Bis daß er wiederkam.
Nun wußt' er nicht
mehr aus und ein,
Welch' Mägdlein süßer sei -
Juchhe, du kühnes Minnerlein:
Jetzt hast du ihrer zwei!
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