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Goethe
Johann
Wolfgang von
Römische
Elegien VI.
Kannst
du, o Grausamer! mich in solchen Worten betrüben?
Reden so bitter und hart liebende Männer bey euch!
Wenn das Volck mich verklagt, ich muß es dulden und bin ich
Etwa nicht schuldig? doch ach! schuldig nur bin ich mit dir!
Diese Kleider sie sind der neidischen Nachbarinn Zeugen
Daß die Wittwe nicht mehr einsam den Gatten beweint.
Bist du unvorsichtig nicht oft bei Mondschein gekommen?
Grau, im dunklen Sürtout, hinten gerundet das Haar?
Hast du dir scherzend
nicht selbst die geistliche Maske gewählet?
Solls ein Prälate
denn seyn! gut, der Praelate bist du.
In dem geistlichen Rom, kaum scheint es glaublich, doch schwör ich
Nie hat ein Geistlicher sich meiner Umarmung gefreut.
Arm war ich leider und jung und wohlbekannt den Verführern
Falkonieri hat mir oft in die Augen gegafft,
Und die Kuppler Albanis mich mit gewichtigen Zetteln
Bald nach Ostia bald nach den vier Brunnen gelockt.
Aber wer nicht kam das war das Mädchen. So hab ich
Rothstrumpf immer gehaßt und Violettstrumpf dazu.
Denn ihr seyd am Ende doch nur betrogen! so sagte
Mir der Vater wenn auch leichter die Mutter es nahm.
Und so bin ich denn doch am Ende betrogen! du zürnest
Nur zum Scheine mit mir weil du zu fliehen gedenkst.
Geh! ihr seyd der Frauen nicht werth! wir tragen die Kinder
Unter dem Herzen und so tragen die Treue wir auch;
Aber ihr Männer ihr schüttet mit eurer Krafft und Begierde
Auch die Liebe zugleich in den Umarmungen aus!«
Also sprach die Geliebte und nahm den Kleinen vom Stuhle,
Drückt ihn küssend ans Herz, Thränen entquollen dem Blick.
Und wie saß ich beschämt daß Reden feindlicher Menschen
Dieses liebliche Bild mir zu beflecken vermocht.
Dunckel brennt das Feuer nur augenblicklich und dampfet,
Wenn das Wasser die Glut stürzend und gähling verhüllt;
Aber sie reinigt sich schnell, verjagt die trübenden Dämpfe,
Neuer und mächtiger dringt leuchtend die Flamme hinauf.
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