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Gryphius Andreas

Thränen des Vaterlandes /Anno 1636.

WIr sind doch nunmehr gantz / ja mehr denn gantz verheeret!
   Der frechen Völcker Schaar / die rasende Posaun
   Das vom Blutt fette Schwerdt / die donnernde Carthaun /
Hat aller Schweiß / und Fleiß / und Vorrath auffgezehret.
Die Türme stehn in Glutt / die Kirch ist umgekehret.
   Das Rathauß ligt im Grauß / die Starcken sind zerhaun /
   Die Jungfern sind geschänd't / und wo wir hin nur schaun
Ist Feuer / Pest / und Tod / der Hertz und Geist durchfähret.
   Hir durch die Schantz und Stadt / rinnt allzeit frisches Blutt.
   Dreymal sind schon sechs Jahr / als unser Ströme Flutt /
Von Leichen fast verstopfft / sich langsam fort gedrungen
   Doch schweig ich noch von dem / was ärger als der Tod /
   Was grimmer denn die Pest / und Glutt und Hungersnoth
Das auch der Seelen Schatz / so vilen abgezwungen.