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Goethe
Johann Wolfgang von
Westöstlicher Divan
Saki Nameh - Das Schenkenbuch
Schenke
Nennen dich den großen Dichter,
Wenn dich auf dem Markte zeigest;
Gerne hör ich, wenn du singest,
Und ich horche, wenn du schweigest.
Doch ich liebe dich noch lieber,
Wenn du küssest zum Erinnern;
Denn die Worte gehn vorüber,
Und der Kuß, der bleibt im Innern.
Reim auf Reim will was bedeuten;
Besser ist es, viel zu denken.
Singe du den andern Leuten,
Und verstumme mit dem Schenken.
Dichter
Schenke, komm! Noch einen Becher!
Schenke
Herr, du hast genug getrunken;
Nennen dich den wilden Zecher!
Dichter
Sahst du je, daß ich gesunken?
Schenke
Mahomet verbietet's.
Dichter
Liebchen!
Hört es niemand, will dir's sagen.
Schenke
Wenn du einmal gerne redest,
Brauch ich gar nicht viel zu fragen.
Dichter
Horch! wir andren Muselmanen,
Nüchtern sollen wir gebückt sein,
Er, in seinem heil'gen Eifer,
Möchte gern allein verrückt sein.
Saki
Denk, o Herr! wenn du getrunken,
Sprüht um dich des Feuers Glast!
Prasselnd blitzen tausend Funken,
Und du weißt nicht, wo es faßt.
Mönche seh ich in den Ecken,
Wenn du auf die Tafel schlägst.
Die sich gleisnerisch verstecken,
Wenn dein Herz du offen trägst.
Sag mir nur, warum die Jugend.
Noch von keinem Fehler frei,
So ermangelnd jeder Tugend,
Klüger als das Alter sei.
Alles weißt du, was der Himmel.
Alles, was die Erde trägt,
Und verbirgst nicht das Gewimmel,
Wie sich's dir im Busen regt.
Hatem
Eben drum, geliebter Knabe,
Bleibe jung und bleibe klug;
Dichten zwar ist Himmelsgabe,
Doch im Erdeleben Trug.
Erst sich im Geheimnis wiegen,
Dann verplaudern früh und spat!
Dichter ist umsonst verschwiegen,
Dichten selbst ist schon Verrat.
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