|
|
Gottfried von Neifen
Uns ivngen mannen mag
an frowen sanfte misselingen.
es kan vmb einen mitten tag,
do horte ich eine swingen:
wan si dahs, wan si dahs,
si dahs, si dahs.
Guoten morgen bot ich ir,
ich sprach: »got mvesse úch eren!«
zehant do neig div schone mir;
dar in so muost ich keren:
Wan si dahs, wan si dahs,
si dahs, si dahs.
Di sprach: »hie en ist der wibe
niht, ir sint vnrehte gegangen.
ê úwer wille an minem libe
ergienge, ich sehe úch lieber hangen.«
wan si dahs, wan si dahs,
si dahs, si dahs.
Neuhochdeutsche Übertragung:
Wir jungen Männer können / an Frauen angenehm scheitern. /
Es geschah an einem Mittag, / dahörte ich eine [Flachs] schwingen: /
denn sie schwang, den sie schwang / sie schwang, sie schwang.
Ich bot ihr einen guten Morgen, / ich sprach: »Gott möge Euch segnen!«
/
Sofort dankte die Schöne mir, / ich durfte hereinkommen: / denn sie
schwang, den sie schwang / sie schwang, sie schwang.
Sie sprach: »Hier gibt es keine solchen Frauen, / Ihr seid an der falschen
Adresse. / Ehe ich Euren Willen an meinem Leib / geschehen ließe, sähe
ich Euch lieber hängen.« / Denn sie schwang, den sie schwang / sie
schwang, sie schwang.
|