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Gottfried von Neifen

Wer gesach ie wunneklicher me den svessen meigen?

Wer gesach ie wunneklicher me den svessen meigen?
wer gesach ie bas bekleit den walt vnd ouch die wunnenklichen heide?
wer gehort ie bas dv kleinen vogellin gesingen
gegen der wunneklichen wunne in maniger svsser, wunneklicher wise?
da gegen froeit sich manig herze, wan das mine alleine.
das mvos iemer trurig sin, es wende ir wiplich gvete,
dú mich senden mit gewalde lange her betwungen hat.

O we, trútelehter lip, sol ich alsvs verderben?
owe, spilnter ogen schin! hei, mvnt gevar nach wunneklichen rosen!
herzen trut, ir wuestet an mir úwer vriges eigen
wie zimt wibes gvete das, ob ich in senden orgen svs verdirbe?
Iiebú frowe, ich habe iv lange her gedienet von kinde,
des lat mich geniessen! seht, so wirde ich froeideriche.
ob des niht geschiht, so mvos min spilende froeide ein ende han.

Ir vil wunnenklichen wip, ir wolgemveten leigen,
wúnschent, das mis herzen trut mich von den senelichen sorgen scheide!
so bitte ich die gvoten, das sie lâsse mir gelingen
svesse minne, ob das geschiht, dar vmbe ich dine werden tvgende prise.
minne, dv weist wol, es ist dú liebe, die ich da meine
hilf, das mir dú here troste min gemvete!
ob des niht geschiht, so wirt mir sender sorgen niemer rat.

O we, minne, sol ich niht den roten kvs erwerben
vnd den svessen vmbevank, dar zuo ir minneklichen lip, den losen?
suessv minne, maht dv herzeliep an mir erzeigen?
nv was treit dich fúr, ob ich nah der vil herzelieben in liebe stirbe?
minne, ich mvos verderben, ob ich niht die froeide vinde.
ach, dur got, vil selig wib, noch helfent helfecliche!
svessú minne, frage si dur got, was ich ir habe getan!


Neuhochdeutsche Übertragung:
Wer hat den süßen Frühling je schöner gesehen? Wer hat den Wald und auch die liebliche Heide je schöner geschmückt gesehen? Wer hat jemals die kleinen Vögelchen in vielen süßen, lieblichen Melodien der wonnigen Wonne schöner entgegen singen gehört? Darüber freuen sich viele Herzen, nur allein das meine nicht. Das muss immer traurig sein, wenn ihre Frauengüte das nicht ändert, die mich Sehnsüchtigen seit langer Zeit mit Macht in ihre Gewalt gebracht hat.

O weh, du Liebliche, soll ich so zugrunde gehen? O weh, du Glanz der funkelnden Augen! Hei, du Mund in der Farbe lieblicher Rosen! Herzallerliebste, Sie zerstören in mir Ihren ureigensten Besitz. Wie passt das zur Frauengüte, wenn ich in verzehrendem Verlangen so zugrunde gehe? Geliebte gnädige Frau, ich habe Ihnen von Jugend an bis heute gedient, lassen Sie mich dafür Dank ernten! Sehen Sie, dann werde ich überglücklich sein. Geschieht das nicht, dann muss der Höhenflug meines Glücks ein Ende haben.

Ihr wonnigen Frauen, ihr frohgemuten Leute, verlangt, dass die Geliebte meines Herzens mich von den verzehrenden Qualen erlöse! Dann bitte ich die Gute, dass sie geschehen lässt, was ich mir wünsche. Süße Liebe, wenn das geschieht, dann werde ich das Lob deiner Vortrefflichkeit verkünden. Liebe, du weißt wohl, er geht um die Geliebte, die ich im Herzen trage. Hilf, dass sie, die so hoch über mir steht, mich tröstet! Geschieht das nicht, werde ich niemals von meinen verzehrenden Qualen erlöst.

O weh, Liebe, soll ich den roten Kuss nicht bekommen und die süße Umarmung und ihren lieblichen, anmutigen Leib? Süße Liebe, kannst du Herzensgüte an mir erweisen? Was nützt es dir denn, wenn ich in Liebe vor Verlangen nach der Herzallerliebsten sterbe? Liebe, ich muss zugrunde gehen, wenn ich das Glück nicht finde. Ach, herrliche Frauen, kommt um Gottes willen hilfreich zu Hilfe! Süße Liebe, frage sie um Gottes willen, was ich ihr getan habe!