Günther
Johann Christian
An
ein Mädchen von B.
Ihr Mädchen,
laßt euch doch nur raten
Und lernet einmal klüger sein!
Ein Hund ist dumm und riecht den Braten,
Ihr aber tappt so blind hinein.
Und wenn euch reiche Buhler schmeicheln,
So werdet ihr vor Wollust dumm
Und haltet einen Schwur von Heucheln
Gleich für ein Evangelium.
Das merke dir
voraus, Charlotte,
Du, die du dich nach allen schmiegst
Und nach der Einfalt einer Motte
Mit Schaden um das Feuer fliegst,
Ich meine hier das wilde Feuer,
Das in den Schönheitsstoppeln brennt,
Die M..., du schönes Ungeheuer,
Den klaren Kern der Geilheit nennt.
Wenn Stolz und
Hochmut Taler wären,
So hättest du gewiß viel Geld.
So aber bist du wie die Ähren,
In welche Brand und Mehltau fällt :
Je höher sich ihr Gipfel zeiget,
Je weniger enthält er Frucht;
Wer sich vor deinem Baal neiget,
Der hat für Trost nur Wind gesucht.
Das ist wohl
wahr, dein frecher Busen
Ist in der Tat handgreiflich voll;
Du labst damit das Volk der Musen,
Allein die Lockung ist zu toll,
Denn was dein eingebildtes Lieben
Auf deiner Brust für kostbar hält,
Das sind nur zwei verwelkte Rüben,
In die ein grober Schinken fällt.
Pack ein mit
deinen Siebensachen,
Sie sind ein allgemeines Gut
Und werden keinen lüstern machen,
Als wem die Krätze bange tut.
Denn diese Krankheit zu kurieren,
Gebraucht man oft ein Schwefellicht;
Das kann man aus den Augen spüren,
Daraus ein blauer Schimmer bricht.
Die Schönheit
muß dir wahrlich mangeln,
Sonst dürfte dein durchwirktes Kleid
Nicht erst mit Gold nach Herzen angeln,
Die deine Prahlerei beschreit.
Dies schreibst und lügst du in die Fremde
An manchen dir bekannten Mann,
Der doch wohl dein zerrißnes Hemde
Auch ohne Fernglas sehen kann.
Du übst die längst
vergriffnen Finger
Des Abends, wenn die Flöte klingt;
Bedenke, was ein Phöbusjünger
Dabei für Prophezeiung singt.
Du willst vielleicht den Hexen pfeifen?
Glück zu auf dieses Jubelfest!
Dieweil dein Ruhm bei solchem Greifen
Schon auf dem letzten Loche bläst.
Die Runzeln kommen
angestiegen
Und ackern schon auf deiner Haut,
An der das flüchtige Vergnügen
Ein trauriges Exempel schaut;
Die Zobel gelten nach den Haaren,
Du aber läßt dein R... gehn,
Drum magst du bei verlegnen Waren
Den Flederwisch verkaufen stehn.
Da magst du denn
am Fenster sitzen
Und nach dem treuen Deutschen sehn;
Er wird dein Blut nicht mehr erhitzen,
Wie etwa vor der Zeit geschehn.
Da magst du mit verliebten Büchern
Der Sehnsucht ein Genügen tun
Und endlich auf den kahlen Tüchern
Der Unruh' in den Armen ruhn.
Vor diesem war
dein freches Küssen
Verliebter Hasen Proviant,
Die manchen Zahn daran zerbissen
Und sonst, ich weiß nicht was, verbrannt;
Jetzt sieht es alle Welt mit Rechte
Für harten Pumpernickel an,
Den bloß das Musketiergeschlechte
Im Finkeljochen riechen kann.
Du magst dich
noch so höhnisch stellen
Und mit der alten Kupplerin
Durch manchen Brief die Unschuld fällen,
Der Schaden bringt doch den Gewinn;
Du magst es noch so lange treiben,
Das Fuhrwerk der gewünschten Eh'
Wird doch im Dr(ecke) stecken bleiben.
Dies wünscht ein frommer Christ. Adieu!
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